Forschung

Roche-Pharma-Chef: Das Undenkbare ist auf einmal möglich

Die medizinische Forschung schreitet heute mit raschem Tempo voran. (Symbolbild)

Die medizinische Forschung schreitet heute mit raschem Tempo voran. (Symbolbild)

Ähnlich wie einst die Industrialisierung einen Fortschrittsschub ausgelöst hat, gab es in der Pharmaindustrie zuletzt verschiedene bahnbrechende Entdeckungen.

Für den Chef der Pharma-Sparte von Roche, Bill Anderson, ist das Unmögliche teilweise möglich geworden, wie er im Interview mit AWP sagte. Neue Techniken könnten sogar die Zulassungsverfahren beschleunigen.

«Das Tempo, mit dem die medizinische Forschung heute voranschreitet, ist atemberaubend», so Anderson. «Während wir in den letzten 15 bis 20 Jahren vielleicht drei oder vier neue Therapiegebiete erschlossen haben, ist es durchaus denkbar, dass es in den nächsten drei Jahren bis zu sechs sein werden.»

Dass sich das Tempo in der Branche so beschleunigt hat, liegt dem Manager zufolge nicht zuletzt daran, dass die Wissenschaft heute ein besseres Verständnis für viele Dinge hat. Noch um die Jahrtausendwende habe speziell die Pharmaindustrie in einer schwierigen Phase gesteckt: «Es wurde sehr viel Geld investiert, ohne dass am Ende viel dabei herauskam.»

Mit dem besseren Verständnis etwa des menschlichen Genoms oder der Mechanismen von Biomarkern habe sich der Forschung Tür und Tor geöffnet. «Heute können wir in Therapiegebieten forschen, die seinerzeit undenkbar schienen.»

Was früher Science-Fiction war, ist heute real

Eine wichtige Rolle spielen hierbei laut Anderson aber auch die neuen Technologien. «Früher haben wir über künstliche Intelligenz wie über einen Science-Fiction-Film gesprochen - heute ist sie real.» Die modernen Technologien trügen massgeblich zu dem beschleunigten Forschungstempo bei, so der Pharma-Chef weiter.

Dank maschineller Lernalgorithmen versuchen Wissenschaftler heute die Unterschiede in der DNA von Krebszellen im Vergleich mit gesunden Zellen zu entschlüsseln. Aber auch bei der zielgerichteten Therapie spielen die neuen technologischen Fortschritte eine wichtige Rolle.

Anderson führt hier Roches kürzlich veröffentlichte Ergebnisse aus der Phase-II/III-Studie BFAST an. In der Studie ging darum, herauszufinden, ob eine ausschliesslich blutbasierte Next Generation Sequenzierung (NGS) ebenso gut zum Nachweis von ALK-positivem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs und anschliessender gezielter Behandlung verwendet werden kann wie eine Gewebeprobe. «Es hat funktioniert.»

Glaubt man dem Pharma-Chef, so dürften diese ganzen neuen Technologien und Fortschritte nicht nur dazu führen, dass die Branche ihre Forschung deutlich beschleunigt, auch Zulassungsprozesse könnten sich so verkürzen, da manche Tests nicht mehr unbedingt direkt in klassischen klinischen Studien ausgeführt werden müssen, sondern dank der überwältigenden Datenmengen als virtuelle Tests mit Daten aus der klinischen Praxis (sog. 'real world data') durchgeführt werden könnten.

Goldenes Zeitalter

«Im Grunde erleben wir gerade so etwas wie ein goldenes Zeitalter», schwärmte der Manager. Hat man in so einem Umfeld noch Zukunftsvisionen? Laut Anderson ja. «Unser Ziel ist es, noch viele neue Therapien zu finden, dabei aber gleichzeitig die Kosten für die Gesellschaft zu senken.» Was so altruistisch klinge, sei intern mit sehr exakten Zielen untermauert, fügte der Manager an.

Kosten sind ohnehin ein Thema, das gerade mit Blick auf die Pharmabranche immer wieder gerne ins Feld geführt wird. Oft wird den Firmen vorgeworfen, zu hohe Preise zu verlangen und damit die Gesundheitssysteme zu belasten. «Diese Diskussion wird seit Jahren geführt - in all der Zeit haben Medikamente etwa 15 Prozent der gesamten Gesundheitskosten ausgemacht.»

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