«Sie haben mich jetzt gerade dazu gebracht, das erste Mal dort hin zu schauen», sagt eine alte Frau, als wir auf unserem Streifzug durch den Nadelberg, dem «Noodlebärg», an einem Ort verharren, um ihn etwas genauer zu inspizieren. Die Frage, ob sie denn am Nadelberg wohne, verneint die Dame. «Aber ich bin schon unzählige Male durch den Noodlebärg gelaufen, aber das ist mir noch nie aufgefallen.»

So dürfte es vielen gehen, die täglich oder auch nur gelegentlich durch die Strasse spazieren, die sich vom Spalenberg bis zur Petersgasse erstreckt. Zu diesen Leuten gehören oft Studenten. Seit dem 20. Jahrhundert sind diverse Liegenschaften im Besitz des Staates, der sie der Universität Basel zur Nutzung zur Verfügung stellt.

Adelige Vergangenheit

Mit dem deutschen, dem englischen, dem slawischen und dem nordischen Seminar sowie der Theologischen Fakultät sind gleich fünf Studiengänge am Nadelberg beheimatet, hinzu kommen die Altertumswissenschaften im angrenzenden Rosshof. Vor den Studenten gehörte der Nadelberg den Adeligen. Persönlichkeiten wie Mathematiker Johann Bernoulli, Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein, oder auch Humanist Erasmus von Rotterdam gehörten einst du den Bewohnern des Nadelbergs.

Noch heute dienen die alten Herrschaftshäuser, die grösstenteils im Mittelalter erbaut wurden und klingende Namen wie «Zum Kaiser», «Engelhof» oder «Zum Spatz» tragen, als Wohnhäuser. Aus dem Mittelalter stammt wohl auch der Name «Nadelberg», damals noch auf lateinisch «in monte acus» genannt, was übersetzt tatsächlich «Nadelberg» heisst. Im Gegensatz zu den sich in der Nähe befindenden «Hutgasse», «Schneidergasse» und der «Gerbergasse» geht der Name aber nicht auf berufliche Tätigkeiten zurück, die früher dort ausgeübt wurden.

Viele dieser wunderschönen, alten Bauten gehören der Liste der Kulturgüter der Grossbasler Altstadt an und verleihen dem Nadelberg und der Rosshofgasse erst ihren Charme. Diesem sind auch René und Ursula Hänggi erlegen. Die beiden führen seit nunmehr neuneinhalb Jahren den kleinen Geschenk- und Souvenirshop «Chico Scatola» am Nadelberg 30. «Meine Frau wollte diesen Laden, und keinen anderen», sagt René Hänggi, bevor seine Frau ergänzt: «Die Altstadt hat viel mehr Charme und Ambiente. Hier ist alles ausgewählter, die Läden kleiner und spezieller. Ausserdem ist die Strasse wie ein kleines Dorf, jeder kennt sich hier, man ist mit allen per Du.»

Unerwartetes gibt es auch hier: der Laden hat einen eigenen kleinen Innenhof, der auch Kunden zur Verfügung steht.

Eine einzige Ausnahme

Neben Souvenirläden gibt es auch einen Glacé-Laden, die «Glatscharia», einen der besten Bücherläden der Stadt, einen Schuhmacher, Galerien und Kleiderläden. Der ganze Stadtteil ist sehr lauschig und lädt zum Verweilen ein, am Nachmittag kann man in aller Ruhe, abseits vom Stress der Hauptachsen der Stadt, gemütlich die Sonnenstrahlen geniessen. Während der Nadelberg und die Rosshofgasse von diesem Charme profitieren, ist der Rosshof selber – auch durch seine moderne Bauweise – das Gegenteil: grau, trist, und meist eher menschenleer.

Doch zurück zum Sehenswerten: Neben den alten Häusern und den diversen Innenhöfen sind auch die Nischenbrunnen einen Blick wert. Oberhalb des Nischenbrunnens am Nadelberg ist eine alte Urne zu finden, die selber auch eine eigene Nische hat. Kein Detail ist dem Nadelberg und der Rosshofgasse zu verschnörkelt genug. Genau das macht diesen Stadtteil eben auch so speziell. Bei jedem Besuch am Nadelberg und der Rosshofgasse kann ein neues Detail entdeckt werden – selbst dann, wenn man die beiden Gassen täglich benutzt.