MCH Group
Sanierung des Messekonzerns: Der Deal ist vollzogen

Die zweistufige Kapitalerhöhung endet als Punktlandung: Jede Partei hält einen Drittel.

Christian Mensch
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Basel-Stadt hatte als Standortkanton der Haupt messen am meisten zu verlieren und war bereit am meisten zu investieren.

Basel-Stadt hatte als Standortkanton der Haupt messen am meisten zu verlieren und war bereit am meisten zu investieren.

Keystone

Die Sanierung des Messekonzerns stand während geraumer Zeit auf Messers Schneide. Mit James Murdoch war zwar ein Investor gefunden, der zu weitreichenden Konzessionen gegenüber den Schweizer Messestandorten Basel und Zürich bereit war. Doch gleichzeitig formierten sich die privaten Aktionäre um den Anleger Erhard Lee, der sich erfolgreich mit juristischen Mitteln gegen die vorgeschlagenen Sanierungsmassnahmen stellte.

Zwischen dem neuen und den alten Aktionären der MCH Group standen die Aktionäre der öffentlichen Hand. Sie hielten bis anhin 49 Prozent der Anteile, konnten sich jedoch nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen. Basel-Stadt hatte als Standortkanton der Haupt messen am meisten zu verlieren und war bereit am meisten zu investieren. Basel-Landschaft hatte sich bereits zum Rückzug aus dem Aktionariat entschliessen. Stadt und Kanton Zürich schliesslich wollten zum Schutz ihres Messebetriebs zwar nicht aussteigen, aber auch nicht stärker einsteigen.

Die neue Machtverteilung im Konzern

Nach einer aussergerichtlichen Einigung, in der vor allem Basel-Stadt Konzessionen gegenüber den privaten Altaktionären machte, konnte Ende November der Prozess komplexer Finanztransaktionen mit einer zwei stufigen Kapitalerhöhung in Gang gesetzt werden.

Am vergangenen Samstag fand dieses Verfahren ein vorläufiges Ende mit einer neuen Machtverteilung im Konzern: Demnach halten die öffentlich- rechtlichen Körperschaften 33,34 Prozent, die Lupa Systems von James Murdoch 32,32 Prozent und die übrigen privaten Aktionäre 34,34 Prozent der Stimmen. Die angestrebte Drittelbeteiligung ist realisiert, wobei die öffentliche Hand knapp mehr als die Sperrminorität von 33,33 Prozent der Stimmen hält.

Basel-Stadt schultert die Verantwortung alleine

Die detaillierte Auszählung zeigt, dass Stadt und Kanton Zürich mit 1,5 bzw. 1,6 Prozent der Anteile nur noch marginal an der MCH Group beteiligt sind. Basel-Landschaft hält noch knapp 3,2 Prozent der Aktien. Allerdings ist bereits aus gemacht, dass dieses Paket von Basel-Stadt übernommen werden wird. Der Stadtkanton hält nach den Transaktionen rund 27 Prozent der Aktien und wird mit dem Baselbieter Paket künftig gut 30 Prozent am Messekonzern halten.

Mit dem Abschluss der Transaktionen ist die Liquidität der Gruppe wieder gesichert. Die Schwierigkeiten sind damit allerdings noch nicht alle gemeistert. Zum einen steht bereits im kommenden Jahr eine Umschuldung einer 100-Millionen-Franken Obligation an. Zum anderen ist nicht absehbar, wie rasch und in welchem Mass sich das Messegeschäft von der Coronakrise erholen wird.

Am Börsenkurs lässt sich jedenfalls nicht ablesen, dass die zahlengläubige Finanzgemeinde an einen raschen Aufschwung glaubt.