Roche-Areal
Basler Regierung erteilt Heimatschutz eine Abfuhr

Das Unterschutzstellungsverfahren für historische Bauten sei korrekt gelaufen. Der Heimatschutz wirft dem Regierungsrat Rechtsverweigerung vor.

Patrick Marcolli
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Soll abgerissen werden: Der Bau 52 von Roland Rohn.

Soll abgerissen werden: Der Bau 52 von Roland Rohn.

Bild: Kenneth Nars

Es scheint paradox: Während der Streit um die Unterschutzstellung von zwei alten Gebäuden des Pharmakonzerns Roche seine Kreise zieht, wird mit Hochdruck an den grossen, das Stadtbild dominierenden Hochhäusern gebaut. Mehr oder weniger diskussionslos wurde die umfassende Neugestaltung des Campus im Wettstein-Quartier politisch durchgewunken.

Die neueste Entwicklung in Sachen Denkmalstatus für die Gebäude 27 (Produktionsbau von Otto Rudolf Salvisberg) und Bau 52 (Hochhaus von Roland Rohn) vermeldete gestern der Heimatschutz Basel. Die Regierung hat dem Verein per Präsidialbeschluss mitgeteilt, dass sie auf seinen Verwaltungsrekurs nicht eintreten werde.

«Massgeschneidertes Verfahren» kritisiert

Dieser Rekurs betraf das Verfahren zum Entscheid, ob die beiden erwähnten Gebäude unter Schutz zu stellen sind. Der Verein stellt sich auf den Standpunkt, dass sich der Denkmalrat bei seinem Entscheid, Bau 27 und 52 der Roche nicht zu schützen, grundsätzlich einem Antrag auf Unterschutzstellung an die Regierung verweigert habe. Mit dem Hinweis auf die fehlende «Schutzfähigkeit» der Bauten, einem in Fachkreisen umstrittenen Begriff, sei auf der Ebene einer Fachstelle, also dem Denkmalrat, ein Entscheid gefällt worden, der eigentlich nur dem Regierungsrat im Zusammenhang mit einer umfassenden Interessenabwägung zustehe.

Niederlage für den Heimatschutz: Obmann Christof Wamister vor dem Bau 27 von Otto Rudolf Salvisberg.

Niederlage für den Heimatschutz: Obmann Christof Wamister vor dem Bau 27 von Otto Rudolf Salvisberg.

Bild: Kenneth Nars

Dieses «massgeschneiderte Verfahren», so der Heimatschutz, komme einer Rechtsverweigerung gegenüber den in Denkmalschutzfragen rekursberechtigten Organisationen, zu denen auch der Heimatschutz gehört, gleich. Implizit wirft der Verein der Regierung vor, sich vor diesem heiklen Entscheid für oder gegen die Interessen von Roche gedrückt zu haben. Heimatschutz-Obmann Christof Wamister zeigte sich gestern «befremdet» über den Beschluss. Auf einen Weiterzug ans Appellationsgericht verzichtet der Verein allerdings, «in Beurteilung der realen Chancen».

Drei Mitglieder des Denkmalrats befangen

Materiell äussert sich die Regierung in ihrem Beschluss, wie in solchen Fällen üblich, nicht zum Fall der Roche-Bauten sondern bleibt formalistisch. Das Denkmalschutzgesetz sehe kein Antragsrecht von Privaten vor. Sachbezogen wesentlich aufschlussreicher ist dagegen die kürzlich erfolgte Beantwortung einer Interpellation von SP-Grossrätin Salome Bessenich. Darin schreibt der Regierungsrat, er messe auch «dem baukulturellen Erbe auf dem Roche-Areal und den historischen Qualitäten von Einzelbauten einen hohen Stellenwert zu». Jedoch: «Die bauliche Entwicklung und die Bedürfnisse der Firma können dabei nicht losgelöst voneinander betrachtet werden.» Es gelte, eine Gesamtbetrachtung vorzunehmen. Diese habe die staatliche Denkmalpflege mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit der betreffenden Bauten vorgenommen, sprich: Gestützt auf ein externes Gutachten wurden die Bauten 27 und 52 als nicht schutzfähig klassifiziert.

Interessant schliesslich die Rolle des Denkmalrats, der sich als begleitendes Fachgremium dieser Sicht angeschlossen und dadurch einen Entscheid der Regierung obsolet gemacht hat. Drei von sieben Mitgliedern mussten in den Ausstand treten: Die Kunsthistorikerin Dorothee Huber, die sich via eine Petition öffentlich für die Unterschutzstellung der Bauten 27 und 52 stark gemacht hat, sowie die Architekten Quintus Miller und Marco Zünd, welche aktuell mit der Roche in einer Geschäftsbeziehung stehen.