Rutschmadame
Roger hebelt Helvetia aus

Woche für Woche nimmt die Rutschmadame das regionale Geschehen aus dem Blickwinkel des nahen Elsass aufs Korn. Heute: Ehre, wem Ehre gebührt.

Martina Rutschmann
Martina Rutschmann
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Der stolze Roger und sein Drämmli! Bald kann es in der ganzen Stadt bestaunt und bestiegen werden.

Der stolze Roger und sein Drämmli! Bald kann es in der ganzen Stadt bestaunt und bestiegen werden.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Es ist ein alter Hut. Lebende Menschen bekommen keine Strassen. Strassen dürfen erst nach Persönlichkeiten benannt werden, wenn diese unter der Erde weilen und sich nicht mehr wehren können. Meret Oppenheim zum Beispiel hätte bestimmt gegen ihre Strasse im Gundeli aufbegehrt. Ein Unort an den Bahngleisen, eine Strasse ohne Leben und Charme. Picasso hätte wohl ebenfalls gegen seinen Platz in der tristen Vorstadt rebelliert. Und wo würde Roger Federer wohl seine Strasse oder seinen Platz haben wollen? Auf dem Dreispitzareal zwischen seiner ehemaligen Wohngemeinde Münchenstein und der Stadt? Halt, das geht ja nicht, dort heissen die Strassen wie Städte. Mailand, Lyon, Brüssel. Basel zeigt sich international offen gegenüber der Welt, von der sich der Rest des Landes erfolgreich abschottet. Basel tickt eben anders. Und ist stets für Überraschungen gut.

Beim neusten Gag aus der (Halb-)Kantonsküche merkt man, dass zwei Dutzend Staatsangestellte in ihren schmucken Büros in der Innenstadt jahrelang geschwitzt, abgewogen und diskutiert haben. Denen gehört ein Orden verliehen oder ein Platz. Sie haben geschafft, worüber seit Jahren gestritten wird. Sie haben eine Antwort auf die Frage gefunden, wie Basel ihren Helden Roger Federer schon zu Lebzeiten ehren kann. Dies vorweg: Er bekommt keine Bronzestatue auf dem Marktplatz. Das Läckerli wird nicht zum Federli. Und nein, auch die St.Jakobshalle oder das Joggeli werden nicht umgetauft. Die Stadt will keine Wiederholungen, keine Skulptur an prominentem Ort mit himmlischer Aussicht wie es die Helvetia bekam, kein Hebel-Kopf vor einer Kirche.

Roger bekommt ein Drämmli! Da staunt Ihr, was? Darauf muss man zuerst mal kommen. Ein Tram! Welche Ehre für den bekanntesten Schweizer seit Zwingli. Welch Ehre für den Mann, dem die Schweiz zu verdanken hat, dass der Rest der Welt überhaupt von ihrer Existenz weiss. Der Mann, der das Heidi-Schoggi-Kuh-Bild, das die Welt von der Schweiz hat, ein wenig revidieren konnte, bekommt ein Fahrzeug, das fortschrittlicher nicht sein könnte. Da vergessen wir glatt, dass Parlamentarierinnen seit Jahren dafür kämpfen, die Innenstadt vom Drämmli zu entlasten. Wir gratulieren Dir, Roger, von Herzen! Und hoffen, dass Du später noch eine Tramhaltestelle dazu bekommst.

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