Tennis-König

Roger Federer: Ehre, wem Ehre gebührt, aber wie?

Die Bescheidenheit ist den Schweizern auf die Stirn geschrieben. Ausländische Medien nennen Roger Federer Jahrhundertsportler, Strassen werden nach ihm benannt - in seiner Heimat hingegen fehlen die grossen Gesten ihm zu Ehren.

Der Mann, der weltweit als bester Tennisspieler aller Zeiten gepriesen wird, ist in Basel geboren worden. Hier hat er auf der Schützenmatte Tennisspielen gelernt. Und doch gibt es keinen Roger Federer Platz, keine Statue, die von seinem Ruhm zeugt.

Und nachdem ihn die globalem Medien nach seinem siebten Sieg in Wimbledon Jahrhundertsportler nennen, in einer Reihe mit Pelé und Muhammad Ali, fährt King Roger nicht im offenen Wagen durch die Stadt und nimmt die Huldigungen der Regierung und des Volkes entgegen. Anderswo würde eine Siegesparade veranstaltet.

Regierung schreibt Brief

Die Regierung hat laut Staatsschreiber Marco Greiner das getan, was sie immer tut, wenn Federer einen grossen Titel holt: Einen Gratulationsbrief geschrieben. Empfangen würde man den Maestro gerne, doch: «Das hängt vor allem von Federers Terminkalender ab. Jetzt reist er an die Olympischen Spiele, danach sehen wir weiter».

Gut, das kann man gelten lassen. Aber wie kann es sein, dass die einzige Ehrung Federers im öffentlichen Raum das Täfelchen ist, das ihn zum «Ehrenspaalebärglemer» erhob»? Muhammad Ali hat einen Stern auf dem Hollywood Boulevard!

Marco Greiner erklärt, Roger Federer sei schlicht zu lebendig. Die Nomenklaturkommission, die in Basel über Strassennamen entscheidet, habe grundsätzlich beschlossen, keine lebenden Personen mit Strassennamen zu ehren. «Es ist aber eine Diskussion, die bei jedem Triumph Federers wieder aufflammt und die auch aktiv geführt wird».

Alljährlicher Sportpreis-Träger

Einen Preis bekommt Roger Federer jedes Jahr: Den Basler Sportpreis. Der Sportjournalist Franz Baur sitzt in der Jury von Sportjournalisten und ihm wird es nicht langweilig dabei, Federer jedes Jahr aufs Neue zum Sportler des Jahres zu küren: «Es ist doch schön, dass wir in Basel einen der weltbesten Sportler haben und ihn ehren können».

Baur gehört nicht zu jenen, die nun sofort eine Strasse umbenennen wollen. «Im Zentrum steht die Umbenennung der St. Jakobshalle nach ihrer Renovierung». Ein Sporttempel für den Tennisgott also.

Andauernder Erfolg als Hindernis

Bliebe da noch ein Standbild Roger Federers. Eigentlich egal wo. Hauptsache gross, schliesslich ist Federer gemäss Regierungssprecher Greiner «der beste Werbeträger, den sich Basel vorstellen kann».

Aber hier stolpert der FedEx über seinen eigenen Erfolg: Greiner befürchtet ständige Umbauten: «Wenn er olympisches Gold holt, müssten wir die Statue ja bereits wieder ummeisseln». Das klingt immerhin danach, dass man über eine Statue für den Maestro bereits nach seinem Karriereende sprechen könnte. Nicht erst nach seinem Ableben, wie bei den Strassennamen.

Meistgesehen

Artboard 1