Spätes Eingeständnis

Sanierung der Joggelihalle kostet 10 Millionen mehr – Finanzkontrolle hat bereits im Vorjahr gewarnt

Die Modernisierung der St. Jakobshalle kostet rund zehn Millionen mehr als budgetiert. Die Regierung hat das Budget kurz vor Vollendung der Bauarbeiten nach oben angepasst.

In einem Monat wird in der St. Jakobshalle wieder Welttennis gespielt. Die Arena strahlt dann nach mehrjähriger Arbeit totalsaniert und rundumerneuert für die Swiss Indoors. Nun erfährt die Öffentlichkeit, was die Basler Regierung an ihrer heutigen Sitzung beschlossen hat: Der vom Parlament bewilligte Kredit über 107 Millionen Franken reicht nicht aus und wird um knapp zehn Millionen Franken aufgestockt.

Das federführende Baudepartement hatte die enge Budgetlage des sportlichen Grossprojekts lange erfolgreich verdrängt. Alles im grünen Bereich, kommunizierten stolze Bauherren angesichts der komplexen Anforderung, den Betonbau fit zu trimmen.

Die städtische Finanzkontrolle ist jedoch zu einer anderen Einschätzung gekommen, wie in ihrem Jahresbericht 2017 nachzulesen ist. Sie stellte nach zwei Kontrollen fest, «dass bei den meisten Arbeitsgattungen die Anzahl von Nachträgen und Regieaufwendungen massiv zugenommen haben». Der Baukredit weise zwar noch keine Überschreitung in der Endkostenprognose auf, die Finanzkontrolle «erachtet diese Hochrechnung jedoch als zu optimistisch».

Knappe Reserven budgetiert

Die Vorbehalte landeten bei der Finanzkommission, die ebenfalls die Auskunft erhielt, der Kostenrahmen werde eingehalten. Immerhin wurde der Ratschlag der Finanzkontrolle aufgenommen, eine detaillierte Analyse hinsichtlich noch zu erwartender Arbeiten und Nachträge vorzunehmen. Diese sollte Ende Juni vorgelegen haben. Die teure Folge von zehn Millionen Franken hat die Regierung nun abgenickt.

Eine genauere Analyse zeigt, dass bereits nach der ersten von drei Bauetappen absehbar war, dass die Budgetierung ambitioniert gewesen war. Die als Kostentreiber ausgewiesenen «unvorsehbaren Umstände» wie Verunreinigungen beim Aushub oder umfangreiche Schadstoffe beim Rückbau kamen zu Beginn der Arbeiten zum Vorschein. Thomas Fries, stellvertretender Leiter beim Hochbauamt, räumt ein, dass der vorgesehene Topf von fünf Millionen Franken für Unvorhergesehenes schon ziemlich früh geplündert werden musste. Für alle späteren Mehrkosten standen kaum mehr Reserven zur Verfügung.

Wünsche der Veranstalter

Das im Ratschlag von der Regierung versprochene «strikte Änderungsmanagement», das Kostenüberschreitungen verhindern sollte, griff nicht. Im Rückblick meint Fries, das Reservepolster von fünf Prozent der Bausumme sei für ein solches Projekt wohl zu tief angesetzt worden. Besser wäre wohl ein Spielraum von 10 bis 15 Prozent gewesen, sagt Fries
Als doppelter Kostentreiber erwies sich die Etappierung der Bauarbeiten. So musste deutlich mehr Geld als budgetiert aufgewendet werden, um die Halle jeweils ansehnlich und betriebssicher zu machen, damit die Swiss Indoors oder der CSI Basel stattfinden konnten. Bei diesen «zwischenzeitlichen Betriebsphasen» seien aber auch «Erkenntnisse» gemacht worden, die dazu führten, dass die Veranstalter «weitere Ansprüche formulierten». Diese müssten «zugunsten einer modernen und konkurrenzfähigen Eventhalle umgesetzt werden», schreibt die Regierung. Fries nennt als Beispiel Verbesserungen der Akustik in der Halle oder einen zusätzlichen Lift für Gehbehinderte.

Mit den prognostizierten Endkosten von rund 120 Millionen Franken übertrifft die Modernisierung den Rahmen, den der Grosse Rat mit der Spanne von 86 bis 112 Millionen Franken gespannt hat. Dass am oberen Ende operiert wird, hat das Parlament allerdings gewusst. Es liess sich davon überzeugen, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis hervorragend sei und erst noch mehr Publikum Platz finde als zunächst gedacht. Zuletzt erhöhten die Swiss Indoors ihr Angebot um 637 Plätze pro Tag. Das Brandschutz-Inspektorat gab dafür grünes Licht. Die Kosten für zusätzliche Brandschutzmassnahmen sind mit dem neuesten regierungsrätlichen Entscheid abgedeckt.

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