Er ist stadtbekannt und viele halten ihn für einen Bau von Otto Rudolf Salvisberg, dabei hat ihn Roland Rohn entworfen. Die Rede ist vom Kollegiengebäude der Basler Universität am Petersgraben, welches zwischen 1937 und 1939 erbaut wurde. Von Salvisberg existiert ein Vorgängerbau. Gemeint ist das Verwaltungsgebäude der F. Hoffmann-La Roche AG, das zwei Jahre vorher, 1936, von Otto Rudolf Salvisberg erbaut wurde.

Dieser sass in der Jury des Wettbewerbs für das Kollegiengebäude und hat Rohn zu diesem Auftrag verholfen; Rohn wurde nach dem Tod Salvisbergs 1940 zu dessen Nachfolger für die Roche-Bauten ernannt. Severin Schwan und die Roche-Leitung besinnen sich bei den neusten Plänen des Campus zwischen Wettsteinallee und Rhein auf Salvisberg und das Bauhaus – und das aus gutem Grund. Wie Juerg Erb, Standortarchitekt von Roche in einem Gespräch mit der bz ausführte, reichte das anfängliche Areal anfänglich nur vom Rhein bis an die Grenzacherstrasse. Noch vor dem Landerwerb gegen die Wettsteinallee, hatte Otto Rudolf Salvisberg 1939 einen Masterplan für das zukünftige Gelände erstellt, der genial ist und auf den sich Roche zurückbesinnt. Herzog & de Meuron werden auf seiner Basis in den kommenden zehn Jahren die neuen Gebäude erstellen.

Nicht nur das Verwaltungsgebäude, auch das Produktionsgebäude 29 wurde von Salvisberg entworfen. Dieser Prototypenbau, der sowohl in Basel, wie auch in England und USA gebaut wurde, wird reaktiviert. Er weist wenige Stockwerke auf, ist filigran, funktional und lichtdurchflutet. Merkmale also, die ihn in die Nähe von Bauhaus und Neues Bauen rücken.

Rücksichtnahme auf die Nachbarn

Doch Salvisbergs Masterplan birgt noch weitere Überraschungen. Um die Bedürfnisse der Anwohner zu berücksichtigen, plante er die hohen Gebäude im Zentrum – niedrige Gebäude an den Rändern des Geländes. Zudem sollten die Randbauten eine geschlossene Front aufweisen, um auch als Lärm- und Geruchsschutz – Luftreinhalteverordnungen und Lärmschutzgesetze gab es damals noch keine – zu dienen. Man sprach bei dieser Art Wagenburg-Bauweise damals von einem «Cordon sanitaire» und Salvisberg plante auch die Infrastruktur wie Rohrleitungen, Verkehr, Transportwege sowie den Grün- und Freiraum, der in den kommenden Jahren vergrössert wird.

Die Schnittstelle vom Verwaltungsgebäude zu den Wohnhäusern an der Grenzacherstrasse zeigt, wie subtil Salvisberg den Aspekt der unmittelbaren Nachbarschaft gelöst hat. Während der Novartis-Campus eine Insel an der Peripherie ist, fügt sich der Roche-Campus nahtlos in das städtische Gefüge ein. Der in den 1970er-Jahren fertiggestellte Bau 74 rückt von solchen Höflichkeitsgesten ab und positioniert sich selbstbewusst als dominanten Klotz an der Ecke Peter Rot-Strasse und Grenzacherstrasse.

Masterplan wird wiederbelebt

Geht es nach den Plänen von Roche, wird er in den kommenden Jahren abgerissen und an seiner Stelle die Gebäude 04, 05, 06 und 07 erstellt, die zwar deutlich höher als der Typenbau 29 von Salvisberg ausfallen, aber auf derselben Grundfläche beruhen und damit den Masterplan korrigieren, beziehungsweise ihn stärken. Auch Herzog & de Meuron finden Gefallen am neuen Konzept von Roche und betonen: «Der Masterplan von Otto Rudolf Salvisberg von 1939 hat sich bewährt und soll weitergeführt werden.»

In der Korrektur ist auch das Aufbrechen von Randbauten enthalten, damit Sichtachsen den Blick in das Werkgelände ermöglichen. Diese neue Offenheit, mit der filigranen und kubischen Architektur von Herzog & de Meuron, erinnert stark an die Gebäude der Bauhaus-Zeit und an den von Sigfried Giedion geprägten Begriff «Befreites Wohnen».

Wenn in den kommenden Jahren der Verwaltungsbau saniert und teilweise korrigierend rückgebaut wird, so ist darin und in der Investitionssumme von 85 Millionen Franken nicht nur ein Bekenntnis zu Otto Rudolf Salvisberg und Bauhaus zu sehen, sondern auch zu einer diskreten und einheitlichen Architektur, die von Herzog & de Meuron neu gedacht und konsequent fortgesetzt wird.