Es ist pure Notwehr. «In turbulenten Zeiten muss man sich etwas einfallen lassen, um den Untergang kleiner Läden zu verhindern», schreibt Matthyas Jenny, Eigentümer der Bachletten Buchhandlung, in einer Mail an seine Kunden. Jeden Samstag können diese ihre Bücher dort zum angeschriebenen Europreis in Franken kaufen. Von Dienstag bis Freitag gibt es ausserdem zehn Prozent Währungsrabatt auf den angegebenen Frankenpreis.

Die schönen Zeiten sind vorbei

«Ich habe mir verschiedene Modelle überlegt. Das ist ein Versuch», berichtet Jenny und fährt fort: «Die schöne Zeit des Buchhandels ist definitiv vorbei. Jeden Tag gibt es Diskussionen über die Preise.» Generell seien die Buchpreise in den letzten zwei, drei, vier Jahren um 20 Prozent gesunken und jetzt mit dem neuen Kurs noch einmal um 20 Prozent.

Zum Glück gibt es auch andere Begebenheiten. «Gestern waren deutsche Kunden da, die in der Schweiz arbeiten und sagten, wir kaufen trotz Eurokurs unsere Bücher bei Ihnen. Das war ein schönes Erlebnis», freut sich der Buchhändler. Mit seiner radikalen Preispolitik steht er, zumindest bei den befragten Basler Buchhandlungen, alleine da.

«Eine Preisreduktion von fünf bis zehn Prozent ist Wahnsinn. Ich könnte mir das nicht leisten. Über den Preis kann ich ebenso wenig konkurrenzieren wie mit Thalia oder Amazon. Ich bin auf meine Stammkundschaft angewiesen und muss guten Service bieten», erklärt Urs Jörin, Eigentümer vom Bücherwurm. Er spricht sich gegen einen «Schnellschuss» wegen des Wechselkurses aus und betont: «Ich arbeite seit 35 Jahren in diesem Beruf und will mir die Freude daran nicht verderben lassen.» Wichtig sei ihm auch die Zusammenarbeit mit den Schweizer Auslieferungszentren, von denen er 70 bis 80 Prozent seiner Bücher erhalte.

Zurückhaltend äussert sich auch Petra Kiefer, die Leiterin vom Narrenschiff. «Wir warten vorerst ab und sammeln Ideen.» Eines aber sei klar: «Wir kaufen auf keinen Fall in Deutschland ein.»

David Ryf, Leiter Einkauf und Verkauf beim Schweizer Buchzentrum, betont: «Wir geben unsere Einkaufsvorteile in Euro ab dem 16. Januar eins zu eins an die Buchhandlungen weiter. Sie sind also, wie bisher schon, frei in der Preisgestaltung.»

Buy-Local plant Aktion

Isabelle Hof von der Buchhandlung Ganzoni plant derzeit keine Rabatte oder Preisanpassungen. Als Mitglied von Buy-Local, wo sich vor allem in der Nordwestschweiz knapp 40 kleine, qualitativ hochstehende Läden mit gutem Service zusammengeschlossen haben, ist für nächste Woche eine Aktion vorgesehen. Schon jetzt wird auf der Internetseite um die Schweizer Kunden geworben. Dort heisst es: «Der Euro ist schwach, Buy-Local bleibt stark. Danke, dass Sie bei uns einkaufen» (siehe Illustration links). Was genau vorgesehen ist, will Hof noch nicht mitteilen.

Thalia bleibt sehr diskret

Diskret gibt sich Orell Füssli Thalia. Pressesprecher Alfredo Schilirò schreibt, dass die Firma «intensiv unterschiedliche Szenarien für Warengruppen aus dem Euroraum» prüfe. «Die Höhe eines Währungsausgleichs kann zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der momentanen Volatilität des Kurses noch nicht definiert werden.»

Zurückhaltend zeigt sich auch Jens Stocker, Geschäftsführer von Bider und Tanner. Er ist gegen kurzfristige Massnahmen. «Das macht nur den Markt kaputt und verstört die Kunden. Wir müssen kühlen Kopf bewahren und abwarten, wie sich der Kurs entwickelt.» Stocker betont, dass Bider und Tanner die Bücher bei Schweizer Vertretungen einkaufe, «weil wir die Strukturen erhalten wollen.»