Riehen
Riehens Bürgerliche demonstrieren ihren Machtanspruch

SVP, FDP und CVP gehen zusammen als überparteiliches Komitee «Bürgerliches Riehen» in den Wahlkampf. Die Allianz ist breit abgestützt und greift mit dem parteilosen Hansjörg Wilde nach dem Präsidium.

Tobias Gfeller
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Die Allianz «Bürgerliches Riehen» geht mit Hansjörg Wilde in den Wahlkampf.

Die Allianz «Bürgerliches Riehen» geht mit Hansjörg Wilde in den Wahlkampf.

Heinz Dürrenberger

Der Bürgerkeller des Landgasthofs war am Montagvormittag voll in bürgerlicher Hand. Und so soll es künftig auch im Riehener Gemeinderat aussehen. Die Stimmung harmonisch, alle fast immer einer Meinung. Eines war von Beginn weg klar: Das Komitee um Präsident Karl Schweizer (SVP) wollte ihren Machtanspruch für den 26. Januar 2014 demonstrieren. Dies nicht nur mit politischen Inhalten, sondern vielmehr mit möglichst vielen Anwesenden.

Gleich 23 Co-Präsidentinnen und Co-Präsidenten umfasst das Komitee. Ein Grossteil von ihnen war beim offiziellen Startschuss am Montag für den Wahlkampf dabei. Doch nur ein kleiner Teil ergriff das Wort. Im Zentrum standen natürlich die drei Kandidaten für den Gemeinderat und der parteilose Hansjörg Wilde, der für die Bürgerlichen Gemeindepräsident werden soll.

Wilde sieht sich um eine Nasenlänge voraus

Karl Schweizer zeigte sich ab der grossen Mobilisierung begeistert. «Wir wollen dokumentieren, dass wir unter Riehens Bürgerlichen verbunden sind und die Wahlen gewinnen wollen.» Mehrere hundert Mitglieder umfasse das Komitee, verkündete er stolz. Wie gross das Wahlkampfbudget sein wird, konnte und wollte er nicht sagen. Dass es im Vergleich zu bisherigen Wahlkämpfen in Riehen immens sein muss, ist kein Geheimnis.

Abtretender Gemeinderat schimpft auf die LDP

Peter Blome, ehemaliger Direktor des Antikenmuseums Basel, alt Regierungsrat Eugen Keller, Gewerbeverbandspräsident Marcel Schweizer, Nationalrat Daniel Stolz und alt Botschafter Emanuel Jenni - dies sind nur ein paar der prominenten Namen des Co-Präsidiums des überparteilichen Komitees.

Alt Grossrat und Riehener Bauunternehmer Theo Seckinger senior kehrte nach einem «unrühmlichen» Zwischenfall mit LDP-Gemeinderat Christoph Bürgenmeier aus der LDP aus und setzt sich nun für das bürgerliche Komitee ein. Bürgenmeier habe seine Firma aus der Ausschreibung zum Umbau des Landgasthofes gestrichen.

Die LDP, die mit Thomas Strahm und Christoph Bürgenmeier in den Wahlkampf zieht, war am Montag omnipräsent. «Ihr Abstimmungsverhalten im Einwohnerrat ist oft nicht mehr bürgerlich», sagte der abtretende FDP-Gemeinderat Thomas Meyer. Der Einwohnerrat sei auf dem Papier zwar bürgerlich, politisiere aber nicht dementsprechend. «Es gibt alte, ziemlich schwierige Seilschaften, die die bürgerliche Mehrheit gar nicht zum Vorschein kommen lassen.» Den Alleingang der LDP bezeichnet Meyer als «letzte Strampelversuche einer sterbenden Partei».

Der parteilose Hansjörg Wilde gab sich indes selbstbewusst, als selbstständiger Unternehmer für die Verhandlungen mit dem Kanton über den Finanz- und Lastenausgleich gerüstet zu sein. «Ich bin als Selbstständiger jemandem, der nicht selbstständig ist, um eine Nasenlänge voraus». Es müsse in den Verhandlungen 2016 zusammen mit Bettingen das Ziel sein, die kommunale Autonomie zu wahren. «Wir müssen Sorge tragen zu unseren Steuerzahlern», so Wilde. Neben ihm sassen Silvia Schweizer (FDP), Eduard Rutschmann (SVP) und Daniel Albietz (CVP), die die bürgerliche Mehrheit im Gemeinderat sichern sollen.

Die Aufgaben scheinen bereits für den Gemeinderat zugeteilt. Schweizer schaut aufs Geld und auf die Bildung, Rutschmann sorgt sich um die Sicherheit und der einzig bisherige Daniel Albietz möchte Riehen «mit Augenmass entwickeln».

«Wichtig, dass SVP im Gemeinderat ist»

Dass die demonstrierte Einigkeit nicht über gewisse Divergenzen hinwegtäuscht, zeigte die vergangene Einwohnerratssitzung bestens. Die SVP erhebt gegen die verabschiedete Dorfkernplanung von Gemeinderat Daniel Albietz das Referendum. Auch die FDP um Fraktionspräsidentin Silvia Schweizer stimmte dagegen. «Genau aus solchen Gründen erachte ich es als wichtig, dass die SVP im Gemeinderat vertreten ist. Wir hätten sie in die Dorfkernplanung noch besser einbeziehen können», spielte Albietz die Meinungsverschiedenheit herunter.