Ein Einkaufswagen», ruft ein Taucher aufgeregt. Er versucht, den besonderen Fund mit einem Seil an die Wasseroberfläche zu ziehen. Doch der Einkaufswagen bewegt sich nicht vom Fleck. «Er hängt fest», schreit er seinen Kollegen konsterniert zu. Die Pontoniere eilen zu Hilfe und befestigen das Seil an ihrem motorisierten Weidling und versuchen zuerst zaghaft und mit einigen Wendemanövern, den Einkaufswagen wegzuziehen. Doch dieser hängt noch immer fest. Die Wasserfahrerkollegen und die anderen Taucher machen sich einen Spass daraus und feuern die Pontoniere lautstark an. Mit voller Motorkraft muss es doch klappen, denken sich diese und geben Vollgas. Das Seil reisst.

Bei jedem grösseren Fund herrscht bei den Tauchern und den Helfern in den Weidlingen und am Ufer ein Hochgefühl. Die Emotionen sind aber geteilt. Einerseits die Freude, ein Velo, ein Absperrgitter oder sogar ein Handy gefunden zu haben, andererseits ärgert man sich über jene, die diese Stücke einst in den Rhein geworfen haben.

Gefährliche Schiffsschrauben

Bereits um acht Uhr am Samstagmorgen begannen die rund 80 Taucher mit ihrer Arbeit. Unterhalb der Wettsteinbrücke haben die Mitglieder des Tauchclubs Wasserfrösche zusammen mit Wasserfahrern ihren Posten. Doris Chiandetti schaut vom Ufer aus zum Rechten. Anhand der Blasen an der Wasseroberfläche erkennt sie, wo sich ein Taucher befindet. «Gerade wenn ein Motorboot mit drehender Schiffsschraube in der Nähe ist, ist es wichtig, dass wir wissen, wo die Taucher gerade sind.»

Wie auch für Vereinskollege Freddy Marzetti ist es auch für Doris Chiandetti die dritte Ryybutzete. Für beide eine Ehrensache. «Wenn wir als Tauchclub helfen können, ist es logisch, dass wir mitmachen. Auch wir haben gerne einen sauberen Rhein.» Für Freddy Marzetti ist die Ryybutzete so etwas wie eine Schatzsuche. «Man weiss nie, was als Nächstes kommt. Das macht es auch so spannend und aufregend.» Plötzlich steigt ein Velofahrer am Oberen Rheinweg vom Rad und kommt zum Ufer hinunter und fuchtelt mit den Armen. «Wenn ihr einen schwarzen Stuhl findet, dann meldet dies bitte. Den hat vor zwei Wochen jemand im Rhybadhysli ins Wasser geworfen.»

Ufernah vor allem Bierdosen

Unterhalb der Mittleren Brücke auf Höhe Unteres Klingental haben die Wasserfahrer des Rhein Clubs Basel das Kommando. Kiloweise Glasflaschen und Bierdosen nehmen sie den Tauchern ab. «Dort, wo die Leute am Ufer die Abende verbringen, hat es auch am meisten Abfall im Wasser», erklärt Taucher Matthias Recher. Die starke Strömung erschwere dieses Jahr die Suche. «Wir arbeiten uns den Rhein runter. Stromaufwärts ist sinnlos, da es uns zu viel Energie und somit auch zu viel Luft aus den Flaschen kostet.» Die Suche findet am Ufer entlang statt. Die Fahrrinne der Rheinschifffahrt ist tabu.

Damit die Taucher einfacher am Rheingrund entlang tauchen können, haben sie ihre Ausrüstung mit Blei beschwert. «Mit der einen Hand halten wir uns an Steinen fest, in der anderen halten wir das Netz, in das wir den Abfall füllen», beschreibt Matthias Recher. Für ihn sei die Ryybutzete auch eine «spannende Herausforderung», weil das Tauchen sonst an den meisten Stellen im Rhein verboten ist.

Das Tauchen im Fluss sei schwieriger als in einem See, findet David Mallo. «Es ist ein stetiger Kampf gegen die Strömung, die heute besonders stark ist.» Die Taucher leisten über Stunden Schwerstarbeit. Unterhalb der Johanniterbrücke haben sie eine Metallleiter aus dem Rhein geborgen. Da sie nicht in eine der vom Tiefbauamt bereitgestellten Abfalltonnen passt, muss sie kurzerhand zersägt werden.

Den Abfall nicht hinterfragen

Auf 13 Abschnitten zwischen dem Kraftwerk Birsfelden und dem Wiesendamm wurde an beiden Flussufern nach Abfall getaucht. 150 Helfer waren insgesamt im Einsatz. Sich immer wieder zu fragen, warum Velos, Trottinetts, Grills oder auch schon einmal ein Auto im Rhein liegen, habe keinen Wert, meint Guido Derungs, Leiter Wasserbau beim Tiefbauamt Basel-Stadt. «Heute geht es einfach darum, dass wir das Zeug herausholen.» Mit 7,5 Tonnen Material wurde heuer etwas weniger geborgen als noch vor vier Jahren. Der Rekord aus dem Jahre 2003 mit 25 Tonnen bleibt wegen des damals sehr tiefen Wasserstands unerreicht. Gefunden wurde am Samstag übrigens auch ein schwarzer Bürostuhl. Ob dieser im Rhybadhysli vermisst wird?