Fitness

Rocky Balboa trainiert auf der Dreirosenanlage

Sobald es schön wird, strömen die Menschen zur Fitnessanlage auf dem Dreirosenareal.

Sobald es schön wird, strömen die Menschen zur Fitnessanlage auf dem Dreirosenareal.

In Basel hat man neben den Studios auch die Möglichkeit, gratis unter freiem Himmel zu trainieren. Wir haben uns auf einer Street-Workout-Anlage umgesehen.

Ein muskelbepackter junger Mann zieht sich oben ohne am Eisengerüst hoch. Der etwas ältere Herr neben ihm macht etwas übermotiviert zwei Klimmzüge und hält dann erschöpft inne. Drei kleine Kinder turnen über den beiden Männern auf dem Gestell und hängen sich an die Ringe, welche ihr Vater zuvor für sie befestigt hat.

Es ist 17 Uhr und auf der Street-Workout-Anlage bei der Dreirosenbrücke herrscht schon Hochbetrieb. Bei erster Betrachtung sehen die Geräte erst einmal unspektakulär aus. Die Anlage besteht aus Klimmzugstangen und Parallelbarren. Mit den modernen Apparaturen, die heutzutage ihn den Fitnessstudios zu finden sind, hat diese Anlage nicht viel gemein.

Trendsportart aus den USA

Der Trend des Outdoortrainings kommt ursprünglich aus New York und ist erst vor einigen Jahren nach Europa geschwappt. 2015 wurde die Anlage bei der Dreirosenbrücke in Basel eröffnet. Seither hat sich in diesem Bereich einiges getan. Heute stehen in der Region schon zehn dieser Anlagen zur Verfügung.

Im Zentrum dieser Art des Trainings steht das Arbeiten mit dem eigenen Körpergewicht. Das Work-out kann jederzeit und vor allem gratis durchgeführt werden. Jeder kann sein Training individuell gestalten. Wenn gewünscht, können sich die Interessierten im Internet über mögliche Übungen informieren.

Das hat auch Mario aus Basel vor seinem ersten Besuch gemacht. Heute ist er jedoch mit seinen Kindern hier. «Eigentlich sind die Geräte ja zum Trainieren da, aber die Kleinen sehen darin einfach ein grosses Klettergerüst», sagt er. Er mache dann nebenbei seine «Alibiübungen gegen das schlechte Gewissen». Wenn er ohne die Kinder hier sei, gäbe er sich mehr Mühe.

In der Zwischenzeit hat der junge Mann mit dem Sixpack die Station gewechselt und macht jetzt Liegestütze im Gras. Auf die Frage, wieso er ohne T-Shirt trainiert, antwortet er nur: «Ich schwitze ja sowieso. So muss ich weniger waschen», sagt er zwinkernd und setzt zum nächsten Liegestütz an.

Immer wieder kommen neue Personen hinzu. So auch Beni, der sich erst etwas unsicher der Anlage nähert. Er sei direkt nach der Arbeit hergekommen. «Ich war noch nicht oft hier. Doch bei diesem Wetter bietet es sich an, das Training auch mal ins Freie zu verschieben», sagt er. Normalerweise trainiere er in einem Fitnessstudio. Doch der Austausch mit den anderen Sportlern gefalle ihm sehr. «Hier geht es eher um das Miteinander und nicht um den Konkurrenzkampf.»

In der Zwischenzeit sind Mario und die Kinder weitergezogen. Der Mann mit dem Sixpack hat unterdessen eine kleine Pause eingelegt und redet jetzt mit einer jungen Frau, die Rumpfbeugen auf dem Bänkli hinter der Anlage macht.

Dann joggt ein Teenager mit rotem Sweatshirt vorbei und bleibt bei der Anlage stehen. Mit dem Kopf wippt er zur Musik, die aus seinen Kopfhörern dröhnt. Dann beginnt er wie wild in die Luft zu boxen. «Rocky Balboa», sagt ein anderer Sportler lachend und klatscht mit seinem Kollegen ab. «Rocky» zeigt sich darüber eher unbeeindruckt und bekämpft weiterhin seinen unsichtbaren Gegner. Nach einigen Minuten dreht er sich wieder um und joggt, ohne eine Miene zu verziehen, weiter.

In der Zwischenzeit haben sich erneut ein paar Kinder auf dem Gerüst breitgemacht. Die Trainierenden interessiert das jedoch sichtlich wenig. Völlig selbstverständlich macht hier jeder sein Ding. Alle scheinen prima aneinander vorbeizukommen.

Gemischtes Publikum

Das Publikum auf der Anlage ist durchmischt. Vertreten sind alle Altersklassen und Geschlechter. Von zierlichen Frauen bis zum gut trainierten Rentner trifft man hier alle an. Gefühlt alle paar Minuten kommen neue Leute dazu, machen ihre Übungen und ziehen dann wieder weiter. Zu einem Gedränge kommt es – zumindest im Moment – nicht. Auch wenn jetzt noch zwei weitere Mädchen «Fangis» rund um die Stangen spielen. Ein junger Mann setzt zu Liegestützen an. Eines der Mädchen findet das amüsant und tut es ihm gleich. Nach zwei Versuchen gibt sie erschöpft auf. «Das ist mir zu anstrengend», sagt sie zu ihrer Kollegin.

Wem das Schwitzen auf der Dreirosenanlage nicht zusagt, der hat unter anderem in Birsfelden, Allschwil oder Liestal die Möglichkeit in der freien Natur zu trainieren. Auch auf der Pruntrutermatte in Basel gibt es eine ähnliche Anlage. Hier kann man sich jedoch nicht an Metallstangen, sondern an Outdoor-Fitnessgeräten austoben.

Langsam wird es immer voller rund um die Geräte auf der Dreirosenanlage . «Was gibt es schöneres, als an einem sonnigen Tag den Winterranzen abzutrainieren», ruft ein grosser Mann mit breitem Kreuz seinem Freund zu, der sich gerade über das Gerüst hangelt. Beide lachen herzhaft.

Der junge Mann mit dem Sixpack hat sich wieder seinen Liegestützen zugewandt. Die laute Musik, die plötzlich aus der Freizeithalle Dreirosen dröhnt, bekommen er und auch viele andere, die im Moment gerade schwitzen, jedoch nicht mit. Denn die meisten hier machen ihre Übungen mit Kopfhörern in den Ohren.

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