Wahlkampf

Riehen, wie hast dus mit der Religion? Wenn der Glaube zum Thema wird

Dorfkirche in Riehen: Im Wahlkampf dominiert plötzlich der Glaube.Key

Dorfkirche in Riehen: Im Wahlkampf dominiert plötzlich der Glaube.Key

Geheilte Homosexuelle, Freikirchen, Klosterschule – welche Rolle spielt die Religion im Wahlkampf? Von vier Kandidaten fürs Gemeindepräsidium sind drei stark religiös.

Einen Tag vor der Wahl wird Gemeinderat Daniel Albietz (CVP) von seiner Vergangenheit eingeholt. Vor neun Jahren unterzeichnete er acht Thesen zum Bundesgesetz über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare. Darin wird unter anderem von möglichen Veränderungen der homosexuellen Orientierung gesprochen.

Auch folgender Satz aus der sechsten These lässt aufhorchen: «Wussten Sie, dass von homosexuellen Gruppen bewusst die Meinung verbreitet wird, Homosexualität sei eine normale Erscheinung?» Albietz machte aus seinem Glauben nie ein Geheimnis. «Homophob bin ich keinesfalls. Und ich unterstützte damals nicht alle Thesen, sondern die Stossrichtung», stellt der CVP-Gemeinderat klar.

FDP: Glaube spielt keine Rolle

Für seine heutige Tätigkeit sei das mittlerweile neun Jahre alte Papier ohnehin irrelevant. Die christlich abendländische Leitkultur bezeichnet er als «Teil meines Lebens». Er mag jeden Menschen, egal welcher Ausrichtung. Und dass dies stimmt, beweist Albietz seit vier Jahren im Gemeinderat und zuvor schon als Einwohnerrat. «Ich bin lebens- und menschenfreundlich. Ich weiss, dass Gott alle Menschen liebt, und es gibt für mich somit keinen Grund, sie nicht zu mögen.»

Albietz kann deswegen mit Kritik an seinen politischen Entscheidungen überdurchschnittlich gut umgehen. Für ihn könne man Religion nicht isoliert betrachten. «Es geht darin um Überzeugungen und um Werte, die mir wichtig sind», so Albietz. Er sei aber Demokrat genug, die Entscheidungen der Gesellschaft zu akzeptieren.

Für Andreas Zappalà, Präsident des Allianzpartners FDP, steht die politische Arbeit von Daniel Albietz im Zentrum. «Mir persönlich ist es sehr wichtig, zwischen Religion und Glauben und Politik und Staat strikte zu trennen.» Bei der FDP spiele der Glaube im Wahlkampf keine Rolle. «Wenn man Wahlallianzen eingeht, schaut man primär auf gemeinsame politische Richtungen. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass es FDP-Stammwähler gibt, die aus religiösen Gründen den Namen eines Strenggläubigen nicht auf die Liste setzen», so Zappalà.

Der FDP-Präsident glaubt indes nicht, dass Religion und Glauben am Ende entscheidend sein werden. «Es gibt sicherlich jene, die den Kandidierenden aus seiner Kirchgemeinde unterstützen, aber genauso jene, die Thomas Strahm wählen, weil er gerade nicht den Glauben stark lebt.»

«Eine Gruppe von vielen»

Jahrelang gaben vor allem die evangelischen Wähler der EVP ihre Stimme. Der EVP-Co-Präsident Philipp Ponacz ist erfreut, dass in Riehen die Gläubigen noch eine so starke Position haben, dass man um sie buhlt. Wenn es knapp wird, könne der Glaube zum Faktor werden.

Ponacz warnt aber davor, diesen Faktor über zu bewerten. «Die christliche Gemeinschaft ist eine Gruppe von vielen und sie wählt nicht homogen.»

EVP-Präsidiumskandidatin Christine Kaufmann sagt selber, ihr Glaube sei Privatsache. Anders der parteilose Hansjörg Wilde. Er ist stark in der Freikirche St. Chrischona verankert und spricht darüber. «Der Glaube ist für mich ein Teil meiner Person, und dieser widerspiegelt sich darin, wie ich auf Menschen zugehe und wie ich mich mit ihnen unterhalte.»

Speziell hervorheben will er aber seinen Glauben nicht. «Er hilft mir und gibt mir Rückhalt in meinem Leben.» Die sonst regelmässigen Kirchenbesuche an den Sonntagen kamen zuletzt aufgrund des Wahlkampfes bei Hansjörg Wilde zu kurz.

Sogar der SP-Kandidat ist religiös geprägt. Guido Vogel verbrachte in seiner Jugendzeit mehrere Jahre in einem Kloster. «Diese Zeit hat mich geprägt», sagt er heute. Von vier Präsidiumskandidaten sind also drei stark gläubig.

Es fehlt der liberale Strahm. Der wurde zwar in der Kirche konfirmiert und heiratete kirchlich in Riehen, tief verankert wie die anderen drei ist er in der Kirche aber nicht. Neben der bürgerlichen Konkurrenz wird es Strahms grösste Herausforderung sein, ohne diesen religiösen Rückhalt gewählt zu werden.

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