Roche machte das feindliche Übernahmeangebot in der Nacht auf Mittwoch publik. Stunden später beurteilte es Roche-CEO Severin Schwan in einer Telefonkonferenz als «unwiderstehlich». Die Illumina-Führung riet dagegen den Aktionären, zuzuwarten. Der Verwaltungsrat werde das Angebot prüfen.

Mit 44,50 Dollar pro Aktie offeriert Roche einen Aufpreis von 64 Prozent gegenüber dem Kurs der Illumina-Aktie vom 21. Dezember 2011. Einen Tag später begann die Monate zuvor eingebrochene Aktie zuzulegen, weil der Markt Wind von den Übernahmegelüsten von Roche Wind bekam. Die Basler bemühten sich nach eigenen Angaben mehrmals um Verhandlungen, blitzte jedoch bei der Illumina-Spitze ab.

Lieber gütliche Einigung

Nun geht Roche mit einer formellen Übernahmeangebot für sämtliche Illumina-Aktien in die Offensive. Zudem will der Basler Konzern eigene Kandidaten für den Illumina-Verwaltungsrat vorschlagen. Am liebsten wäre Roche indes nach wie vor ein konstruktiven Dialog für einen gütliche Deal, wie sich dem Communiqué entnehmen lässt.

Mit Illumina hat Roche ein Unternehmen auf die Einkaufsliste gesetzt, das auf die Gensequenzierung spezialisiert und in diesem Bereich eine führende Stellung einnimmt. 1998 in San Diego in Kalifornien gegründet, erzielte Illumina 2010 mit über 2100 Mitarbeitenden einen Umsatz von 903 Mio. Dollar. Der Gewinn belief sich auf 125 Mio. Dollar.

Applied Science Hauptsitz nach San Diego

Für Schwan ist Illumina eine «grossartige und erfolgreiche Firma». Die Akquisition solle Roche zu einer weiteren Schlüsseltechnologie in der Diagnostik verhelfen und den Konzern in der personalisierten Medizin weiterbringen. Roche will die Genseqeuenzierung rasch in der klinischen Diagnostik und in der Labor-Diagnostik etablieren.

Kommt der Deal zustande, will Roche seinen bestehenden Diagnostika-Bereich Applied Science mit Hauptsitz im deutschen Penzberg mit Illumina zusammenlegen. Neuer Hauptsitz von Applied Science soll danach San Diego werden. Operative Aktivitäten sollen jedoch in Penzberg fortgeführt werden.

Finanziell kein Problem

In finanzieller Hinsicht stellt die Akquisition Roche vor keinerlei Probleme. Den Kaufpreis kann der Konzern, der 2010 einen Freien Cashflow von 14 Mrd. Fr. erwirtschaftet hatte, aus Barem und Krediten finanzieren. 2010 hatte Roche mit seinen Divisionen Pharma und Diagnostika einen Gesamtumsatz von 47,5 Mrd. Franken erzielt. Auf Diagnostika entfielen dabei 10 Milliarden.

Offerte aufbessern

Die Börse reagierte auf das Illumina-Projekt zunächst negativ. Die Roche-Genussscheine sanken bis kurz vor Mittag um 2,7 Prozent auf 160,10 Franken, erholten sich danach wieder leicht, lagen kurz vor 13 Uhr aber immer noch 2,2 Prozent im Minus. Analysten befürchten, dass Roche ihre Offerte noch aufbessern muss. Davon wollte CEO Schwan an der Telefonkonferenz jedoch nichts wissen.

Allerdings weckt das Vorgehen von Roche bei Illumina Erinnernungen an die Übernahme des US-Diagnostikunternehmens Ventana. Für dieses hatte Roche 2007 ebenfalls eine feindliche Übernahme lanciert. Die Basler mussten für die auf Krebstests spezialisierte Firma statt der ursprünglich gebotenen 3 schliesslich 3,4 Milliarden Dollar zahlen.(sda)