Philosophicum
«Salongeschichten» über Kasperli und brave Mädchen

Das Philosophicum im Ackermannshof setzt seine Gesprächsreihe fort. Gäste erzählen ergreifende Geschichten aus ihrem Leben.

Iris Meier
Drucken
Teilen
Judith Schifferle, Literatur- und Kunstvermittlerin: «Das mündliche Erzählen steht bei uns im Vordergrund.»

Judith Schifferle, Literatur- und Kunstvermittlerin: «Das mündliche Erzählen steht bei uns im Vordergrund.»

Zur Verfügung gestellt

Auch dieses Jahr spricht Judith Schifferle im Format «Salongeschichten» im Philosophicum wieder mit interessanten Gästen über deren Leben und Werk. Heute Abend ist die 85-jährige Autorin Elisabeth Häubi Adler zu Gast, die als Halbjüdin und spätere Stieftochter eines SS-Offiziers in Wien aufwuchs. Die bz hat sich mit Judith Schifferle über den Abend unterhalten.

Was kann man sich unter «Salongeschichten» vorstellen?

Judith Schifferle: Es ist ein kleines, fast intimes, aber doch auch salonfähiges Format, welches das mündliche Erzählen in den Vordergrund stellt und dazu Gäste einlädt, die mal mehr, mal weniger bekannt sind. Immer aber geht es um ergreifende, manchmal tragische oder auch höchst amüsante Geschichten aus dem Leben der geladenen Gäste. Heute ist die 85-jährige Autorin Elisabeth Häubi Adler zu Gast. Am 5. Dezember Patricia Schiess, Buchhändlerin und Tochter des Basler Künstlers Hans-Rudolf Schiess.

Wie kamen Sie auf diesen Namen für das Format?

«Salongeschichten» ist eigentlich ein Begriff aus der Zeit der Aufklärung und bedeutete Lese- oder Erzählzirkel des Bildungsbürgertums. Der barocke Salon im Philosophicum lädt zum persönlichen Erzählen aus der grossen Geschichte geradezu ein. «Das Erzählen ist die wichtigste Form menschlichen Denkens», schreibt der Biologe Werner Siefer in «Der Erzählinstinkt». Uns interessiert auch das verschriftlichte Erzählen, vor allem aber das mündliche.

Was erwartet den Besucher an diesen Abenden?

Unser Gast erzählt frei, aber moderiert durch mich. Die Teilnehmenden stellen Fragen und diskutieren mit.

Wer ist Ihr heutiger Gast, Elisabeth Häubi Adler?

Sie ist als Halbjüdin und spätere Stieftochter eines SS-Offiziers während des Zweiten Weltkriegs in Wien aufgewachsen. Sie ist Autorin der Autobiografie «Brave Mädchen fragen nicht» und Verfasserin zahlreicher Kasperlitheater für die jüngsten Zuhörenden.

Was fasziniert Sie an ihr?

Sie ist eine unerschrockene, starke und selbstkritische Frau. Mich interessiert vor dem Hintergrund ihrer Biografie vor allem ihre Leidenschaft für das Kasperlitheater: Welche Verbindungen gibt es für sie zwischen einer erinnerten und einer erfundenen Geschichte? Wo liegt die Grenze zwischen mündlicher und schriftlicher Erzählform? Was bedeutete es für ihr Schreiben, die grosse Welt en miniature spielen zu lassen?

Elisabeth Häubi Adler
Philosophicum
Do, 31. 10, 19 Uhr