Es sind stets einzelne Velofahrende, die eine ganze Gruppe in Verruf bringen. Sie fahren über Rotlichter, auf Trottoirs, ohne Licht und halten nicht an Fussgängerstreifen. Die regionalen Sektionen des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS), von Pro Velo und Fussverkehr wollen diesen Einzelfällen entgegentreten und rufen in einer Kampagne zum fussgängerfreundlicheren Velofahren auf. Teil dieser Kampagne ist eine Charta bestehend aus acht Punkten, in der man sich zum respektvollen und rücksichtsvollen Velofahren bekennen kann.

Damit wollen die Verbände rücksichtsvollen Fahrerinnen und Fahrern und denjenigen, die es in Zukunft werden möchten, die Möglichkeit geben, sich von Velo-Rüpeln abzugrenzen. «Wir wollen mit der Kampagne einen Beitrag zum Dialog zwischen Velofahrenden und Fussgängern leisten», erklärte gestern Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin des VCS beider Basel, zum Start der Kampagne.

Die Charta fordert die strikte Einhaltung der Verkehrsregeln – wie das Halten vor dem Fussgängerstreifen, beim Veloparkieren genügend Platz lassen und das nicht Befahren des Trottoirs sowie weiche Punkte wie genügend Abstand halten und langsames Überholen. Vorsicht sei besonders gegenüber Kindern und Betagten und auf Flächen, die sowohl von Velofahrenden als auch von Fussgängern benutzt werden, geboten. Als Brennpunkt erwähnte Fuchs die Solitude, wo Velofahrer und Fussgänger auf wenig Platz aneinander vorbei kommen müssen. Die Charta kann man auf der extra dafür eingerichteten Homepage unterzeichnen.

Mehr Ruhe und weniger Hektik

Roland Chrétien, Geschäftsführer von Pro Velo beider Basel, weiss um das «rüpelhafte Verhalten» einzelner Velo-Rowdys. «Das Klima zwischen Velofahrenden und Fussgängern ist oft vergiftet. Das wollen wir aufbrechen.» Chrétien fordert mehr Ruhe und weniger Hektik. Er sei überzeugt, «dass das zusammen mit den Fussgängern funktioniert, wenn es keine Idioten gibt, die herumrasen».

Dass immer mehr Velofahrerinnen und -fahrer die Trottoirs benutzen, sei aber auch ein Zeichen dafür, dass auf den Strassen zu wenig Platz sei. Eine Rechtfertigung solle dies keinesfalls sein. Auch Andreas Stäheli, Geschäftsführer von Fussverkehr Region Basel, hofft in Zukunft auf weniger Velofahrende in Fussgängerzonen. «Fussgänger fühlen sich vermehrt bedrängt, wenn Velofahrende auf den Trottoirs fahren und ihnen auf den Fussgängerstreifen den Vortritt nicht gewähren.»

Auf die Konfliktzonen zwischen Velofahrenden und Autofahrenden wird in der Kampagne bewusst verzichtet. «Wir wollen uns jetzt voll und ganz auf die Fussgänger konzentrieren», betont Stephanie Fuchs.