Das Gebiet rund um den Messeplatz wird in den nächsten Jahren ein kleines Mekka für Architektur-Interessierte: Neben dem Neubau des Messezentrums von Herzog & de Meuron und einem geplanten Büro- und Wohnturm der Zürich Versicherung soll in spätestens fünf Jahren auch der Claraturm der Basler Architekten Morger + Dettli eröffnet werden.

Vorgesehen ist, dass das 90-Meter-Hochhaus zu 70 Prozent für Wohnungen genutzt wird. So sollen auf 21 der insgesamt 28 Stockwerke 170 Wohnungen im mittleren Preissegment realisiert werden (2,5- und 3,5-Zimmer-Wohnungen). 30 Prozent der Flächen sind für kommerzielle Nutzungen gedacht: Auf den beiden obersten Etagen ist ein Restaurant samt Bar geplant, im Erdgeschoss ein Boulevardrestaurant sowie Läden und in den Etagen 1 bis 4 Büroräumlichkeiten.

Baubeginn Ende 2013

Rund 100 Millionen investiert der Immobilienfonds UBS Sima in das Hochhaus. Dieser hatte die Liegenschaften am Riehenring 63–71/75 letztes Jahr von der Warteck Invest übernommen. «Wir sehen das
Projekt als Meilenstein für Basel», meinte Riccardo Boscardin vom UBS Fund Management gestern vor den Medien.

Geht alles nach Plan, soll der Grosse Rat Ende 2012 über den Bebauungsplan entscheiden. Mit dem Bau des Claraturms soll im vierten Quartal 2013 begonnen werden. Die Eröffnung ist für 2015/2016 vorgesehen. 26 Mieter erhalten wegen des 90-Meter-Hochhauses die Kündigung. Darunter die Traditions-Restaurants «Zum Alten Warteck» und «Zum Wurzengraber». Der Heimatschutz Basel und die Freiwillige Basler Denkmalpflege hatten sich 2009 bis vor Bundesgericht erfolglos für die Unterschutzstellung der Liegenschaften aus dem 19. Jahrhundert eingesetzt.

Boscardin ist sich bewusst: «Vielen tut der Abbruch dieser Liegenschaften weh. Aber der Messeplatz wird nach Fertigstellung des Messezentrums ohnehin nicht mehr derselbe sein – die Liegenschaften würden fast erdrückt werden.» Zudem befände sich ein grosser Teil der Wohnungen ohnehin in einem sanierungsbedürftigen Zustand.

Der Entwurf für den Claraturm ging aus einem Wettbewerb hervor, den die Architekten Morger + Dettli vor vier Jahren gewonnen hatten. Die Ähnlichkeiten des Claraturms zum im Bau befindenden Roche-Turm (175 Meter hoch) an der Grenzacherstrasse sind unübersehbar. Ein Vergleich, den Meinrad Morger so nicht stehen lassen will: «Wir werden oft auf die Ähnlichkeit angesprochen. Aber unser Entwurf ist im 2006 entstanden, der von Roche im 2009. Es gibt keinen Grund für einen Plagiats- oder Imitatsverdacht.»

«Zeitlose Schönheit»

Laut Morger, der bereits den 105 Meter hohen Messeturm mitentworfen hatte, soll der Claraturm als Hochhaus «ohne modische Plattitüden auskommen». Angestrebt habe er eine «zeitlose Schönheit und nicht ein kurzfristiges Spektakel». Der Architekt ist überzeugt: «Der Ort wird dadurch eine neue Qualität erhalten.» Laut Kantonsbaumeister Fritz Schumacher sorgt der Claraturm nach dem Bau des Messezentrums wieder für ein städtebauliches Gleichgewicht beim Messeplatz.

Eigentlich würde der Mietvertrag für die Restaurants im September 2012 auslaufen. Laut Boscardin besteht jedoch die Möglichkeit, ein Jahr länger zu bleiben. Franziska Wolf, seit 33 Jahren Inhaberin vom «Wurzengraber», weiss noch nicht, ob sie von dieser Verlängerung Gebrauch machen wird. «Langsam habe ich die Nase voll vom Gestürm. Seit 2002 gibt es ein Riesentheater und ein Hin und Her. Das ist eine seelische und moralische Plage», schimpft sie.