Basel

Sängerin Anna Aaron: «Ich will mich nicht auf dem ausruhen, was ich kann»

Die Basler Musikerin Anna Aaron bringt ein neues Album heraus. (Pressebild)

Die Basler Musikerin Anna Aaron bringt ein neues Album heraus. (Pressebild)

Als Anna Aaron vor zweieinhalb Jahren ihr Debütalbum «Dogs in Spirit» veröffentlichte, feierte die Schweizer Musikszene die Baslerin als neue Pophoffnung. Am 28. Februar erscheint der Zweitling «Neuro» - und überrascht in vieler Hinsicht.

Es scheint ein wenig, als hätte Anna Aaron alias Céline Meyer der Ruf, die neue Stimme des Schweizer Pop zu sein, nicht behagt: Fast alles an "Neuro" ist unangepasster, unbequemer. Zum Gespräch, das sich bisweilen in philosophische Exkurse ausdehnt, lädt die 29-Jährige in die Basler KaBar.

Aaron vergleicht ihre Songs mit Landschaften, erklärt, bei "Dogs in Spirit" habe sie das Gefühl gehabt, sich in Wüsten und Bergen zu bewegen. "Als Stadtmensch ist mir aber der urbane Raum viel näher." Es sei für sie deshalb eine logische Entwicklung gewesen, sich dem Verhältnis des Menschen zur Technologie zu nähern und Themen wie etwa das Internet aufzugreifen.

Aaron ist belesen, sie zitiert aus Werken, stellt Bezüge her. Trotz den teilweise philosophischen Texten sei es ihr wichtig, dass Songs über menschliche Emotionen wie etwa Trennungsschmerz ("Stellarling") nicht zu kurz kommen, sagt die frühere Germanistik- und Philosophiestudentin.

Anna Aaron - Stellarling


Die musikalische Wandlung

Während melodiöse und eingängige Rock- und Popsongs mit viel Klavier das Debütalbum dominierten, sind die Stücke auf "Neuro" schwieriger fassbar. Vor allem aber ist das neue Werk, das wiederum beim Lausanner Independent-Label Two Gentlemen erscheint, viel elektronischer.

Die Texte und der neue Sound korrelieren; Aaron hat Klanglandschaften erschaffen und vermehrt mit Loops und anderen Effekten gearbeitet. Das Klavier taucht zwar in einzelnen Songs auf, ist aber deutlich in den Hintergrund gerückt. Dafür sind da etwa Songs wie "Girl", mit lauten, treibenden Beats.

Nach dem Erscheinen von "Dogs in Spirit" war Aaron bald klar, dass der musikalische Weg in eine andere Richtung gehen soll. "Ich will mich nicht auf dem ausruhen, was ich kann."

Sie schlug ihrer Plattenfirma den britischen Produzenten David Kosten vor. Dieser hat bereits mit Musikern wie Placebo-Frontmann Brian Molko zusammengearbeitet. "Mit einer Zusage rechnete niemand." Irrtum, Kosten gefiel, was er zugeschickt bekam, und einen Monat später stand die Baslerin in seinem Studio in London.

Anna Aaron - Sea Monsters

Nicht ganz alles ist neu auf "Neuro". Aarons tiefe und kraftvolle Stimme berührt ebenso wie auf "Dogs in Spirit".

Mut zur radikalen Veränderung

Seit fünf Jahren lebt die Baslerin nun von der Musik. Mit ihrem Debütalbum erregte Aaron in der überschaubaren Schweizer Musikszene Aufsehen, 2011 erhielt sie den 3. Basler Pop-Preis. 2013 begleitete die Baslerin den schweizerisch-französischen Jazztrompeter Erik Truffaz auf seiner Tournee.

Aarons Weg zur Solokünstlerin ebnete die Musikerkollegin Sophie Hunger. Diese hatte sie vor Jahren spielen hören und war begeistert. Sie empfahl die Baslerin ihrem eigenen Plattenlabel, welches Aaron unter Vertrag nahm.

Liessen sich zwischen Hungers Musik und Aarons "Dogs in Spirit" vielleicht noch Ähnlichkeiten entdecken, ist das bei "Neuro" nicht mehr der Fall. Gemeinsam haben die beiden Künstlerinnen aber ihre kompromisslose Art, ihrer Kunst nachzugehen.

Anna Aaron beweist mit "Neuro" Mut: Trotz ihres bisherigen Erfolgs hat sie gewagt, sich zu verändern. Schuldig bleibt Aaron niemandem etwas, nur ihrer Kunst - und sich selber.

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