Zum ersten Mal überhaupt spielt das Quintett um den überragenden Sänger Robert Smith ein Konzert in Basel und untermauert eindrücklich seinen Ruf als exzellente Liveband. Zweieinhalb Stunden lang spielen sich die 80er-Pioniere durch ein kurzweiliges Set aus Goth Rock, New Wave und Popmusik.

Halle ist seit Wochen ausverkauft

Die Haare wie immer zerzaust, der Hoodie mit Pailletten bestickt, das Gesicht geschminkt: Robert Smith, mittlerweile 57, betritt die Bühne. Die St. Jakobshalle ist zum Bersten voll, die (früher mal gute) Vorband The Twilight Sad überstanden, ab Band wird ein Intro eingespielt.

Vier Jahre sind vergangen, seit The Cure letztmals ein Konzert in der Schweiz spielten, acht seit dem letzten Clubkonzert. Der Auftritt in der St. Jakobshalle ist folglich seit Wochen ausverkauft. Gibt es schönere, charmantere Konzertlocations als die Joggelihalle? Unbestritten. Doch immerhin ist der Sound viel besser als erwartet, zumindest direkt vor dem Mischpult.

Der dramaturgische Bogen, den The Cure an ihren Konzerten zu schlagen vermögen, ist in der moderneren Popgeschichte vielleicht einzigartig. Spielend reiht die Band Hits an täglich wechselnde Raritäten, verlangsamt und beschleunigt Tempo und Druck und schafft dabei etwas beinahe Lebendiges. So auch in Basel.

In Topform mit 57 Jahren

Das Eröffnungslied «Opener» ist ein Vorgeschmack auf eine besonders vom Album «Wish» geprägte Setlist. Schnell wird das Tempo danach angezogen, Hit folgt auf Hit: «Boys Don’t Cry», «Pictures of You», «Lovesong», «Just Like Heaven» und das Konzert hat gerade erst begonnen. Es folgen weniger bekannte Songs, doch der Spannung tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die ausufernden Interpretationen von «From the Edge of the Deep Green Sea» und «A Forest» gehören zum Besten des ganzen Abends.

Robert Smith ist in Topform, trifft jeden Ton und zieht das gesamte Publikum in seinen Bann. Worte braucht er zwischen den Songs kaum, der Songwriter sagt alles in seinen Texten. Neben ihm stürmt Bassist Simon Gallup, der alte Punker im Iron-Maiden-Shirt, auf der Bühne mit seinem Bass hin und zurück. Die Harmonie zwischen den insgesamt fünf Bandmitgliedern ist ausgezeichnet. Routiniert, aber nie gelangweilt, pflügen sich The Cure durch eine zum Glück nicht endende Setlist.

Ein verlegener Superstar

Das Publikum ist fast so angenehm wie die Band gut. Neben jungen, vornehmlich schwarzgekleideten Fans gehört ein grosser Teil zu den alten Cure-Kennern, die beim ersten Takt eines neuen Songs kopfnickend den Songtitel zur Begleitung raunen und später mit den Armen über dem Kopf tanzend mitsingen.

Geschwätz gibt es absolut keines – man ist bei der Messe und lauscht gebannt Pastor Robert Smith. Dieser scheint aber auch mit 40 Jahren Bühnenerfahrung verlegen über jeden Applaus. Ein kurzes «Thank You», dann geht es sofort weiter mit dem nächsten Song.

Das Publikum ist unersättlich

Nach knapp eineinhalb Stunden schliesst die Band mit einer ausgedehnten Interpretation von «End» ihr Set – nur um danach während einer weiteren Stunde nochmals zwölf Songs zu spielen.

Während dem dritten Zugabeblock singt Smith, und mit ihm das Publikum ganze Publikum «It’s never enough» und man wünscht sich, er nähme es sich zu Herzen: Gerne hätten The Cure noch eine weitere Stunde bleiben dürfen, mindestens.

Doch der sichtlich erschöpfte Smith winkt nach dem 27. Song scheu ins Publikum, grinst kurz und verlässt die Bühne. Hoffentlich dauert es nicht wieder beinahe ein halbes Jahrzehnt bis zum nächsten Konzert.