Vorfasnacht

S Lüüchte vo dr Fasnacht, s Munde vom Ragout: Ein zauberhaftes Fasnachtshuus

Mit dem Fasnachtshuus in die drey scheenschte Däg eintauchen – bei Wurstkäse-Salat, Rindsragout und Schoggimousse.

An der Bar sitzen, den gespritzten Weissen, das kühle Bier oder das Gläschen Prosecco trinken, dem Märchenonkel René zuhören, wie dieser eine Fasnachtsgeschichte erzählt, die die Vorfreude auf dem Morgestraich in die Höhe schnellen lässt. «Die Toilette ist im Untergeschoss. Sie darf jederzeit gebraucht werden. Rauchen darf man auch – aber bitte draussen», sagt eine Stimme aus dem Hintergrund.

Das Fasnachtshuus ist anders. Die Protagonisten kommen zum Publikum, das Publikum wird Teil der Vorstellung. Eine Symbiose, die es so im Vorfasnachtsbasel nur im Fasnachtshuus im «L’Unique» gibt. 

Alles dreht sich um Brösmeli, einem Binggis, der von seinen Eltern, seinen Grosseltern und seinem Götti Jules das Fasnachtsfieber in die Wiege gelegt bekommen hat. Das Fieber steigt von Jahr zu Jahr, bis er erstmals selber am Morgestraich mittrommeln darf.

Es entsteht eine Geschichte voller Bilder vom Ladäärne-Ypfyffe bis zum Ändstraich, die so jeder Fasnächtler vor dem geistigen Auge zeichnen kann. Das Leuchten der Laternen, das Ruessen in den Gassen, das Trinken vor dem Bruune Mutz.

Doch genau dort passiert Brösmeli sein erstes grosses Malheur. Er verliert seine Trommel. Die Verzweiflung ist gross. Das Worst-Case-Szenario eines jeden Tambours an der Fasnacht. Doch Götti Jules hat den richtigen Rat parat: «Gang zum Grossmami. Aber mit dr Fähri.»

Der Fährimaa begrüsst Brösmeli herzlich, der Nebel hängt dicht über dem Bach. Auf der Kleinbasler Seite wartet bereits das Grossmami. Und siehe da, sie hat Brösmelis Trommel dabei. Es ist ein Fasnachtswunder – nicht das Letzte an diesem Abend.

Der Rhein als Ort der Wunder

René Häfliger nimmt das Publikum auf eine Reise mit durch Basel, durch die Fasnacht, die Kindheit und Jugend von Brösmeli. Es vergehen Jahre im Leben des Jungen, gefühlt sind es aber genau drei Tage. Immer wieder streut der Märchenonkel Begebenheiten und Personen ein, die mehr oder minder zufällig gerade im «L’Unique» sitzen. Das Gelächter an den entsprechenden Tischen ist jeweils gross.

Die Erzählungen haben etwas Melancholisches. Jeder Fasnächtler kennt die Gefühle, die Götti Jules und den jungen Brösmeli beschäftigen. Häfliger schafft es, dass man mitfühlt, mitleidet und hofft, dass alles gut kommt. Auch dann, als Brösmeli auf einer Glasflasche ausrutscht und sich den Fuss vertritt oder das Fell seiner Trommel reisst.

Die Geschichte wiederholt sich. «Gang zum Grossmami. Aber mit dr Fähri.» Der Rhein wird zum Kraftort, zum Ort der Wunder – und immer hat es Nebel. Mystik pur im Fasnachtshuus.

René thront über allen

Die Geschichte wird untermalt von Tambouren, Pfeiferinnen und einem Gesangsquartett der Männerstimmen Basel. Sie haben immer das zur Geschichte passende Lied oder den passenden Marsch parat: «z’Basel a mym Rhy», «dr Läggerli» oder den «Wettstai».

Die Musikerinnen und Musiker stehen verteilt im Speisesaal neben den Tischen und auch mal auf den Bänken. Das Publikum hat in jeder Ecke etwas zu sehen. Piccolos, Trommeln und immer wieder neue Kostüme. Märchenonkel René thront dabei über allen in der Ecke.

Der Hunger und Durst nach Fasnacht werden gestillt und noch mehr geweckt. Und auch der Magen muss im Fasnachtshuus nicht knurren. Das Dreigangmenü mit «Wurschtkäs-Salaat», «Rindsragout mit Spätzli und Gmiess» und dem abschliessenden «zwaifarbigen Schoggimuss» weckt an so manchem Tisch ein lautes «mmmh» hervor. «Es hat wunderbar geschmeckt», lobt eine Frau die Köchin, die nach dem Hauptgang kurz vorbeischaut. Das Fasnachtshuus – ein Fest der Sinne.

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