Andreas Hanslin ist der wohl bekannteste Jugendarbeiter der Stadt Basel. Seit über drei Jahrzehnten verkörpert der Mittsechziger mit dem prägnanten Schnauzer den Verein Robi-Spiel-Aktionen. 

Der bisherige Geschäftsführer hat die offene Kinderarbeit in Basel auf- und ausgebaut. Mittlerweile hat der Verein ein Budget von über zwölf Millionen Franken. In den vergangenen Jahren sind die Aufgaben des Vereins nochmals deutlich gewachsen. Neben den bekannten Robi-Spielplätzen, der Kinderferienstadt und ähnlichen Einrichtungen, ist der Verein an unterschiedlichen Standorten im Auftrag des Erziehungsdepartements für die Tagesstrukturen zuständig und organisiert Betreuungsangebote während den Schulferien. Dazu kommen eine Reihe weiterer Engagements in Gartenbäder, Kunsteisbahnen oder an der Herbstmesse.

 

Beim Ausbau wurde jedoch offenbar der Fokus zu stark auf sozialpädagogische und zu wenig auf finanzielle Fragen gelegt. Das Problem war bekannt. Auch die zuständige Grossratskommission thematisierte die Probleme im administrativen Bereich. Die Verantwortlichen waren administrativ überfordert und nahmen die Ausweitung des Angebots vor ohne entsprechende Refinanzierung. So rutschte der Verein in ein strukturelles Defizit. 2016 resultierte ein Verlust von 114'000 Franken, das Vermögen schrumpfe auf 194 000 Franken. Die Zahlen von 2017 liegen nicht vor, im schlechtesten Fall resultiert wieder ein sechsstelliger Verlust.

Nach dreissig Jahren gekündigt

Doch es kommt noch schlimmer: Unter den Aktiven hat der Verein Forderungen in der Höhe von rund 756'000 Franken verbucht. Vergangenes Jahr wurde der Buchhalter entlassen und die Revisionsgesellschaft ausgetauscht. Dabei fiel auf, dass es für eine aufgeführte Forderung von einer halben Million Franken weder eine Begründung noch Belege gibt. Wie genau der Betrag zwischen 2015 und 2016 in die Rechnung kam, wird noch abgeklärt. Eine Möglichkeit ist, dass dabei mit Leistungsbeiträgen des Kantons gerechnet wurde, die der Verein nicht zugute hat. Selbst deliktische Handlungen sind nicht ausgeschlossen. Unter dem Strich bedeutet dies, dass der Verein mit bis zu 500'000 Franken verschuldet ist.

Als das Loch in der Kasse bekannt wurde, schlugen die Verantwortlichen Alarm. Dazu muss man wissen: Der Verein Robi-Spiel-Aktionen zählt genau drei Mitglieder. Die Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) und zwei ihrer Stiftungen. Faktisch hat die GGG mittlerweile die Führung des Vereins Robi-Spiel-Aktionen übernommen. Die GGG unterstützt den Verein mit jährlich 100 000 Franken. Der deutlich grössere Brocken der Finanzen – rund sieben Millionen Franken jährlich – stammt aus der Kantonskasse. Eine entscheidende Rolle in der aktuellen Situation spielt GGG-Vorstandsmitglied Ruth Ludwig-Hagemann, frühere Mitbesitzerin der «Basler Zeitung» und aktuell Verwaltungsrätin bei Radio Basilisk.

 

Offenbar möchten sie und weitere GGG-Vorstandsmitglieder die Robi-Spiel-Aktionen schon lange ganz in die GGG integrieren. Etwas wogegen sich Hanslin immer gewehrt hatte.

Gemäss Recherchen der bz wurde Hanslin vor die Wahl gestellt. Er würde intern zurückgestuft oder aber müsse seine Sachen packen. Der Geschäftsleiter reagierte mit der Kündigung. Daraufhin stiegen die Mitarbeiter der Robi-Spiel-Aktionen auf die Barrikaden. In einem Schreiben, das der bz vorliegt, kündigten sie an, dass sie unter diesen Umständen keine Perspektive für eine weitere Zusammenarbeit mehr sehen würden. Gleichzeitig fordern sie, dass sich die GGG aus dem Verein Robi-Spiel-Aktionen zurückzieht und dieser für andere Mitglieder geöffnet wird. Die GGG dagegen hat angeboten, das finanzielle Loch, dass aufgrund der zusätzlich entstehenden Kosten durch die Kündigung von Hanslin auf bis zu eine Million Franken anwachsen könnte, zu stopfen. Die Vermutung liegt nahe, dass dabei die Robi-Spiel-Aktionen ganz in die GGG integriert werden sollen.

Dieter Erb, Geschäftsführer der GGG, bei der die Robi-Spiel-Aktionen angesiedelt sind, bestätigt, dass es bei der Buchhaltung Unklarheiten gibt. Momentan sei man aber noch am Jahresabschluss und könne noch nichts Definitives sagen. Zudem stehe man im Dialog mit der Geschäftsleitung der Robi-Spiel-Aktionen. Auch um ein allfälliges Finanzloch kümmert sich die GGG: «Wir stehen als Träger in der Verantwortung.» Erb betont, dass die Robi-Spiel-Aktionen in keiner Art und Weise infrage gestellt sind. Auch die Idee, die Robi-Spiel-Aktionen ganz in die GGG zu integrieren, sei nur eine von mehreren Varianten.

Andreas Hanslin und Ruth Ludwig-Hagemann waren gestern nicht erreichbar.