«Iss, Basel, iss»
Romeo Brodmann probiert sein Menü gleich in der Küche – und schäkert mit Lotti Weber (74)

bz-Kolumnist Romeo Brodmann besucht in Kleinbasel das Restaurant Torstübli und schäkert mit Chefin Lotti Weber (74) in der Küche. Die Läberli probiert er gleich aus der Pfanne. Und dann ist da noch das Gespräch über den Basler öV vor dem Lokal.

Romeo Brodmann
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Restaurant Torstübli Basel
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Restaurant Torstübli Basel
Restaurant Torstübli Basel
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Restaurant Torstübli Basel
Restaurant Torstübli Basel
Restaurant Torstübli Basel

Restaurant Torstübli Basel

Romeo Brodmann

In Lyon heisst sie «gratinée lyonnaise», in Paris schlicht «la gratinée» oder dann «Soupe d’Oignons aux Halles», denn bis zur Schliessung der Pariser Markhallen 1969 war die Suppe die Zwischen- und Pausen-Mahlzeit der Händler und Kunden. Sie wärmte Bäuche und Gemüter.

Irgendwie so darf man sich Lotti Weber und ihr Torstübli vorstellen. Wie die Zwiebelsuppe. Krustig. Überbacken. Kantig. Drin schmackhaft Zwiebeln und herzhaft Brühe. Und am Boden brodelt es. Da baue das Baudepartement die 8er Linie eigens, damit die Abteilung Baudepartement im eigenen Trämli ins Deutsche zur Weihnachtsfeier fahren könne und nicht bei den Basler Steuerzahlern essen müsse. Ihr Bocken kommt herzhaft, das Lachen ist kernig.

"Iss, Basel, Iss"

Das ist die Geschichte von Frank Lorenz und Romeo Brodmann und ihrer Liebe zur Gastronomie in der Region Basel. Sie lieben das Essen, doch darin einig, was nun spitze ist, sind sie nicht.

Lorenz ist Theologe und Journalist und Gastgeber der Offenen Kirche Elisabethen in Basel. Er mag Menschen und Essen und kocht privat sehr gerne.

Brodmann ist vom Fach, gelernter Koch, Zigarrenliebhaber, Journalist, Buchautor.

Lorenz und Brodmann testen für die bz die Gastronomie in der Region Basel. Die beiden Kolumnisten nehmen unterschiedliche Blickwinkel ein. Brodmann hängt sich an die Köche und schaut in die Töpfe, Lorenz legt sein Augenmerk auf die Gastlichkeit und die Gastgeber. Natürlich geht es auch immer darum, was auf dem Teller liegt. Doch sollen die Menschen, die in der jeweiligen Beiz arbeiten, im Mittelpunkt stehen.

Seit das Wort «Heimat» auf der Achterbahn der soziologischen Sinnsuche dem Inflationären Gebrauch anheimfiel, wird es konfuserweise immer schwieriger, tatsächlich Geborgenheit spendende Orte zu finden. Das Torstübli ist so einer. Und Lotti Weber ist ein Seelenpflaster.

Die Chefsekretärin in der Küche

Ich schleppe die Wirtin in ihre eigene Küche um zu sehen, wie der Koch die Läberli in Butter zubereitet. Lotti Weber sehe noch gut aus für ein ganzes Leben in der Gastronomie, rutscht es mir raus. Sie tippt mit den Fingerspitzen auf ihr Herz. Sie hätte es schon immer in sich gehabt, sei aber erst mit fünfzig zum Wirten gekommen. Und das Torstübli habe sie im jugendlichen Alter von 54 übernommen. Und vorher? Chefsekretärin.

Dann löffeln wir uns die Läberli aus der Pfanne. Der Koch lässt es über sich ergehen, denn sie ist der Boss und ich ihr Gast. Sie sind perfekt. Nicht zu trocken, nicht zu roh, genau richtig gesalzen und gepfeffert.

Zufrieden sitze ich anschliessend mit der überbackenen Zwiebelsuppe sowie den Läberli am Tisch und höre Lotti Weber zu, wie sie noch ein klein wenig die verkehrspolitische Situation Basels überfährt.

Restaurant Torstübli

Für wen: Für alle, die es kernig mögen

Einmal Gemütswärme

20 Jahre Torstübli. 74 Jahre Lotti Weber. Wie lange sie es noch mache ... also, äxgüsi, das Wirten natürlich. Ein leises Trommeln ihrer Finger auf der Tischplatte. Was solle sie schon anderes machen, das sei ihr Leben und solange die Gesundheit mitspiele, gäbe es kein Argument aufzuhören. Einmal Zwiebelsuppe 11.50 Franken, einmal Kalbsleber in Butter 38 Franken für den Magen und einmal Gemütswärmer gratis und franko.