Das Kind im Spital. Über Wochen. Und die Eltern, die nicht vom Bett weichen wollen. Die Angst haben, unsicher sind. Und nicht wissen, wo sie übernachten können, wenn sie nicht in der Stadt Basel wohnen.

Die Ronald-McDonald-Haus-Stiftung Basel kann den Betroffenen weiterhelfen. Seit bald fünf Jahren leitet Marianne Fischer das Haus an der Mittleren Strasse, hat es damals sogar eingerichtet. In neun Zimmern können die Angehörigen der kleinen Patienten schlafen, essen – und hoffen, bald wieder mit ihren Kleinen nach Hause gehen zu können.

Die Zimmer haben keine Nummern, sondern typische Basler Namen. Sie heissen Lällekönig, Waggis oder Mässmogge. An der Wand im Hauseingang hängt ein Panorama der Stadt. «Wir möchten, dass die Leute wissen, wo sie sind. Sie sollen auch mal an etwas anderes als das UKBB denken können.» Das Ronald-McDonald-Haus bietet alles, um sich so wohl wie möglich zu fühlen. Die Angehörigen der Patienten können in der Küche kochen, die Küchenschränke sind mit den Namen der Zimmer angeschrieben und im Kühlschrank ist mit beschrifteten Kühlboxen klar geregelt, wem welches Essen gehört. Die Leute können kochen und Essen, was und wann immer sie wollen, sagt Fischer.

Die Kinder bestimmen

Ein Ehepaar tritt mit ihrem erkrankten Sohn ein. Sie kommen aus Österreich und seien schon ein paar Mal hier gewesen, sagt Fischer. Es gebe keine Begrenzung, die Angehörigen dürfen so lange im Ronald McDonald wohnen, wie ihr Kind im Spital liegt. Es gebe eine Warteliste und abgelehnt werde niemand. Seit Februar weilen zurzeit Eltern zu früh geborener Zwillinge in einem der Zimmer. So lange sei noch nie eine Familie da gewesen.

Fischer und ihre Kollegin Carla Rood sind die Heinzelmännchen an der Mittleren Strasse 157. Sie putzen, waschen, gärtnern, sorgen während 365 Tagen für Ordnung. An ihrer Seite haben sie 15 Freiwillige im Alter zwischen 20 und 70 Jahren, die ihnen unter die Arme greifen. Jeden Tag komme jemand vorbei, erzählt Fischer. Überhaupt kann die bald 60-jährige gelernte Drogistin auf viel Unterstützung zählen. Problem Rasen mähen: «Einen Gärtner können wir uns nicht leisten. Also habe ich im Quartier Flyer verteilt.» Und tatsächlich: Schüler Juri hat sich dieser Aufgabe angenommen.

Einmal pro Woche hält ein Lieferwagen der Schweizer Tafel vor Tür des Elternhauses. Umsonst darf die Hausleiterin unter anderem Früchte, Gemüse, Pflanzen, Brot und Käse ausladen. Ebenfalls einmal pro Woche arbeiten Auszubildende der hauswirtschaftlichen Ausbildungsstätte Arche für vier Stunden im Ronald-McDonald-Haus. Hier können die jungen Menschen, denen eine Ausbildung auf dem regulären Arbeitsmarkt schwerfällt, praktische Erfahrungen sammeln.

Eltern putzen selber

Leider können die Angehörigen nicht immer glücklich mit ihrem Kind im Arm nach Hause gehen. «Es nimmt mich mit, wenn ein Kind stirbt. Aber Carla Rood und ich sind geschult für solche Situationen. Wir wissen, was wir den Betroffenen in diesen Momenten geben müssen», sagt Fischer. Die Reaktionen seien unterschiedlich. Manche Eltern wollen sofort abreisen, bei anderen kommt die Verwandtschaft zum Trauern nach Basel.

Wenn die Angehörigen das Ronald-McDonald-Haus verlassen, sorgen sie selber für Sauberkeit in ihrem Zimmer. Auch in der Küche seien sie dafür verantwortlich, dass diese nicht schmutzig zurückgelassen wird. «Es kann vorkommen, dass ich jemanden auffordern muss, noch einmal nachzuputzen.»

Marianne Fischer hat einiges in ihrem Leben auf die Beine gestellt. Sie hat im Betreuten Wohnen in der Gesellschaft für Arbeit und Wohnen gearbeitet, danach Läden geführt. Zu ihrem Job als Leiterin des Basler Ronald-McDonald-Hauses kam sie über einen Bericht im Radio. «Ich habe sofort gewusst, dass ich dieses Haus leiten möchte», sagt sie mit glänzenden Augen.