Ohne den Tiefbahnhof gibt es kein Herzstück für die Basler S-Bahn. Damit diese dringend notwendige Entlastung für die Region gebaut werden kann, machen die beiden Kantone Druck – womit der Untergrundausbau der Basler Schiene deutlich näher rückt.
Es drückt und schmerzt an allen Stellen. Die Region Basel wächst so rasant, dass sämtliche wichtigen Verkehrsträger kurz vor der Überlastung stehen – oder schon überlastet sind. Wie etwa der Bahnhof Basel SBB, wo mittlerweile die politische Einigkeit besteht: Dieser Ort ist heute schon weit über seine Kapazitäten ausgelastet.
Und da kommt noch mehr: Bis 2040 erwarten die Wirtschaftsförderer ein Zusatzwachstum um weitere rund 140’000 Einwohnende in der Region Basel. Allein die Zahl der Arbeitsplätze soll um weitere knapp 90’000 Beschäftigte steigen. Irgendwo müssen diese Menschen also unterkommen und von jeweils dort an Arbeitsplätze, zum Studium oder in die Freizeit pendeln.
Kurz und gut: Die Region platzt eher schneller als langsam – weshalb aus Sicht der Kantone die heute eher dürftige, weil langsame und übervolle Regio-S-Bahn Basel umfassend ausgebaut gehört.
Das ist der Grund, warum sich am Donnerstag die Politprominenz beider Basel im Mövenpick Hotel am Bahnhof SBB ein Stelldichein gab: Der erste umfassende Ausbauschritt zur Realisierung des Herzstücks muss in die Botschaft 2026 des Bundes zum nächsten Ausbauschritt der Schiene. Es war nicht das erste Mal, dass die Region von «Einigkeit» und «Geschlossenheit» sprach, um die Bahntunnel von Basel in Bern durchzubekommen. Aber es ist das erste Mal, dass die Chancen für eine realistische Umsetzung sogar gut stehen.
Neben der Basler Regierungsrätin Esther Keller (GLP), dem Baselbieter Regierungsrat Isaac Reber (Grüne) und Handelskammer-Direktor Martin Dätwyler (FDP) kamen am Medienanlass insgesamt acht Mitglieder des Bundesparlaments aus beiden Kantonen zusammen:
Aus Basel-Stadt: Ständerätin Eva Herzog (SP), Nationalrätin Katja Christ (GLP), Nationalrätin Patricia von Falkenstein (LDP).
Aus Baselland: Ständerätin Maya Graf (Grüne), Nationalrätin Florence Brenzikofer (Grüne), Nationalrätin Samira Marti (SP), Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (Mitte), Nationalrat Thomas de Courten (SVP).
Ziel ist es, den Tiefbahnhof Basel SBB sowie den Infrastrukturausbau im Fricktal in die Botschaft 2026 zu bekommen. Findet dies statt, ist die erste grosse Hürde geschafft. Stehe nämlich erst einmal dieser Tiefbahnhof, könne der Rest des Herzstück-Ausbaus sukzessive erfolgen, sagte der Baselbieter Bau- und Verkehrsdirektor Isaac Reber (Grüne). Die Regierungen beider Basel schickten bereits einen entsprechenden Brief ans Bundesamt für Verkehr. Die Bundesparlamentarier und die Handelskammer beider Basel legten jetzt mit einer Resolution nach.
Die weiteren Ausbauschritte sind die Untertunnelung von Basel in Richtung Frankreich und Deutschland und der Bau der Haltestellen «Mitte» zwischen Barfüsser- und Marktplatz, St. Johann sowie Badischer Bahnhof. Eine zusätzliche Haltestelle im Entwicklungsgebiet Klybeck ist zudem in Prüfung. Somit könnten weite Teile des Pendlerverkehrs über die S-Bahn abgewickelt werden, was – und da zeigten sich Bundespolitiker von grün bis bürgerlich am Donnerstag einig – auch den Druck von der Strasse nehmen könnte.
Die Konkurrenz, in diese Botschaft des Bundes zu gelangen, ist allerdings gross. Auch Luzern will einen Tiefbahnhof, Aarau-Zürich soll eine Direktverbindung erhalten, Lausanne-Bern verlangt nach einem Kapazitätsausbau und auch zwischen Winterthur und St.Gallen sollen die Verbindungen schneller werden. Das alles sind ebenso rasant wachsende Speckgürtel der Schweiz.
Der Kampf ist also hart, wie auch die Baselbieter Nationalrätin Florence Brenzikofer (Grüne) sagte, die seit Kurzem die IG öffentlicher Verkehr der Schweiz präsidiert. Entsprechend verwies sie in einem «ceterum censeo» zusätzlich auf den Wisenbergtunnel: Dieses seit Jahrzehnten geplante und in Schubladen schlummernde Megaprojekt zwischen Liestal und Olten trage entscheidend zur Funktionalität der Drehscheibe Basel bei und sei – wenn auch an anderer Stelle – ebenfalls in diese Botschaft zu integrieren.
Insgesamt soll der Bund für den Basler Tiefbahnhof, das Herzstück und die weiteren Ertüchtigungen im Kernperimeter rund 9 Milliarden Franken lockermachen. Das entspricht rund drei Mal dem Bau des A2-Rheintunnels. Dafür soll allein schon der Bau des Tiefbahnhofs, mit dem übrigens in den 2030er-Jahren gerechnet wird, nicht nur dem Regionalverkehr, sondern auch dem ebenso von Überlastungen geplagten Fern- und Güterverkehr zugutekommen.