Auszeichnung

Riehen Spitzenreiter bei globaler Entwicklungsarbeit – Pratteln Schlusslicht

Gemeinderating nach Entwicklungszusammenarbeit und Nachhaltigkeit.

Gemeinderating nach Entwicklungszusammenarbeit und Nachhaltigkeit.

Eine Rangliste zeigt, inwelchen Gemeinden solidarisch gewirtschaftet wird. Riehen ist klarer Vorreiter, Pratteln ebenso deutliches Schlusslicht. Untersucht wurden der Beitrag an globale Entwicklungsarbeit und nachhaltige Beschaffungen.

Sind die Pflastersteine in den hiesigen Gemeinden von Kindern hergestellt? Zahlen die Gemeinden einen Beitrag für Entwicklungszusammenarbeit? Diese Fragen hat sich die Organisation Solidar Suisse – ehemals Arbeiterhilfswerk – gestellt. Eine Rangliste zeigt, welche Gemeinden besonderen Wert auf diese Fragen legen. Riehen ist nicht nur in der Region top, sondern auch im schweizweiten Vergleich landet die Gemeinde unter den ersten fünf. Andere tun hingegen wenig für globale Projekte.

Die Autoren des Gemeinderatings erhielten alle Informationen durch Fragebogen und Telefoninterviews. In der ganzen Schweiz wurden so 88 Gemeinden untersucht. Nur die Grössten haben mitgemacht. Manche, wie Basel-Stadt, konnten nicht erhoben werden.

Der Riehener Gemeindepräsident Willi Fischer nahm gestern die Auszeichnung von Solidar Suisse entgegen. «Wir sollten von unserem privilegierten Standort etwas weitergeben für diejenigen, die es nicht so gut haben», sagt Fischer. Jedes Jahr spendet die Gemeinde 1 Prozent der Einkommenssteuer – rund 600 000 Franken – an Entwicklungsprojekte. Das Geld geht an Hilfswerke wie Caritas oder das Rote Kreuz, die Vorhaben auf der ganzen Welt fördern.

«Nicht Aufgabe der Gemeinden»

Die Gemeinde Pratteln rangiert auf dem Rating an letzter Stelle. Der Vize-Gemeindepräsident Max Hippenmeyer wehrt sich gegen das schlechte Abschneiden: «Die Studie ist im Allgemeinen wenig aussagekräftig für das verantwortungsvolle Handeln einer Gemeinde.»

Er wisse nicht genau, wie die Daten erhoben werden. Aber die Gemeinde handle durchaus nach solidarischen Prinzipien. «Grundsätzlich haben wir kein schlechtes Gewissen», verteidigt sich Hippenmeyer.

Für ihn sind «globale Projekte nicht die Kernaufgabe der Gemeinden». Entwicklungszusammenarbeit sei in erster Linie Sache des Bundes. Schliesslich unterstütze die Gemeinde Pratteln «viele Projekte, vor allem in lokaler Hinsicht».

Die Co-Autorin der Rangliste Katja Schurter entgegnet dem: «Gemeinden haben auch eine globale Verantwortung.» Sie meint, dass «1 Promille des Steuerertrags einer Gemeinde ein angebrachter Betrag» für die Förderung von Entwicklungszusammenarbeit wäre.

Fairtrade-Materialien

Auch in Sachen Nachhaltigkeit liegt Riehen vor den anderen Gemeinden. Die Rangliste berücksichtigt die nachhaltige Beschaffung von unterschiedlichen Materialen – vom Zement, bis hin zu den Ziegelsteinen für das neue Gemeindehaus. Die Materialien sollten ökologisch und sozial gerecht hergestellt worden sein.

In Allschwil sorgt das Rating ebenfalls für Missmut. Der Allschwiler Gemeinderat Robert Vogt ist überzeugt: «Grundsätzlich hat man nicht alle unsere Dokumentationen berücksichtigt.» Man sei darum bemüht, dass «sehr sozial eingekauft» werde. Laut Vogt zeigt die Erhebung nicht das ganze Bild: «Wir machen in Allschwil einiges, das in den Bereich Soziales geht. Aber wir machen vielleicht zu wenig, damit dies auch dokumentiert wird.»

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