Schnittstelle

Riehen plant Ersatz für Einführungsklassen – drittes Kindergarten-Jahr soll die Lösung bringen

Schulhäuser in Riehen, Schulanlage Niederholz und Wasserstelzen Schulanlage Wasserstelzen

Riehens Schulanlagen sollen auch Einführungsklassen beherbergen.

Schulhäuser in Riehen, Schulanlage Niederholz und Wasserstelzen Schulanlage Wasserstelzen

Vor fünf Jahren wurden die Einführungsklassen in Basel abgeschafft. In der Zwischenzeit hat die Gemeinderätin Silvia Schweizer in Zusammenarbeit mit der Leitung der Riehener Gemeindeschulen auf Auftrag des Einwohnerrats eine Alternative ausgearbeitet.

Dem Ende der Einführungsklassen (EK) im Kanton Basel-Stadt musste vor fünf Jahren auch die Gemeinde Riehen an ihren Schulen Folge leisten. Die Rufe nach einer Wiedereinführung auf Gemeindeebene verhallten seitdem nie gänzlich. Doch die zuständige Gemeinderätin Silvia Schweizer (FDP) stellte wiederholt klar: «Wir müssen uns an das kantonale Schulgesetz halten und dürfen in Riehen keine Einführungsklassen führen.»

Im Grossen Rat ist derzeit eine Motion von Kerstin Wenk (SP) hängig, welche die Wiedereinführung der Klassen auf Kantonsebene verlangt.

Verbesserte Kommunikation

In der Zwischenzeit hat Silvia Schweizer in Zusammenarbeit mit der Leitung der Riehener Gemeindeschulen auf Auftrag des Einwohnerrats eine Alternative ausgearbeitet. Grundlage dafür war eine umfangreiche Befragung von Lehrpersonen, die den Verantwortlichen klar machte, dass zusätzliche Massnahmen dringend notwendig sind. «Gemäss den Befragungsergebnissen scheint es durchschnittlich rund ein entwicklungsverzögertes Kind pro erste Klasse zu geben», rechnet der Co-Leiter der Gemeindeschulen, Stefan Camenisch vor.

Das heute schon mögliche dritte Kindergartenjahr für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen soll optimiert werden. «Das dritte Kindergartenjahr soll von möglichst grossem Nutzen für die betroffenen Kinder sein. Wir können uns zum Beispiel vorstellen, dass die Kinder an einem Nachmittag in der Woche schon in einer ersten Klasse hinein schnuppern», beschreibt Camenisch. Auch die Kommunikation zwischen den Kindergartenlehrpersonen und den Eltern soll verbessert werden. «Die Zahl der Kinder, die mit einer geringeren Reifeentwicklung oder mit ungenügender Vorbereitung vom Kindergarten in die Primarschule übertreten, wird herabgesetzt», lautet dabei die Zielvorgabe. Sofern dadurch kein zusätzlicher Kindergarten geführt werden muss, kann dies ohne zusätzliche personelle Ressourcen umgesetzt werden.

Es braucht mehr Stunden

Anders in der Primarschule. Eingeschulte Kinder mit einer Entwicklungsverzögerung werden im ersten Semester der ersten Primar-Klasse intensiver betreut. Genauso wie Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, erklärt Stefan Camenisch. «Es geht dabei um die Basis des sozialen Zusammenlebens in der Schule – ob mit den Mitschülern oder der Lehrperson.» Regeln sollen gefestigt und das Verhalten trainiert werden. «Optimal wäre, wenn Lehrpersonen im ersten Semester der ersten Klasse ein höheres Pensum leisten könnten und im zweiten Semester ein reduziertes, weil diese Fördermassnahmen auf das erste Semester konzentriert werden sollen.»

Nach Erarbeitung eines genauen Konzepts durch eine Arbeitsgruppe sollen ab dem neuen Schuljahr 2018/19 das optimierte dritte Kindergartenjahr und möglicherweise weitere Massnahmen für entwicklungsverzögerte Kinder bereits umgesetzt werden.

Maximal 300'000 Franken

Für verhaltensauffällige Kinder soll auch zu Schulbeginn im August 2018 ein Pilotprojekt an einem Standort gestartet werden. Nach einer Auswertung könnte dieses dann ab 2019 an allen Standorten umgesetzt werden. Für die Ausarbeitung eines Konzepts inklusive Pilotphase soll der Einwohnerrat einen Projektierungskredit in der Höhe von 130'000 Franken sprechen.
Sollten sämtliche Massnahmen komplett umgesetzt werden, rechnen die Verantwortlichen mit jährlich anfallenden Kosten von maximal 300'000 Franken.

Einführungsklassen sind aktuell

Die seit Jahren emotional diskutierten Einführungsklassen sind trotz des neuen Konzepts nicht vom Tisch, merkt Gemeinderätin Silvia Schweizer an. «Wenn Einführungsklassen kantonal wieder möglich würden, sind wir auch in Riehen bereit, darüber zu reden.»

Die Angst, dass dies mit den neuen Konzepten nicht möglich sein würde, war für eine Minderheit der zuständigen Sachkommission Grund genug, um gegen das Geschäft zu stimmen. Doch Silvia Schweizer und Schulleiter Stefan Camenisch sind zuversichtlich, mit den vorgeschlagenen Massnahmen die Schnittstelle zwischen Kindergarten und Primarschule für entwicklungsverzögerte und verhaltensauffällige Kinder zu verbessern.

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