Besichtigung

Roche startet Charme-Offensive bei Anwohnern

Seit Anfang Februar können die Anwohner das neue Hochhaus besichtigen. Ab Juli stehen die Rundgänge allen offen.

«Die Aussicht ist wunderschön», lobt der ältere Herr nach der Besichtigung des neuen Roche-Hochhauses am vergangenen Samstagnachmittag. Eine gute Stunde hat eine Gruppe von rund 20 Anwohnern Zeit, den luxuriösen Bau, der mit seinen 178 Metern das Wettsteinquartier prägt, von innen zu entdecken. Begleitet werden sie von Journalisten und Fotografen der beiden Basler Tageszeitungen.

Der erwähnte Herr dürfte mit seinem Urteil nicht alleine sein. Die Besichtigung beginnt im 38. Stock auf 162 Metern Höhe in der Lounge und Bar namens Pebbles. Von hier aus hat man einen eindrücklichen Blick über die gesamte Region Basel und darüber hinaus.

An der Westseite gibt es einen der zwölf Balkone des Hochhauses, die allerdings nur bei schönem Wetter und wochentags geöffnet sind. Ein Personenzähler sorgt dafür, dass sich nie mehr als 100 Personen im Pebbles aufhalten. Die Vogelwarte Sempach warnt, falls Vogelschwärme im Anflug sind; dann werden Storen vor den Fenstern heruntergelassen.

Nüchtern, hell und mit unbezahlbarer Aussicht: So siehts im Innern des Roche-Turms aus.

Nüchtern, hell und mit unbezahlbarer Aussicht: So siehts im Innern des Roche-Turms aus.

Mobiliar vom Feinsten

Der Terrazzoboden, das Mobiliar von renommierten Designern wie Eero Saarinen oder Verner Panton, die Cafémaschine von Cimbali – eingerichtet wurde das Gebäude nur mit dem Feinsten und das gilt bei weiten nicht nur für den 38. Stock. «Ich wäre hier gerne Stammgast», kommentiert eine Dame.

Aber das wird ein Traum bleiben, die Lounge ist für Mitarbeiter reserviert. Darüber befinden sich noch drei Technikgeschosse. Drei von elf Fahrstühlen fahren hoch und brauchen 36 Sekunden für die 162 Meter.


Danach geht es in den 24. Stock, von wo auf drei Ebenen eine Kommunikationszone zu erreichen ist. Pro Stockwerk gibt es 100 Arbeitsplätze, ganz oben sind es nur noch 25. Bisher sind ein Drittel der 2000 geplanten Arbeitsplätze eingerichtet, im April soll der Umzug fertig sein.

«20 Minuten weniger Sonne»

Geleitet wurde die Führung von Rudolf Suter. Die Gruppen seien sehr unterschiedlich. «Diese zum Beispiel war sehr diszipliniert», urteilt er. Die Führung finden jeden Samstag statt und haben Anfang Februar begonnen. Bis Juni hat Roche 1500 Haushalte aus dem Wettsteinquartier eingeladen. Kritik scheint es bisher wenig gegeben zu haben. «Ich hätte viel mehr Widerstand erwartet», berichtet Suter.

Auch am Samstag zeigten sich viele Besucher von dem begeistert, was sie da sahen; wobei es auch differenzierte Aussagen gab. «Es ist sehr schön, aber städtebaulich überzeugt mich das Hochhaus nicht. Heute Morgen zum Beispiel haben wir 20 Minuten weniger Sonne gehabt», klagt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung sehen möchte.

Ab Juli werden die Führungen jeden Samstag auch für Personen angeboten, die nicht im Quartier wohnen. Aufgrund des hohen Interesses gibt es Wartefristen. Die Anmeldung läuft über die Internetseite www.roche.ch. Statt wie bisher acht wird es dann am Samstag je zehn Führungen geben.

Roche ist redlich bemüht ein «guter Nachbar» zu sein. «Wir sind gegenseitig aufeinander angewiesen», sagt Jürg Erismann, Roche Standortleiter Basel/Kaiseraugst. «Wir haben hier im Quartier eine langjährige erfolgreiche Geschichte, die wir weiterführen wollen. Wir sind uns auch bewusst, dass Sorgen im Quartier vorhanden sind.»

Deshalb die bevorzugte Besichtigungsmöglichkeit für die Anwohner, deshalb Einladungen zu Anwohnerversammlungen, deshalb die Finanzierung von Schallschutzfenstern oder Mietzins-Zuschüsse von Roche, gestaffelt bis zu 30 Prozent, an exponierten Stellen.


«Wir haben von den Besuchenden sehr positives Feedback erhalten, die Leute sind sehr beeindruckt. Die Höhe eröffnet einen neuen Blickwinkel auf die Stadt oder beispielsweise auf die eigene Liegenschaft», sagt Erismann. Auch bei den Nachbarschaftsdialogen seien die Erfahrungen für Roche wie auch das Feedback sehr positiv gewesen.

Einsprachen gegen Parkhaus

Zu Diskussionen führt das temporäre Parkhaus an der Schwarzwaldstrasse mit 650 Plätzen, welches auf dem DB-Areal unweit des Badischen Bahnhofes geplant ist. Während der Bauzeit soll es das Parkhaus im Roche-Bau 74 ersetzen. Bereits gab es Einsprachen, so etwa von Pro Natura oder dem Verkehrs-Club.

Pro Natura sieht den Bahndamm als schützenswertes Gelände, weil dort bedrohte Mauereidechsen und Schmetterlinge leben. Der Organisation sei Ersatz auf einem anderem Geländeteil der Deutschen Bahn neben den «Langen Erlen» angeboten worden, heisst es bei Roche.

Der VCS moniert, dass das Parkhaus mit seinen 650 Plätzen erstens sehr gross sei und dass eine Dauer von 15 Jahren nicht als Provisorium zu bezeichnen sei. Die Schwarzwaldstrasse sei überlastet. Das Parkhaus-Provisorium ist nicht Teil des gesamten Roche-Bebauungsplans. Die Einsprachefrist läuft noch bis zum 11. März 2016.

Im Frühling vor den Grossen Rat

Die Einsprachefrist für den Roche-Bebauungsplan ist im Sommer 2015 abgelaufen. Die 89 eingereichten Einsprachen haben keine aufschiebende Wirkung. Das Bebauungsplan-Verfahren kommt im Frühling vor den Grossen Rat, im Sommer könnte der Entscheid fallen.
Fällt er positiv aus, werden wir die einzelnen Baugesuche eingegeben.

Wenn alles im Sinne von Roche läuft, kann in der zweiten Hälfte dieses Jahres bereits mit dem Rückbau begonnen werden, sodass dort Platz frei wird für den zweiten Roche-Turm («Bau 2») und das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum nördlich der Grenzacherstrasse.

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