Basler Berufsmesse
Roche & Co. verstecken sich bei Lehrstellen-Messe in Mini-Stand

Die sechs grossen Basler Life-Science-Firmen teilen sich an der Berufsmesse einen Stand, der kleiner ist als jener der Kantonsverwaltung. Gleichzeitig beklagen sie sich über den Mangel geeigneter Kandidaten und zu hohe Gymnasialquoten.

Samuel Hufschmid
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Sechs der grössten Firmen des Kantons, zusammengepfercht in einem Stand.

Sechs der grössten Firmen des Kantons, zusammengepfercht in einem Stand.

huf

Was haben die Baubranche, die Maschinenbauer und der Detailhandel gemeinsam? Sie alle sind an der Basler Berufsmesse mit grösseren Ständen vertreten als die für Basel so wichtige Life-Science-Branche. Bachem, BASF, DSM, Novartis, Roche und Syngenta machen gemeinsam mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr, teilen sich an der grössten Lehrlingsmesse der Region aber einen gemeinsamen Mini-Stand; kleiner als derjenige der Basler Verwaltung.

Roche-Sprecherin Simone Oeschger sagt dazu auf Anfrage: «Unsere Teilnahme an Berufsmessen ist ein wichtiges Element in der Rekrutierung von Lehrlingen. Über viele Jahre hinweg hat sich eine enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Life Science Unternehmen etabliert, durch die wir den Jugendlichen einen ausgewogenen, praxisorientierten Einblick in die Lehrberufe der Branche ermöglichen können.»

Und doch die Klage über zu wenig Lehrlinge

Die Chemie- und Pharmabranche beklagen sich immer wieder, dass kaum genügend qualifizierte Lehrlinge gefunden werden können. Ende August sagte ein Novartis-Vertreter gegenüber der bz, es sei «schwieriger geworden, die richtigen Leute zu finden». Der Konkurrenzkampf zu anderen Branchen sei gross und gerade im urbanen Gebiet würden sich viele Jugendliche für den schulischen Weg über das Gymnasium oder eine Mittelschule entscheiden. Die Roche-Sprecherin hingegen sagt, dass ihre Firma bisher immer alle rund 100 jährlich ausgeschriebenen Lehrstellen mit qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern besetzen konnte.

Der Hallenplan der Berufsmesse. Links die sechs Life-Science-Firmen, rechts der Kanton mit seinen Lehrstellen innerhalb der Verwaltung.

Der Hallenplan der Berufsmesse. Links die sechs Life-Science-Firmen, rechts der Kanton mit seinen Lehrstellen innerhalb der Verwaltung.

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Noch bis Sonntag Berufe anschauen

Gabriel Barell, Direktor des Gewerbeverbands Basel-Stadt, der die Berufsmesse organisiert, würde sich grundsätzlich schon über noch mehr und noch grössere Stände freuen. Er sagt allerdings, dass er glücklich sei, dass die grossen Life-Science-Firmen an der Messe präsent seien. «Die Branche als Ganzes ist mit insgesamt zwei Ständen vertreten, einem für den Ausbildungsverbund der Novartis und einer für die sechs Life-Science-Firmen. Ob dieser nun die passende Grösse hat, überlasse ich den Entscheidungsträgern in den Firmen, die haben viel Erfahrung mit solchen Anlässen.»

Die 7. Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse läuft seit Donnerstag und noch bis Samstag in der Rundhofhalle der Messe Basel. Über 100 Firmen und Berufsverbände buhlen um die Gunst der erwarteten 30'000 Schülerinnen und Schüler. Die bz war am Eröffnungstag vor Ort und hat fünf Jugendliche nach ihren Berufswünschen gefragt. Ihre Antworten finden Sie in der hier:

Rebekka, 13 Jahre alt, 2. Sek. Gelterkinden «Ich interessiere mich für den Coiffeur-Beruf. An der Messe ist toll, dass ich direkt mit einem ehemaligen Lehrling sprechen konnte. Er sagte mir, dass er 3200 Franken verdient – gar nicht so schlecht. Aber wichtiger für mich ist, dass ich mit Menschen arbeiten kann und dass ich sie glücklich machen kann.»
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Tom, 13 Jahre alt, 2. Sek. Sissach «Ich interessiere mich für einen Beruf im Bereich Chemie, weil diese Branche gute Zukunftsaussichten hat. Ich habe am Stand gefragt, bei welchem Beruf man mit richtig grossen Maschinen arbeiten kann. Allerdings bin ich auch an einem Studium interessiert und weiss noch nicht, wie ich mich entscheiden werde.»
Besiana, 15 Jahre alt, Clara-Schule Basel «Ich will medizinische Praxisassistentin werden. Ich war schon vorher ziemlich überzeugt und konnte nun am Stand mit zwei Mädchen sprechen, die bereits in der Ausbildung sind. Sie haben mir sogar Tipps für die Bewerbung gegeben und mir versichert, dass man viel mit Menschen zu tun hat, ich bin sehr happy.»
Maximilian, 14 Jahre alt, 1. Sek. Gelterkinden «Ich will eine Lehrstelle als Plattenleger. Mein Vater ist Plattenleger und ich helfe ihm in den Ferien aus. Der Beruf macht mir grossen Spass und ich bin auch froh, dass ich bereits weiss, was ich werden will. Der Besuch an der Messe ist trotzdem spannend, allerdings war ich noch nicht am Stand der Plattenleger.»
Sarah, 13 Jahre alt, 2. Sek. Therwil «Ich habe mich am Stand der Physiotherapeuten über die Berufslehre informiert. Dieser Beruf interessiert mich sehr, weil man viel mit Menschen zu tun hat. Meine Mutter sagt, dass ich ein sehr sozialer Mensch bin und für mich war schon immer klar, dass ich mit Menschen oder Tieren arbeiten möchte.»

Rebekka, 13 Jahre alt, 2. Sek. Gelterkinden «Ich interessiere mich für den Coiffeur-Beruf. An der Messe ist toll, dass ich direkt mit einem ehemaligen Lehrling sprechen konnte. Er sagte mir, dass er 3200 Franken verdient – gar nicht so schlecht. Aber wichtiger für mich ist, dass ich mit Menschen arbeiten kann und dass ich sie glücklich machen kann.»

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