Nach seinem 20. Grand-Slam-Sieg in Melbourne erhält eine Idee neuen Schwung: Roger Federer in der Region ein Denkmal zu setzen. Die Möglichkeit, einen Platz oder eine Strasse nach dem Tennisstar zu benennen, fällt indes weg: In den Kantonen Baselland und Basel-Stadt werden keine lebenden Persönlichkeiten mit dem Namen eines öffentlichen Ortes bedacht. Eine Umbenennung von Gebäuden hingegen ist nicht fest reguliert.

Bereits vor einem Jahr forderte deshalb unter anderem der Filmproduzent Arthur Cohn, die St. Jakobshalle in «Roger Federer Arena» umzutaufen. Im Herbst 2017 zog der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber nach und äusserte in der bz den Wunsch, die Halle umzutaufen.

Diese jüngsten Bemühungen, den Namenswechsel in die Wege zu leiten, verliefen im Sande. Nun ist auch bekannt, warum: Der Basler Sportdirektor Conradin Cramer, der sich bis dato noch nicht öffentlich zur «Roger Federer Arena» geäussert hat, kann sich für die Idee nicht erwärmen. Und es ist nun mal er und nicht Weber, der das Sagen hat.

Zwar befindet sich die Halle auf Baselbieter Boden, sie gehört aber Basel-Stadt, sodass der Umbenennungsentscheid hier gefällt werden müsste. Cramer sagt zur bz: «Eine Umbenennung der St. Jakobshalle würde eine breite politische Abstützung voraussetzen. Diese besteht meiner Meinung nach nicht.»

Dabei bezieht sich Cramer allerdings auf einen überparteilichen Vorstoss aus dem Jahr 2012. Damals wurde der «Anzug betreffend Roger Federer Arena statt St. Jakobshalle» von Martina Bernasconi (FDP, damals noch GLP) und Konsorten mit grossem Mehr abgewiesen. Er wolle eine «lauwarme» Begeisterung oder gar Ablehnung gegenüber der Namensänderung vermeiden, so Cramer: «Das hätte Roger Federer nicht verdient.»

Zudem bringe die Region ja immer wieder zum Ausdruck, dass sie stolz sei auf ihren Weltklassesportler – «zuletzt mit dem Ehrendoktorat der medizinischen Fakultät der Universität Basel».

Verkauf der Namensrechte?

In Liestal teilt man die Meinung Cramers nicht. «Ich bin überzeugt, dass die Begeisterung in der Bevölkerung vorhanden ist», sagt Regierungsrat Weber. Die Umbenennung der Halle wäre nicht mehr als folgerichtig «und würde der Reputation der Region als Wirtschaftsstandort zweifellos dienen. Eine in beiden Kantonen lancierte Petition mit möglichst vielen Unterschriften würde dies wohl am besten zum Ausdruck bringen».

Der Grund, warum sich Conradin Cramer gegen eine Umbenennung der Halle wehrt, könnte auch woanders liegen. Laut Informationen der bz soll auf seine Initiative hin in der Regierung die Idee diskutiert worden sein, die Namensrechte der Halle zu verkaufen, analog zur Allianz-Arena in München oder dem Kybunpark, dem St. Galler Fussballstadion.

Letzteres ist nach einem lokalen Hersteller von Gesundheitsschuhen benannt. Es handelt sich um das erste Schweizer Stadion, das nach einem kommerziellen Unternehmen benannt wurde; von 2008 bis 2016 trug es den Namen AFG Arena nach der Arbonia-Forster-Gruppe.

Betreut wurde dieser Namensrechte-Wechsel von der Schweizer Sportvermarktungsagentur «Sportsemotion». Die Namensrechte von Stadien oder Hallen zu verkaufen, liege im Trend, sagt Geschäftsführer Matthias Berger. Aktuell sei man auf der Suche nach einem «Naming Right Sponsor» für das Eisstadion in Davos.

Eine Anfrage aus Basel hat Berger noch nicht erhalten, «aber interessieren würde uns das durchaus». Er schätzt den jährlichen Wert der Namensrechte an der Joggelihalle auf «zwischen 500'000 und einer Million Franken im Jahr». Der Preis hänge von verschiedenen Faktoren ab, etwa von der Lage und der Frequenz. «Den Namen der St. Jakobshalle könnte man sicher für gutes Geld verkaufen», schliesst Berger.

Dass die Basler Regierung auf der Suche nach einem Sponsor für die Halle ist, die noch bis Frühling saniert wird, bestreitet Cramer. Zwar seien die verschiedenen Vermarktungsmöglichkeiten immer wieder ein Thema, aber eine Umbenennung stünde nicht zur Debatte. Allerdings hatte Cramer bereits kurz vor seiner Wahl zum Regierungsrat in einem Interview mit der «Tageswoche» betont, dass die Halle nicht selbsttragend sei und es deshalb die Idee sei, Mehrerträge zu generieren, um die jährlichen Defizite auszugleichen.

Martina Bernasconi überlegt sich nun, eine Neuauflage der Debatte im Grossen Rat loszutreten, da diese nach Federers Comeback so aktuell sei wie schon lange nicht mehr: «Seit dem letzten Vorstoss sind sechs Jahre vergangen. Ich sehe es als verpasste Chance, wenn man die Halle nicht nach Federer benennt», sagt die Grossrätin. Die Basler Zurückhaltung nerve sie in diesem Fall: «In Zürich hätte man ihm längst ein Denkmal gesetzt.» Für die Lancierung einer Initiative fehlt Bernasconi hingegen die Zeit. «Ich bin jedoch sicher: Das Volk würde den Namenswechsel gutheissen. Wenn nicht Federer, wer dann?»