Jahresabschlüsse
Roche und Novartis stehen vor entscheidenden Weichenstellungen

Bei der Präsentation der Jahreszahlen wirft die Nach-Vasella-Ära Fragen auf. Novarits will sich neu aufstellen. Die Beteiligung an Roche spielt dabei Schlüsselrolle. Stösst Novartis diese ab, kommt die Pharm-Neuordnung in Basel in Gang.

Isabel Strassheim
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Christoph Franz (Roche) und Jörg Reinhardt (Novartis) müssen die Weichen neu stellen.

Christoph Franz (Roche) und Jörg Reinhardt (Novartis) müssen die Weichen neu stellen.

HO

Das Erwartungsmanagement vor den Jahreszahlen der beiden Basler Pharmagiganten Novartis und Roche ist dieses Mal besonders. Denn es geht nicht nur um den Umsatz und Gewinn 2013, den die Pharmakonzerne diesen Mittwoch (Novartis) und Donnerstag (Roche) bekannt geben. Sondern dieses Jahr wird auch die Neuordnung des Pharmaplatzes Basel konkret.

Empfänger für das Aktienpaket

Bei Novartis ist mit Jörg Reinhardt ein neuer Verwaltungsratspräsident am Ruder. Und auch bei Roche werden die Erben der Gründerfamilie auf der Generalversammlung am 14. März den Lufthansa-Chef Christoph Franz zum neuen Mann an der Spitze wählen.

Die beiden werden Bewegung bringen. Denn sie müssen Antworten auf drei Fragen liefern: Wie kommen beide Konzerne über den Patentablauf ihrer umsatzwichtigsten Medikamente hinweg? Wie stellt sich Novartis nach der Strategieüberprüfung der Nach-Vasella-Ära auf? Und: Was passiert mit dem Roche-Aktienpaket, das Novartis nach dem missglückten Fusionsversuch vor rund zehn Jahren hält?

Novartis steht nächste Woche dabei im Mittelpunkt. Nicht weil er der grössere der beiden Basler Konzerne ist, sondern weil von ihm der Anstoss zur Neuordnung ausgeht.

Neue Struktur im Sommer

Zunächst werden jedoch nur die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres bekannt gegeben, darauf hat das Novartis-Management die Finanzgemeinde jedenfalls eingestimmt. Spätestens diesen Sommer dann aber kommt die neue Struktur des Konzerns – das, worauf nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Angestellten warten. Denn es geht um einen möglichen Verkauf und Zukauf oder auch einen Tausch von Divisionen, die der neue Verwaltungsratspräsident Reinhardt als zu klein befunden hat.

Dabei ist Novartis wie auch Roche im Wesentlichen gut aufgestellt. Die Basler Pharmariesen verkraften den Patentablauf ihrer Blockbuster-Medikamente. Die Pipeline mit neuen Medikamenten ist bei beiden vielversprechend. Vor allem aber laufen ihre neu eingeführten Produkte gut.

Kein Totalumbau bei Novartis

So betont etwa Michael Nawrath, Analyst der Zürcher Kantonalbank: «Der Marktpreis von Roche spiegelt nicht das Potenzial der Pipeline wider.» Der Aktienkurs dürfte weiter steigen. Und auch Novartis entwickelt sich weiter zu einem Hersteller von Krebs- und anderen Spezialmedikamenten mit höheren Margen.

Ein Totalumbau steht bei Novartis nicht an. Vor zu hohen Erwartungen an die neue Strategie hat der Konzern die Investoren gewarnt. Es gehe lediglich um eine Rationalisierung («streamlining»). Zur Debatte stehen das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten, Tiermedizin und mit Impfstoffen für Menschen. Diese werden entweder verkauft oder mit einem anderen Konzern eingetauscht – oder durch Zukäufe ausgebaut.

Die Rationalisierungen betreffen aber auch die verbleibenden Geschäftsbereiche. Das neue Management ist auf Gewinnmaximierung aus. «Es geht nicht nur um den Verkauf oder Eintausch von Divisionen oder Teildivisionen, sondern auch um die Due Diligence einzelner Produkte», so Nawrath.

Entflechtung der Beteiligung

Erst nach dieser Restrukturierung von Novartis wird die dritte grosse Frage in Basel angegangen werden: die Entflechtung von Novartis und Roche. Novartis hält rund sechs Prozent an Roche (oder knapp ein Drittel an den stimmberechtigten Roche-Inhaberscheinen).

Rund fünf Prozent des Novartis-Gewinns stammt deshalb vom Konkurrenten Roche. 2012 waren das 538 Millionen Dollar. Plus mehr als 400 Millionen Dollar jährlichen Cash aus Dividenden. Sollte das Aktienpaket abgegeben werden, würde das zwar einen geschätzten einmaligen Buchgewinn von gut 5,5 Milliarden bringen (so viel dürften die Anteile mehr wert sein als bislang bei Novartis bilanziert). Verebben würden aber der regelmässige Gewinnbeitrag und Dividendenfluss.

Roche-Anteile verkaufen?

Novartis muss sich so neu aufstellen, um dies aufzufangen: «Falls sie den Roche-Anteil verkaufen, müsste der Konzern sicherstellen, dass er mit den Einnahmen etwas kauft, das diese Verwässerung im Gewinn kompensiert», sagt Fabian Wenner vom Broker Kepler Cheuvreux.

Roche selbst wiederum hätte ein Interesse am Aktienrückkauf, denn so könnten die Gründerfamilien ihre knappe Stimmrechtsmehrheit ausbauen. Es wäre also in ihrem Sinn, wenn Novartis mit seiner Restrukturierung Erfolg hat. Denn nur so kommt die Neuordnung in Basel in Gang.