Liebesschlösser

Romantischer Vandalenakt: Sachbeschädigung für die ewige Liebe

Liebesbeweis oder Sachbeschädigung? Vorhängeschlösser am Basler Käppelijoch. Roland Schmid

Liebesbeweis oder Sachbeschädigung? Vorhängeschlösser am Basler Käppelijoch. Roland Schmid

Nach Florenz, Rom, Paris und Köln tauchen sie nun auch in Basel auf: Vorhängeschlösser an Brückengeländern. Sie dienen als ultimativer Beweis der ewigen Treue. Aber: Das Anbringen der Schlösser gilt als Sachbeschädigung.

Ewig soll sie halten, die grosse Liebe und das sollen auch alle wissen. Liebespaare in aller Welt tun dies seit einigen Jahren damit kund, dass sie ein Vorhängeschloss statt an der Kellertüre an einem öffentlichen Ort befestigen.

Am liebsten an einem Brückengeländer. Seinen Ursprung soll der Brauch in Florenz haben, inzwischen zieren die zum Liebesbeweis mutierten Diebstahlsicherungen Brücken in ganz Europa und vereinzelt auch die Brooklyn Bridge in New York. Und nun tauchen sie auch auf der Mittleren Brücke in Basel auf.

Da diese kein Geländer hat, werden die Stahlschlösser ans Gitter des Käppelijochs geklemmt und sollen dort von der ewigen Treue Zeugnis ablegen. Historisch korrekt eigentlich, wurden doch hier im Mittelalter Ehebrecherinnen in den Rhein geworfen.

Strafbare Liebe

Wenig Freude am neuen Liebesbrauch hat Thomas Lutz von der Basler Denkmalpflege: «Das ist eigentlich Sachbeschädigung, die Entfernung der Schlösser steht aber derzeit nicht sehr hoch auf unserer Prioritätenliste.»

Am Ende sei es eine Frage des Aufwands, denn die Schlösser aus Edelstahl sind langlebiger als die Beziehungen, für die sie stehen. Entfernt werden können die Schlösser nur mit einem Bolzenschneider.

Lutz nimmt an, eine Entfernung wäre dennoch sinnvoll: «Das dürfte ähnlich sein wie bei Sprayereien: Entfernt man sie zeitnah, dann sinkt der Reiz.»

Allerdings haben die europäischen Städte, die das Phänomen schon länger kennen zumeist kapituliert, teilweise wegen der schieren Zahl der Schlösser: In Köln hängen an der Hohenzollernbrücke geschätzt 40 000 bis 50 000 in Stahl geschmiedete Liebesschwüre mit einem Gesamtgewicht von rund 15 Tonnen.

In Heidelberg haben die Behörden einen sogenannten Liebesstein aufgestellt, an den die Paare ihre Schlösser befestigen sollen, damit die denkmalgeschützten Brücken verschont bleiben.

Venedig dagegen setzt auf eine Drohkulisse: Wer an der weltbekannten Rialtobrücke ein Vorhängeschloss anbringt, bezahlt 3000 Euro Busse. Egal wie romantisch der Grund für den «Vandalenakt» auch war.

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