Basel

Rotlicht-Milieu macht dem Hotel «Balade» Strich durch die Rechnung

Beat Gerber, Direktor vom Hotel Balade, vor seinem Hotel bei der Kaserne an der Klingenthalstrasse.

Beat Gerber, Direktor vom Hotel Balade, vor seinem Hotel bei der Kaserne an der Klingenthalstrasse.

Die Hotelgäste schwärmen von den Zimmern und dem guten Service – doch direkt vor dem Hotel werden sie zunehmend umworben. Und das von Prostituierten, die dort arbeiten. Der Hoteldirektor ist verzweifelt.

Hoteldirektor Beat Gerber könnte ein glücklicher Mann sein. Originell, exzellent, ausgezeichnet. Die Tripadvisor-Kommentatoren überbieten sich mit positiven Bewertungen. Das Hotel Balade steht gut da, sehr gut. Aber es steht im Kleinbasler Rotlichtmilieu - und somit am falschen Ort.

Beat Gerber ist frustriert. «Ich hatte gehofft, dass das neue Verkehrsregime zu einer Beruhigung des Suchverkehrs führt», sagt er. Neue Tische hatte er sich angeschafft, neue Schirme, alles, was es braucht für einen mediterranen Boulevard im Sommer.

Dann kam sie, die Hiobsbotschaft: Die Innenstadt wird nicht wie geplant noch im Winter autofrei. Parlamentarische Vorstösse verzögern die Umsetzung. Es wird sicher Ende Jahr, bis die Autos verbannt werden. Andere Gewerbler freut das, Gerber ist konsterniert. Obwohl er weiss: «Es wäre nur ein kleiner Schritt gewesen.»

Polizei mahnt erste Vermieter ab


Als die Zürcher Firma «Welcome Hotels» das «Balade» vor einigen Jahren als Dependance zum Hotel Stücki kaufte, herrschte Aufbruchstimmung: Wenn die Autos mal weg sind, flanieren mehr Leute vorbei, die zum Rhein wollen oder ein Konzert in der Kaserne besuchen. Das Quartier wächst näher zusammen. Und die Frauen auf dem Strassenstrich arbeiten weiter dort, wo es ihnen erlaubt ist: im Toleranzzonen-Dreieck am Teichgässlein, der Ochsen- und Webergasse hinter dem Hotel Balade. Es schien, als wäre alles nur eine Frage der Zeit und das «Balade» würde bald beneidet von anderen Hoteliers.

Das Gegenteil traf ein. «Die Situation läuft aus dem Ruder», sagt Gerber. «Es kommen immer mehr Frauen und die Fluktuation steigt.» Längst suchten sich die Frauen ihre Freier nicht mehr nur in der Toleranzzone oder hinter verschlossenen Türen. Auch auf dem Platz vor dem «Balade» würden sie schon am frühen Morgen Männer ansprechen - oft Hotelgäste. «Manche checken darum frühzeitig aus», sagt Gerber. Aber wenigstens wüssten die Gäste, dass das Hotel nichts mit dem Rotlicht zu tun hat. «Wir grenzen uns vom Milieu ab.» Das ginge leider aber nur im Innern.

Die Polizei kennt das Problem. Und handelt, soweit es ihr möglich ist. Sie verzeigt Frauen, die ausserhalb der Toleranzzone arbeiten. Und manchem Autofahrer droht wegen unnötigen Herumfahrens eine Verzeigung. Zudem ist die Polizei vermehrt zu Fuss unterwegs. «Wir schöpfen alle Mittel aus», sagt Martin Schütz vom Justiz- und Sicherheitsdepartement. Selbst härtere Massnahmen würden nun ergriffen. Wegen Belästigungsklagen von Nachbarn seien erste Salonbetreiber und Vermieter abgemahnt worden. Denn auch sie sind angehalten, jeder neuen Frau zu erklären, dass das Anwerben ausserhalb der Zone verboten ist.

Härtere Gesetze sind nicht geplant: Erst im vergangenen Mai hatte die Regierung mitgeteilt, sie habe nicht vor, «mit Blick auf die Prostitution in Basel-Stadt derzeit gesetzgeberisch tätig zu werden». Denn die heutigen gesetzlichen Instrumente reichten bei konsequenter Anwendung aus. Auch eine Verlegung der Toleranzzone ist kein Thema.
Gerber wünscht sich, dass sich die Frauen von seinen Gästen fernhalten. Wie früher, als man sich «respektiert und gegrüsst» habe. Doch selbst, wenn die Frauen nur flanieren - sie sind da. «Vor allem Familien stört der Anblick halb nackter Frauen.»

Runder Tisch soll Lage verbessern

Ein Gegentrend ist nicht absehbar: Im Herbst beantwortete Sicherheitsdirektor Baschi Dürr einen Vorstoss zur Prostitution unter anderem mit der Aussage: «Es ist nicht auszuschliessen, dass Frauen aus Rumänien und Bulgarien versuchen werden, ihre Sexdienste hier anzubieten.» Er bezog sich auf die erweiterte Personenfreizügigkeit, die per Anfang dieses Jahres in Kraft trat. Für eine Bilanz sei es aber zu früh, sagt Schütz.

Politisch ist derzeit kein Vorstoss zum Thema hängig, dennoch ist der Wille gross, die Situation zu verbessern: Unter Federführung des Stadtteilsekretariats Kleinbasel fanden bereits zwei Treffen mit involvierten Personen aus dem Quartier und der Verwaltung statt. Auch das Hotel Balade ist in der Gruppe vertreten und voller Hoffnung, dass durch die Gespräche eine Verbesserung erreicht werden kann. Obwohl: Bis das Verkehrsregime umgesetzt wird, werden etliche Autofahrer zu allen Tageszeiten «unnötig herumfahren».

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