Politik

Rot-Grün entthronen: Schwierige Suche nach der Erfolgsformel seitens der bürgerlichen Parteien

Suchen noch Mitstreiter: Baschi Dürr (FDP, l.) und Lukas Engelberger (CVP).

Suchen noch Mitstreiter: Baschi Dürr (FDP, l.) und Lukas Engelberger (CVP).

Ohne SVP oder gar mit einem Fünferticket? Die bürgerlichen Parteien werden es im Herbst schwerhaben, Rot-Grün zu entthronen.

Die Grünen haben ihre Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann schon vor über einem Monat für eine zweite Amtszeit nominiert. Die SP ­will ihre drei Kandidaten Ende April an einer Online-Parteiversammlung küren. Und die Bürgerlichen? Bei denen liegt das Projekt Angriff auf Rot-Grün derzeit auf Eis. Die Parteiversammlungen, an denen die kantonalen Wahlen vom 25. Oktober aufgegleist werden sollen, wurden auf Juni geschoben – in der Hoffnung, dass bis dahin die Coronakrise abgeflaut ist.

Doch der bürgerliche Stillstand hängt auch damit zusammen, dass den Parteileitungen von CVP, FDP, LDP und SVP bisher die zündende Idee fehlt, wie man nach mittlerweile 16 Jahren die rot-grüne Regierungsmehrheit beenden könnte.

Da war doch was mit vier Mannen im Rhein

Rückblick: Vor vier Jahren hatte man es erstmals mit einem gemeinsamen Viererticket versucht. Vom Wahlkampf blieb vor allem das Bild des gemeinsamen Rheinschwumms in Erinnerung. Der Angriff auf Rot-Grün war faktisch chancenlos. Der damalige SVP-Kandidat Lorenz Nägelin abgeschlagen auf dem neunten Rang und FDP-Sicherheitsdirektor Baschi Dürr musste gar in den zweiten Wahlgang und um den Fortbestand seiner politischen Karriere zittern. Ein solches Szenario soll 2020 vermieden werden.

Mit der gleichen Taktik einen neuen Versuch starten will zurzeit nur die SVP. «Das ist der Wunsch unserer Basis», sagt Parteisekretär Joël Thüring. Doch damit fangen die Probleme an. Ein Viererticket mit der Volkspartei hat kaum Erfolgschancen, die SVP konnte kantonal bisher nie in Personenwahlen punkten. Andererseits ist das Kandidatenfeld der Partei relativ klein. Hört man sich bei den anderen bürgerlichen Parteien um, so wird bei jedem potenziellen Regierungskandidaten der SVP sogleich ein «Aber» nachgereicht. Eine Person zu finden, die allen Ansprüchen genügt, scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Hinzu kommt: Es mehren sich die Stimmen, die verlangen, dass auf dem Wahlvorschlag auch der Name einer Frau drauf sein sollte. «Wieder mit vier Männern zu kommen, wäre sicher nicht ideal», meint etwa LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein.

Mit einem Fünferticket vier Sitze holen

FDP-Präsident Luca Urgese bringt deshalb eine weitere Möglichkeit ins Spiel: «Im Moment sind alle Optionen offen. Eine Idee wäre etwa auch ein Fünferticket.» Auch CVP-Präsident Balz Herter hält das für «eine prüfenswerte Option». Eine weitere Person könnte für die erhoffte Mehrheit in der Regierung sorgen. Allerdings dürfte die SVP keine Lust auf die Rolle der Wasserträgerin haben. Und die FDP und die CVP hätten im dümmsten Falle zu fürchten, dass am Ende ihr Vertreter aus der Regierung kippt. Eine mögliche Variante wäre etwa die FDP-Vizepräsidentin Nadine Gautschi, die vergangenen Herbst bei der Ersatzwahl ein Achtungsresultat erzielt hat. «Das Regierungsamt reizt mich immer noch», sagt sie. «Aber die Bürgerlichen machen momentan nicht den Eindruck, dass sie gewinnen wollen.»

Zudem müssten die Parteien mehr Diversität anstreben: «Ich fände es etwa wichtig, dass Müttern eine wichtigere Rolle in der Politik zugestanden wird. Nur damit eine Frau auf dem Plakat mit drauf ist, lasse ich mich nicht verheizen», sagt Gautschi.

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