Am Ende

Rudolf Kellers Lebenswerk stirbt - Schweizer Demokraten treten nicht an

Ein Bild aus besseren Zeiten: Im Jahr 2000 reichte Rudolf Keller (Mitte), damals nationaler Präsident der Schweizer Demokraten, in Bern das Referendum «Bilaterale Verträge vors Volk» ein – zusammen mit den (mittlerweile verstorbenen) Lega- Nationalräten Flavio Maspoli (links) und Giuliano Bignasca. Damals waren die SD im Baselbiet noch eine starke Kraft.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Im Jahr 2000 reichte Rudolf Keller (Mitte), damals nationaler Präsident der Schweizer Demokraten, in Bern das Referendum «Bilaterale Verträge vors Volk» ein – zusammen mit den (mittlerweile verstorbenen) Lega- Nationalräten Flavio Maspoli (links) und Giuliano Bignasca. Damals waren die SD im Baselbiet noch eine starke Kraft.

Die Schweizer Demokraten treten bei den Landratswahlen nicht mehr an – die Basler Sektion ist gar inaktiv.

«Von mir kommt da nichts.» Rudolf Keller hat keine Lust. Der Grand Old Man der Schweizer Demokraten schweigt. Dabei hätte der Frenkendörfer Politiker viel zu erzählen. Die Schweizer Demokraten – «seine» Schweizer Demokraten – einst eine Macht, versinken in der Bedeutungslosigkeit. National schon länger und jetzt auch im Baselbiet: Die Partei, die 2000/01 mit Peter Brunner sogar den Landratspräsidenten und mit Keller lange Jahre einen Nationalrat stellte, tritt 2015 nicht mehr zu den Landratswahlen an. Dazu gab es keine Medienmitteilung. Die bz erfuhr bei den Vorrecherchen für die Wahlen vom Verzicht der SD.

Niemand wirklich zuständig

Auch Josua Studer will nichts sagen. Der alt Landrat ist auf der Webseite der SD Baselland als Präsident aufgeführt. Aber das sei nicht mehr korrekt, wie der Allschwiler schreibt: «Ich bin seit der letzten Delegiertenversammlung nicht mehr Kantonalpräsident und somit ist Ruedi Keller zuständig.» Die Partei dreht sich im Kreis. Aber immerhin dreht sie sich noch.

Gesprächiger ist John Stämpfli. Er war der letzte SD-Vertreter im Landrat. «Es tut wahnsinnig weh, das mit anzuschauen», sagt Stämpfli, «aber die Partei schläft langsam ein.» Der Münchensteiner schaffte 2007 überraschend die Wahl ins Kantonsparlament. Die vier Jahre müssen für ihn ernüchternd gewesen sein, denn er verbrachte diese ziemlich einsam: Keine Fraktion wollte ihn aufnehmen. 2011 wurde er abgewählt. Er glaube an die Zukunft der Partei, aber alleine könne er nichts bewegen. Der Verkaufsleiter trat mit 16, also vor 37 Jahren, in die Partei ein, zu einer Zeit, als sich ihr Gründer James Schwarzenbach schon verabschiedet hatte, die SD aber noch Nationale Aktion für Volk und Heimat (NA) hiess. Stämpfli bekam den Niedergang am eigenen Leibe mit. Dieser begann mit dem Aufstieg der Schweizerischen Volkspartei.

Ab den 90er-Jahren vertrat die SVP immer häufiger Positionen, die zuvor Markenzeichen der SD waren: Forderung nach Neutralität der Schweiz, Isolationismus und vor allem nach Begrenzung der Einwanderung. Je mehr sich die SVP im rechts-konservativen Spektrum suhlte, desto weniger blieb für Rechtsaussen-Parteien wie die SD übrig.

In einem schlimmeren Zustand als die Baselbieter Sektion befindet sich deren städtische Schwester. Auf der Webseite der Sektion Basel-Stadt sind nicht mal mehr Kontaktdaten angegeben. «Ja, es ist so. Wir stehen still», sagt Markus Borner, langjähriger Kantonalpräsident, alt Grossrat und Regierungskandidat 2000. Zuletzt für Schlagzeilen sorgten die Basler SD 2012, als sie sich von Ex-Mitglied und Politclown Eric Weber distanzierten. Acht Jahre zuvor hatten sie mit ihm gemeinsame Sache gemacht, für die Grossratswahlen nahmen sie Weber auf ihre Liste. Gewählt wurde Weber 2004 nicht. Dass Letzterer es mittlerweile auf eigene Faust ins Basler Parlament geschafft hat, muss Borner als Ironie des Schicksals abbuchen.

Revival ist unwahrscheinlich

Um die Jahrtausendwende setzte die SVP ihren Siegeszug fort. Die Krümel, die für die SD übrig blieben, nährten sie nicht mehr, nicht einmal im Baselbiet, das mit Keller über zwei Jahrzehnte den Parteipräsidenten der SD Schweiz stellte. Bei den Landratswahlen 2011 lag der Stimmenanteil noch bei etwas über 1 Prozent – zu den besten Zeiten kam die Partei, die sich auch den Naturschutz auf die Fahne schrieb, auf über 10 Prozent. In Basel trat die SD schon 2012 nicht mehr an, und mit einem Revival ist nicht zu rechnen: «Ich weiss nicht, ob wir 2016 wieder kandidieren», sagt Borner. Ganz anders tönt es aus Münchenstein. «Käme jemand zu mir», sagt John Stämpfli, «und würde sagen, ‹Hey Johnny, komm, wir probieren es noch mal!›, ich wäre sofort dabei.»

Stämpflis Chancen stehen schlecht. Zwar trug Keller die SD Schweiz 2011, damals war er kurzzeitig wieder deren Präsident, schon einmal symbolisch zu Grabe, um sie neu zu beleben. Mit bescheidenem Erfolg. Somit sind auch die Kantonal-Sektionen einem langsamen Tod geweiht.

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