Roli Frei war am Ende. Depression und Burnout zwangen ihn zu einer langjährigen Pause. «Ich habe sehr dunkle Zeiten erlebt», erzählt er. Der 57-Jährige blickt nicht gerne zurück: «Ich habe mich nicht gerade prostituiert, aber musikalisch einige gemacht, das mich zusätzlich geschwächt hat.» Lieber spricht er über die Wende, die ihm dieses Jahr geglückt ist.

Mit «Strong», seinem ersten Album seit 2002, hat er sein Comeback gefeiert: «Wir haben die CD in wenigen Tagen eingespielt. Das war gut. Denn so ist keine Zeit für Zweifel geblieben.» Das blues- und soullastige Werk beschreibt er als gewaltigen Schnellschuss: «Es ist sicher nicht perfekt, dafür steckt viel Leben drin.»

Alleine hätte er das Comeback nicht geschafft. «Anerkennung habe ich mit meiner Musik oft gehabt, finanziell habe ich es aber nie auf einen grünen Zweig gebracht», sagt Frei, der seit vierzig Jahren darum kämpft, von der Musik zu leben. Einen Teil des Geldes für die CD-Produktion haben seine Freunde gespendet. Die Idee hat Frei von Tanzgruppen: Diese werden oft von Gönnervereinen mitfinanziert.

Mit diesem Vorschlag ist der Basler Bluesmusiker bei seinen Bekannten auf offene Ohren gestossen. Der Verein «Friends of Roli Frei» unterstützt ihn nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch. «Es ist für mich eine inspirierende Möglichkeit, meine Kräfte wieder hervorzuholen. Das macht mich glücklich.»

Als depressiven Melancholiker beschreibt er sich immer noch. In einem seiner wichtigsten Songs sieht er sich als Fremder in seinem Haus, als Fremder in seinem Herzen. Dennoch versprüht seine Musik Lebensfreude. Heute kann Frei immer auf die Bühne steigen: «Egal, ob ich gut oder schlecht ‹zwäg› bin - meine Stimme findet den Weg zum Zuhörer.»

Der Höhepunkt dieses Jahres war für Frei sein knapp einstündiger Auftritt an der Avo Session. «Ein wunderbares Publikum und ein AVO Team das uns in jeder Hinsicht unterstützte», erinnert er sich wehmütig. Ein Traum ging aber nicht in Erfüllung. Er wünschte sich ein Duett mit der amerikanischen Sängerin Sheryl Crow, die nach ihm auftrat. Doch der Kontakt zu der von der langen Tournee erschöpften Blondine kam nicht zustande.

Einiges erhofft sich Frei von der Videoaufzeichnung des prestigeträchtigen Konzertes: «Natürlich geht es dabei um Promo und Tantiemen.» Die Stärke dieser Videoaufnahme sieht Frei in deren Ehrlichkeit: «Man spürt die Emotionen, sieht aber auch die Schwächen.» Damit meint er, dass er und seine Band noch nicht auf höchstem Level eingespielt sind. Persönlich entdeckt der Basler Sänger in der Aufnahme auch noch etwas anderes: «Man sieht einen ‹alten› Mann. Und ich kann ihn gut akzeptieren, er gefällt mir.»

Nach dem geglückten Comeback geht Frei davon aus, dass das Jahr 2011 noch besser wird für ihn: «Im Frühling ist eine kleine Tour geplant, alleine oder mit Gästen, und im Herbst eine Tour mit meiner Band.» Dazwischen will er Songs schreiben, eine Single und ein Video aufnehmen und Kontakte ins Ausland knüpfen. «Ich habe nicht die Illusion, dass ich den Durchbruch noch schaffe, aber ich hoffe, bei mehreren kleinen Labels im Ausland unterzukommen.»

Obwohl sich Frei von seinem Umfeld getragen fühlt, begegnet er der Zukunft mit viel Respekt: «Das Jahr 2010 war für mich kein Spaziergang, sondern eine intensive Reise mit Highlights, aber auch mit Hindernissen und Abgründen.»