Gestern und heute ist Jom Kippur, das Versöhnungsfest, der höchste Feiertag der Juden. Dieser wird natürlich auch von der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) feierlich begangen. In diesem Jahr hinter einem Wall von rot-weissen Betonpollern. Diese zieren bereits seit gut zehn Tagen die Leimenstrasse, wo die grosse Basler Synagoge der (IGB) steht. Seit dem Neujahrsfest Rosch Haschana, einem anderen hohen Feiertag der Israeliten, der durch die Tage der Reue und Umkehr mit Jom Kippur verbunden ist. Die Elemente sollen Schutz bieten vor Amokfahrern und sind in Basel erstmals an der Bundesfeier in diesem Jahr verwendet worden. Näheres zu ihrem Einsatz bei der Synagoge will man im Justiz- und Sicherheitsdepartement aus taktischen Gründen nicht verraten.

Klar ist: Schön sind die Dinger nicht, aber die Nachbarn sind bereit, für einige Tage einen Slalom übers Trottoir zu machen, wie eine kurze Umfrage bei einer Ortsbegehung ergeben hat. Die Synagogenbenutzer selbst müssen sich auch minim einschränken, wenn sie mit dem Velo kommen: Am Zaun prangt ein Schild, man solle hier bitte keine Fahrräder anketten. Sonst sei überhaupt kein Durchkommen mehr.

Mehr Sicherheit, weniger Platz

Die nun im Einsatz befindlichen mobilen Fahrzeugsperren entsprechen gemäss Informationen der Kantonspolizei «den aktuellsten Sicherheitsstandards, sind einfacher zu bedienen und ermöglichen einen besseren Durchfluss für Fussgängerinnen und Fussgänger». Letzteres darf an der Synagoge bezweifelt werden, was aber nicht an den Pollern, sondern am zur Verfügung stehenden Platz liegt. Ähnlich präsentiert sich die Lage übrigens auch bei der ebenfalls so gesicherten Synagoge an der Ahornstrasse.

Die Sicherheit der Synagoge und der jüdischen Gemeinde in Basel und in der Schweiz ist derzeit ein Politikum. Das erklärt wohl auch die zurückhaltende Kommunikation der Behörden über die aktuellen Massnahmen. Denn die Basler Regierung und die jüdische Gemeinde führen nach wie vor Gespräche über die Entlastung der IGB in Sicherheitsfragen. Der Bund hat erst kürzlich einen jährlichen Beitrag von einer halben Million Franken an die Sicherheitskosten der Juden in der Schweiz gesprochen – ein sehr kleiner Tropfen auf einen grossen, heissen Stein.

Doch besser als nichts. Auch aufseiten der jüdischen Gemeinden ist man geflissentlich dabei, nicht weiter Öl ins Feuer zu giessen, auch wenn man sogar drastische Massnahmen prüfen muss. Wie in der jüdischen Zeitschrift «Tacheles» zu lesen war, wurde gar geprüft, die Bibliothek der jüdischen Gemeinde zu schliessen und die rund 30 000 Bücher zu veräussern.