Vor Jahresfrist unterzeichnete die Basler Regierung den Kaufvertrag für das Rosental-Areal. Im Herbst wurde der Deal für die 47 000 Quadratmeter grosse Industriefläche zwischen Messeplatz und Badischem Bahnhof mit der britischen Fordgate-Gruppe abgewickelt. Bei der Verkäuferin war das Areal mit rund 300 Millionen Franken in den Bilanzen vermerkt. Der mögliche Ertragswert, berechnet nach der Bruttogeschossfläche, lag gar bei 500 Millionen. Den realistischen Kaufpreis schätzten Experten auf 400 Millionen Franken.

Der Jahresbericht der Immobilien Basel zeigt nun, dass der Kanton in einem Bieterverfahren sogar noch etwas günstiger zum Zuschlag kam. Barbara Neidhart, Sprecherin der Immobilien Basel, sagt zwar, der genaue Betrag dürfe nicht genannt werden, dies sei eine Auflage der Verkäuferin. Doch mit der Angabe, der Rosental-Zukauf mache drei Viertel der gesamten Wertsteigerung des Immobilien-Portfolios des Jahres 2016 aus, ergibt sich eine Kaufsumme von rund 375 Millionen Franken.

Das abgeschlossene Areal ist allerdings in einem deutlich schlechteren Zustand als erwartet. Nicht nur ist die Infrastruktur teilweise veraltet, auch die Leerstandsfläche ist mit über zehn Prozent beträchtlich. Und die Leere dürfte sich mit dem angekündigten Rückzug von BASF noch weiter ausweiten. Bei einer Bruttogeschossfläche von derzeit 120 000 Quadratmetern, verteilt auf 27 Gebäuden sind folglich gut 12 000 Quadratmeter ungenutzt. Dies entspricht der Fläche von knapp zwei Fussballfeldern.

Noch viel Luft nach oben

Für die Entwicklung des Areals an zentraler Lage hat die Regierung drei Zielsetzungen formuliert: Das Rosental sei Firmen als Standort anzubieten, die sich neu in Basel ansiedeln wollen. Weitere Laborkapazitäten sollen zur Stärkung des Forschungsstandortes beitragen. Und drittens soll das Areal als Reserve für einen weiteren Ausbau des Universitätscampus dienen. Durch Verdichtung könnten zusätzlich 2000 Arbeitsplätze geschaffen werden, ergab eine Studie, die bereits 2011 erstellt wurde. Versprochen ist, das Areal zu öffnen, selbst eine teilweise Wohnnutzung wird nicht ausgeschlossen. Die Umsetzung des «integralen Stadtteils» wird allerdings erst als «mittel- bis langfristiges» Projekt angegangen.

Der Kauf ohne Preisschild stiess auf breite Zustimmung. Das bürgerliche Lager lobte das Bekenntnis der Regierung zur Wirtschaftstätigkeit an zentraler Lage in der Stadt. Die Linke feierte, dass sich der Kanton grossflächig als Grundstückseigner engagiert. Seither herrscht jedoch Funkstille. Auf Anfang Jahr übernahm Immobilien Basel immerhin die kaufmännische Bewirtschaftung, auf 2018 wird die technische Betreuung ausgeschrieben.

Bevor das Rosental-Areal richtig florieren kann, müsste die Stadt kräftig investieren. Unbekannt ist, welche Altlasten zu Tage treten werden, wenn einzelne Gebäude ersetzt würden. Auf dem ältesten Chemieareal der Stadt, das anfangs noch ausserhalb der Wohnzone lag, produzierte die Firma J.R. Geigy seit 1958 vor allem Farbstoffe. Die bunten Überreste werden sich zweifellos im Untergrund wiederfinden. Saniert wird vorerst jedoch erst die Rosental-Strasse, die im kommenden Jahr für 12,6 Millionen Franken zur Flanierstrasse umgebaut wird.

Für die Fordgate-Gruppe, die ab 2011 mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfte, scheint sich das Nichtstun gelohnt zu haben. Wenn richtig ist, dass die Engländer vor zehn Jahren 270 Millionen bezahlt hatten, erzielten sie beim Weiterverkauf einen Aufpreis von gut dreissig Prozent.