Art Basel

Riesen-Kunstwerke und Performances: Basel ist jetzt ein Kunst-Parcours

Die Clarakirche, das Waisenhaus und das Restaurant zum Rebhaus sind Stationen des diesjährigen Art Parcours, der im Rahmen der Kunstmesse Art Basel stattfindet. In der ganzen Stadt gibt es übergrosse Kunstwerke zu bewundern.

Jedes Jahr bespielt der Art Parcours einen anderen Teil der Altstadt. In diesem Jahr ist die Gegend zwischen Claraplatz, Rheingasse und Waisenhaus an der Reihe - zum zweiten Mal kuratiert von Florence Derieux kuratiert, der Direktorin des FRAC Champagne-Ardenne.

Eines der besten Werk, das der Parcours in seiner fünften Auflage bereit hält, ist die namenlose Skulptur des chinesischen Künstlers Zeng Fanzhi, die im Hatstätterhof am Lindenberg zu sehen ist. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein überdimensionierter Bronzeast ist auf den zweiten Blick eine raffinierte Integration traditioneller chinesischer Kunst und zeitgenössischer Praxis. Die Bewegung der Skulptur spiegelt den Rhythmus chinesischer Schriftzeichen und Kalligraphie ebenso wider wie die unverwechselbare Malweise von Ma Yuan (ca. 1190-1224), der führ seine Fähigkeit berühmt war, verdrehte abgebrochene Äste in einem Strich zu erfassen.

Schön ist auch «Holmby Hills Light Folley» (2012) von US-Künstler Chris Burden, das aus vier im Artdeco-Stil wunderbar verschnörkelten eisernen Bänken und vier komplett restaurierten, extrem seltenen gusseisernen Lampen aus den 1920er Jahren besteht. Die Lampen stammen ursprünglich aus Holmby Hills, einem exklusiven Wohnviertel von Beverly Hills und sind deshalb besonders, weil die Laternen an einem geschweiften Haken hängen und so an Märchenlaternen erinnern. Lampen und Bänke sind so arrangiert, dass ein gemütlicher Platz zum verweilen entsteht - drauf sitzen ist durchaus erlaubt, so dass die Arbeit manche Kunstmüde zur Pause einlädt.

Eine spannende Performance ist «278 km (as a letter of Nietzsche)» (2014) vom Italiener Francesco Arena, der die «Wahnbriefe» Nietzsches aufgreift (zu sehen im Wettsteinhof). Das sind eine Reihe von Briefen, die der Philosoph nach einem seiner schwersten psychischen Zusammenbrüche aus seiner Turiner Wohnung an verschiedene Freunde schrieb. Einer der Empfänger, der in Basel lebende Franz Overbeck, war durch die Briefe alarmiert und reiste besorgt zu seinem Freund, dem 278 km entfernten Turin. 278 km entspricht auch der Distanz, welche die Performer dieser Arbeit während der Dauer der Art nach einem ausgeklügelten Plan zurücklegen werden.

Tierische Art Basel

Tierische Art Basel

Delfin, Hase oder gegrillter Truthahn. An der Kunstmesse fallen 2014 im Speziellen Tierwerke ins Auge.

Von den Arbeiten, die an unterschiedlichen Orten realisierten sind, ist die Plakatkampagne des Briten Ryan Gander beeindruckend. «Make everything like it's your last» (2013) sucht nach Tagträumern als Reaktion auf die Kürzung staatlicher Kunstunterstützungen durch die britischen Regierung, obwohl die Kultur sogar während Rezessionen eine der wichtigsten Exporteinkünfte Grossbritanniens darstellt.

Der Parcours (öffentlich und kostenlos) bespielt Plätze (etwa den Claraplatz) und Höfe (beispielsweise den Garten des Alterszentrum zum Lamm), aber etwa mit der Arbeit des Franzosen Jean-Luc Blanc, einem gemalten Portrait, das am Lindenberg im Fenster eines Privathauses ausgestellt ist, mit der an zahlreichen Orten (in Cafés und einem Coiffeur Salon) realisierten Klanginstallation von Seth Price oder mit dem Video «men asleep» von Joao Penalva, das im ersten Stock des Restaurant zum Rebhaus, dem ehemaligen Zunfthaus, zu sehen ist, wird auch immer wieder die Grenze von öffentlichem und halböffentlichem bis fast privatem Raum überschritten. Zusätzlich zu den fixen Installationen fand gestern Nacht die Parcours Night statt, mit weiteren Performances, einem Film von Mario Garcia Torres im kult.kino Camera und der Aufführung von Guido van der Werves «home, a requiem» in der St. Clarakriche als Soundtrack zu dessen aktuellsten Film «Nummer veertien, home», der auch im Sektor Unlimited zu sehen ist.

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