Growcer AG

Rucola vom Roboter: In Basel wird die erste maschinenbetriebene Gemüsefarm gebaut

Rucalo vom Roboter? Bitte sehr: In Basel wird derzeit die erste maschinenbetriebene Gemüsefarm gebaut. Menschen braucht es hier nur noch zum Ernten. Das Konzept kann die gesamte Landwirtschaft verändern – ausgerechnet im urbanen Raum.

Was derzeit auf dem Wolf-Areal gebaut wird, erinnert an einen Science-Fiction-Film. Eine Maschine, die ohne menschliches Zutun Blattgemüse, Kräuter, Sprossen und Früchte produziert. Ohne Spritzmittel, mit einem vergleichbar minimalen Wasserverbrauch und zu Kosten, die gemäss Businessplan zumindest mit der Import-Konkurrenz mithalten können.

Entwickelt wurde das «Treibhaus 2.0» von Unternehmer Marcel Florian und seinem Team. Im solothurnischen Gretzenbach betreibt sein Start-up Growcer AG seit Februar 2019 eine Versuchsanlage. Roboter säen, bewässern und düngen die Pflänzchen, der Mensch kommt vorerst noch beim Ernten zum Einsatz.

«Die Produktionskammer ist von der Umwelt abgeriegelt, dadurch können wir ganzjährig ohne jegliche Pestizide und mit bis zu 90 Prozent weniger Wasser produzieren,» sagt Florian. Und auch der Flächenverbrauch ist minimal, weil sich die Beete stapeln lassen. «In Basel investieren wir einen hohen sechsstelligen Betrag in eine mehrstöckige Anlage, die voll produktionsfähig ist.» Allerdings sei auch diese noch zu klein, um den hohen Bedarf an Blattgemüse und Kräutern ausreichend produzieren zu können.

Keine Exklusivverträge mit Grossverteilern

Growcer ist nicht die erste Firma, die sich in Basel mit einem innovativen Farming-Konzept versucht. 2013 verwandelte eine Zürcher Firma ein Dreispitz-Flachdach in eine Fischzucht- und Gemüseanlage. Allerdings gelang es dort nie, zu markttauglichen Preisen zu produzieren. Florian sagt: «Es gibt Produkte, die wir sogar preiswerter produzieren. Und jene, bei denen wir vorerst nicht mithalten können.» Deshalb setze Growcer «auf frische Produkte wie Blattgemüse und Kräuter, die heute teilweise per Flugzeug importiert werden. Unter anderem asiatisches Gemüse wie Pak Choi. Da lohnt sich der Anbau vor Ort gleich doppelt».

Doppelt, das bedeutet: Es ist realistischer, in einer Hightech-Farm zu Marktpreisen zu produzieren und dabei sehr viel CO2 einzusparen. «Deshalb ist die Location auf dem Wolf-Areal für uns so spannend: mitten in der Stadt mit entsprechender Nähe zu den Konsumenten.» Um diesen Standortvorteil zu nutzen, habe sich Growcer gegen Exklusivverträge mit Grossverteilern entschieden. «Wir setzen auf direkte Absatzkanäle.» So sei in Zusammenarbeit mit heutigen Produzenten und Landwirten vorstellbar, einst eine Grossanlage direkt bei einem Verteilzentrum zu betreiben.

Keine Pestizide, wenig Wasser, platzsparend, günstig – das «Treibhaus 2.0» scheint beinahe utopisch. Doch was ist mit der Energie? Florian sagt: «Klar, wir brauchen Strom für unsere LED-Beleuchtung. Dieser stammt allerdings aus erneuerbaren Quellen. Da wir unabhängig vom Tageslicht produzieren, können wir Tag und Nacht umkehren.» Das Licht wird also nachts eingeschaltet, wenn sowieso zu viel Strom produziert wird.

 

Ausstellung am Digitaltag. Die Firma Growcer ist eine der Aussteller am Digitaltag auf dem Meret Oppenheim-Platz, der heute bis 19 Uhr stattfindet.
www.digitaltag.swiss

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