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S Ridicule startet mit sanften Tönen in die Vorfasnacht

Eher ruhigere Pointen: Auch in diesem Jahr blieb sich S Ridicule treu.Ruedi Gygax

Eher ruhigere Pointen: Auch in diesem Jahr blieb sich S Ridicule treu.Ruedi Gygax

Die Helmut Förnbacher Theater Company überzeugt mit leisem Humor und fantasievoller Fasnachtsmusik.

Zum Ende der Premiere am Mittwochabend klatschte das Publikum minutenlang Beifall für das Schauspiel- und Musikensemble der Helmut Förnbacher Theater Company, die soeben ein eindrückliches Ridicule auf die Bühne gezaubert und so die Basler Vorfasnacht eingeläutet hatte. S Ridicule ist nicht der Ort für die lauten Töne und knallharten Pointen. Theaterinhaber und Regisseur Helmut Förnbacher wählte auch für den Jahrgang 2015 eher die ruhigeren Pointen.

Eine Diskussion ohne Konsens

So wurde gleich im ersten Rahmestiggli «isch dy Frind au scho…?» Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels als «Mostinder und Parkplatzverhinderer» abgestraft und BaZ-Chefredaktor Markus Somm zur NZZ gewünscht. Ganz generell ist der in den vergangenen Jahren immer stärker aufkommende Zwist zwischen Velo- und Autofahrern ein dominierendes Thema des diesjährigen Ridicule. Die vor wenigen Tagen umgesetzte autofreie Innenstadt stösst bei Restaurantbesucher Diego im Stiggli «Stadtentwigglig» auf wenig Freude.

Der leidenschaftliche Dodge-Barracuda-Fahrer trifft auf Kellner Marcel, selber ein bekennender Velofahrer. Die Diskussion der beiden widerspiegelt das, was in der kürzeren Vergangenheit wohl zwischen vielen Zwei- und Vierradfahrern in der Stadt Basel geschehen ist: ein Aufeinandertreffen ohne Konsens. Diego – gekleidet im typischen Poser-Outfit mit Mütze und Sonnenbrille – ist verärgert, dass er seine 480 PS starke Karre auf den 250 Metern der Rebgasse nicht mehr auf 180 Kilometern pro Stunde beschleunigen kann. Das Wortgefecht amüsiert das Publikum, gerade weil die Texte nicht plump daherkommen. Ein paar der Pointen sind jedoch voraussehbar, wodurch die ganz lauten Lacher ausbleiben. Seinen klaren Höhepunkt erlebt S Ridicule im zweiten Teil der ersten Spielhälfte. Nach Schnitzelbangg «Hanslimaa», der sich über die im Bundesrat überschrittene Frauenquote, das ausgebliebene Sommerwetter und das Einkaufen in Weil lustig macht, folgt Schauspielerin Gisèle Rastberger im Stiggli «Der Sunndig vor em Morgestraich». Sie präsentiert eindrücklich die letzten Stunden vor dem Morgestraich, die so jede Fasnächtlerin und jeder Fasnächtler kennt.

Die unvergleichliche Stimmung beim Latärne-Ipfiffe am Sonntagabend und die Nervosität in der Nacht des Morgestraichs spielt sie fantastisch. D Blaggedde, d Larve oder das Kostüm könnten vergessen gehen. An richtigen Schlaf ist nicht zu denken. Der Übergang von Gisèle Rastberger leiser Glanzleistung zur lauten irischen Volksmusik mit den Tambouren von «Pianoforte» im Stiggli «in the Pub» ist schlichtweg grossartig.

Lästertanten auf dem Balkon

Die qualitativ hervorragenden Trommler beeindrucken durch ihr Spiel auf Tischen und Stühlen. Das Publikum wird sofort mitgerissen. Zusammen mit dem selbstironischen Vorspiel der «Improvisante» , die sich selber als «die etwas andere Street- und Fasnachtsformation» bezeichnen, ergibt sich ein musikalisches Feuerwerk. D Improvisante nehmen das leidige Thema der Guggenmusiken, die ohne Larven spielen, auf die Schippe.

Helmut Förnbacher als Léonie und Hanspeter Stoll als Rösli sprühen als ältere Basler Damen in den beiden Balkonszenen Funken. Sie lästern, sie lachen. Besonders das Einfrieren von befruchteten Eizellen, das amerikanische Grossunternehmen ihren Mitarbeiterinnen mittlerweile anbieten, belustigt die beiden Lästertanten.

Im zweiten Teil des Ridicule gefallen wiederum die Tambouren mit ihrer Mischung aus Musik- und Lichtshow, dr Swingvogel alias Victor Behounek und Urs Mangold, die sowohl mit Piccolo, Handorgel, Saxofon und Klarinette brillieren, aber auch durch ihre Improvisationskunst bei einem kleinen Missgeschick überraschen.

Die Vorfasnachtsveranstaltung S Ridicule ist noch bis zum 15. Februar am Badischen Bahnhof zu sehen.

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