«Es ist schrecklich, in der Verwahrung zu sein. Absolut schrecklich. Das ist jetzt ein Hoffnungsschimmer für mich», sagte der 47-jährige Mann am Freitagmorgen sichtlich nervös zu den fünf Richtern. Um eine Freilassung ging es zwar nicht, aber um einen grundlegenden Richtungswechsel: Seit über zehn Jahren wird der Mann verwahrt, nun soll ein Entscheid den Übertritt in eine stationäre therapeutische Massnahme erlauben.

Der Teufel steckt im Detail: Die Rückfallgefahr ist offenbar schwer einzuschätzen, und auch die Frage einer geeigneten, möglicherweise offenen oder eher geschlossenen Behandlungseinrichtung ist noch nicht geklärt. Das Basler Strafgericht kam am Freitag noch zu keinem endgültigen Ergebnis: Das Verfahren wird vorerst sistiert und ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. Der Verteidiger hatte dies verlangt. Damit sollen die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten detailliert aufgezeigt und die Rückfallgefahr genauer eingeschätzt werden. Das letzte Gutachten stammt von Ende 2014. «Jemand muss nur dann weggeschlossen werden, wenn eine hohe Rückfallgefahr besteht», insistierte der Verteidiger des Mannes.

Ein Mord an Weihnachten 1994

«Ich bin jetzt 21 Jahre in Haft, 18 davon in geschlossenem Rahmen», betonte der 47-Jährige während der Verhandlung. Das Gericht wollte keine näheren Angaben zum damaligen Delikt des Mannes machen, das schliesslich zur Verwahrung geführt hat. Wie Recherchen der bz ergaben, tötete der Mann an Weihnachten 1994 brutal einen Mitbewohner im Gundeli-Quartier, die Leiche wurde erst zwei Wochen später durch dessen Vormund gefunden. Wegen Mordes verurteilte man den damals 25-jährigen Täter zu elf Jahren Freiheitsstrafe.

Das eher geringe Strafmass lässt darauf schliessen, dass das Gericht damals von einer stark verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen ist. Anstelle der Freiheitsstrafe wurde schon damals eine therapeutische Massnahme angeordnet. Nach der Tat wurde die Diagnose einer Borderline- und Persönlichkeitsstörung gestellt, inzwischen ist das aber Makulatur: Heute lautet die Diagnose Autismus-Spektrumsstörung mit Asperger-Syndrom (ASS), dazu kommen ein Aufmerksamkeits-Defizitsyndrom (ADHS) sowie Alkohol- und Medikamenten-Abhängigkeit. Nach erfolglosen Therapieversuchen wurde der Mann vor über zehn Jahren nachträglich verwahrt.

«Gezielte Therapie erfordert einen gezielten Therapieansatz. Was aber, wenn Diagnose und Therapieansatz nicht passen? Meiner Meinung nach ist genau das hier passiert, und deshalb wurde ich verwahrt», las der 47-Jährige seine vorbereitete Erklärung vor. «Ich habe seit meinem Delikt, das ich bereue, keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt. Eigentlich müsste ich freigelassen werden, da meine Verwahrung auf falschen Voraussetzungen beruht», sagte der Mann.

Staatsanwaltschaft wie auch Vollzugsfachleute befürworten offenbar den Übertritt in eine stationäre Massnahme, bestehen aber vorerst auf einer Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung. Wenn das neue Gutachten vorliegt, wird das Gericht den Fall wieder beurteilen.