Kaum hatte am Donnerstagabend die Sitzung des Riehener Einwohnerrats begonnen, wurde sie schon für eine Viertelstunde unterbrochen. Grund dafür war, dass das Traktandum zum vorsorglichen Nachkreditantrag für die Bahnquerung Riehen Nord zuoberst auf die Traktandenliste genommen wurde, da der Betrag von 292'000 Franken noch am Nachmittag vor der Versammlung kommuniziert wurde.

Nach einem von Einwohnerratspräsident Heinrich Ueberwasser gewährten Timeout äusserten sich die Fraktionen zu dem Traktandum und liessen ihrem Unmut freien Lauf. Jürg Sollberger (EVP) bedauerte, «dass wir die Zahl erst jetzt bekommen haben» und auch Eduard Rutschmann (SVP) zeigte sich nicht glücklich und sagte, dass seine Partei eine Fristerstreckung brauche und sich die Einführung eines «Dachfensters», also eines Maximalbetrags für Nachkredite, überlege.

Peter Zinkernagel (LDP) schlug in dieselbe Kerbe, als er die Höhe der Überschreitung als Hauptproblem deklarierte: «100'000 Franken als Denkzettel hätte man akzeptieren können, aber eine Überschreitung von 33 Prozent ohne jegliche Belege ist absolut daneben. Das dürfen wir uns nicht bieten lassen.» Ähnlich sahen es auch Priska Keller-Dietrich (CVP) und Silvia Schweizer (FDP).

Dennoch gab es von linker Seite auch ein zähneknirschendes Ja zu dem hohen Kreditantrag. «Schliesslich können wir die aktuelle Situation nicht ewig beibehalten», sagte Roland Lötscher von der SP. Für David Moor (EVP) stellte sich die Frage: «Schauen wir aufs Geld oder auf die Menschen?» Dominik Bothe (GLP) fand schliesslich eine schöne Metapher für die verzwickte Situation: «Es ist eine hässliche Kröte, die wir für die Anwohner von Riehen schlucken müssen.»

Nicht mehr Sitzungsgelder

Nach langen Diskussionen wurde der Antrag mit 21 zu 15 Stimmen und einer Enthaltung an den Gemeinderat zurückgewiesen. Peter A. Vogt (SVP) hofft nun auf eine neuerliche Fristverlängerung des Bundes, damit der bestehende Übergang am Grienbodenweg nicht wie geplant spätestens Ende des Jahres aufgehoben wird: «Ich glaube, Riehen hat gute Argumente dafür.»

Ebenfalls zurückgewiesen wurde die Vorlage über die Entschädigung des Gemeinderates und der Einwohnergemeinde. Thomas Strahm (LDP) bezeichnete die Vorlage als «Schnellschuss», Karl Schweizer (SVP) sagte: «Ich möchte erst sehen, ob der Gemeinderat erfolgreich arbeitet.» Jürg Sollberger dagegen fand wie die SP, CVP und die Grünen, dass die Vorlage die aktuelle Belastung des Gemeinderates gut abbilde.

Auf den Antrag zur Ergänzung zum Anspruch auf Sitzungsgelder des Einwohnerrats wurde mit 23 zu 9 Stimmen mit fünf Enthaltungen nicht eingetreten. Zwar wurde bemerkt, dass die Sitzungsdisziplin in der Tat etwas nachgelassen habe, und es wichtig sei, dass dieses Thema zur Sprache komme. Doch der Gedanke, dass Geld als Motivation zur pünktlichen Teilnahme an einer Sitzung ausschlaggebend sein sollte, störte die meisten. Patrick Huber (CVP) appellierte deshalb zuletzt alle: «Reisst euch in Zukunft am Riemen.»