Hansjörg Wilde

Riehens Gemeindepräsident verteidigt seine Unterstützung einer christlichen Jugendorganisation

Wegen einem christlichen Flyer geriet der Riehener Gemeindepräsident Hansjörg Wilde in die Kritik.

Wegen einem christlichen Flyer geriet der Riehener Gemeindepräsident Hansjörg Wilde in die Kritik.

In einem Flyer wirbt Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde für eine Bibel-Verteilaktion einer christlichen Jugendorganisation. Am Mittwoch musste er sich deswegen an der Einwohnerratssitzung verteidigen. Er selbst sieht in seiner Unterstützungsaktion kein Problem.

Für Hansjörg Wilde (parteilos) ist seine Aufforderung auf einem Flyer der Organisation «Jugend mit einer Mission», sich auf deren Bibel-Verteilaktion einzulassen und der Organisation mit Offenheit zu begegnen, kein Widerspruch zur Trennung von Kirche und Staat. Dies hatte SP-Einwohnerrat Martin Leschhorn in einer Interpellation kritisiert und seine Sorge geäussert, dass das Amt des Gemeindepräsidenten als politische Institution Schaden nehmen könnte (die bz berichtete).

Wilde ging an der Einwohnerratssitzung vom Mittwoch in den Gegenangriff über und zeigte sich überrascht davon, dass Leschhorn die Organisation «ohne nähere Begründung» als «missionarisch» oder «fundamentalistisch» disqualifiziere und sie sogar als eine Gefahr für die Gesellschaft bezeichne. Die Organisation trete nicht missionarisch auf, stellte Wilde klar. Mit ihren sozialen Einsätzen sei die Bewegung auch in evangelischen Frei- und Landeskirchen tätig.

«Was ist gegen die Botschaft der Bibel einzuwenden?»

Dass «Jugend mit einer Mission» Bibeln verteilt, sollte in einem Land und in einem Dorf, das sich nach wie vor auf eine christlich-abendländische Leitkultur berufe, wie Wilde betonte, «eigentlich nicht für Unverständnis sorgen», meinte der Gemeindepräsident irritiert. «Und was ist in einer anspruchsvollen Zeit, die unser Land und die ganze Welt aktuell erlebt, gegen die Botschaft der Bibel einzuwenden? Eine Botschaft, welche Werte wie Nächstenliebe, Eigenverantwortung, soziale Verantwortung, Gerechtigkeit und Freiheit zum Inhalt hat. Ich stelle mich als Gemeindepräsident hinter diese Werte.»

Wilde sieht in seinen Worten auf dem Flyer kein Fehlverhalten als Gemeindepräsident. Individuelle Wortmeldungen, zum Beispiel auf Anfrage nach einem Grusswort, würden im persönlichen Ermessen eines Mitglieds des Gemeinderats liegen, solange sich dieses nicht gegen die offizielle Meinung des Gemeinderats in einem Sachgeschäft stellt. Interpellant Leschhorn selber zeigte sich ab den Erklärungen von Hansjörg Wilde «dezidiert nicht zufrieden».

Kein Moratorium fürs Stettenfeld

Christian Heim (SVP) verlangte per Motion ein Moratorium für das heute noch praktisch unbebaute Gebiet Stettenfeld an der Grenze zu Lörrach, von dem 55 Prozent der Gesamtfläche von 17,5 Hektaren in der Bauzone liegen. Über die Hälfte der Gesamtfläche ist im Besitz der Einwohnergemeinden Riehen und Basel. Sie sollen in den nächsten 25 Jahren auf jegliche Bautätigkeit im Stettenfeld verzichten, fordert Heim.

Er erinnerte an das Bevölkerungswachstum in Riehen der letzten Jahre und die dadurch steigenden Kosten für die Gemeinde, unter anderem im Bereich Bildung aufgrund der steigenden Schülerzahlen. Der Gemeinderat erklärte die Motion aber für rechtlich nicht zulässig, unter anderem, weil ein solches Moratorium das übergeordnete Raumplanungsgesetz verletze. Auch der Gesamt-Einwohnerrat wollte von einem Moratorium nichts wissen. Doch mehrere Votantinnen und Votanten erinnerten daran, wie wichtig es sei, dass das Stettenfeld mit Rücksicht auf die Menschen und Grünflächen entwickelt werde.

Cornelia Birchmeier, Mitglied der Grünen und Teil der EVP-Fraktion, äusserte gar Sympathien für ein Bau-Moratorium von Seiten der beiden Einwohnergemeinden. Die Dauer von 25 Jahren seien aber zu lang. Die Diskussion machte wieder einmal deutlich, wie sensibel die Gemeinde die Entwicklung des Stettenfelds angehen muss. Mit öffentlichen Führungen über das Areal ging diese die Gemeinde zuletzt dementsprechend an.

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