Wohnungsnot

Sanierung oder Luxus: Bläsiring-Mieter erhalten Kündigung – oder höheren Mietzins

Im Diener-Haus am Bläsiring werden nach der Sanierung die Mieten steigen.

Im Diener-Haus am Bläsiring werden nach der Sanierung die Mieten steigen.

Der markante Diener-Bau an der Ecke Hammerstrasse und Bläsierung wird saniert. Dafür wurde einigen Mietern gekündigt und die, die bleiben können, bezahlen bald mehr. Der Mieterverband wehrt sich und ortet eine Luxussanierung.

Das Gebäude im Geviert Bläsiring/Hammerstrasse gilt unter Architekturliebhabern als optischer Leckerbissen. Entstanden in den Jahren zwischen 1978 bis 1981 ist es einer der Vorzeigebauten des renommierten Basler Architekturbüros Diener&Diener. Früher war dort die Produktionsstätte der Firma, welche die Abfalleimer Marke «Patent Ochsner» herstellte, seit rund 40 Jahren stehen dort die Wohn- und Geschäftshäuser, wie man sie im Quartier bestens kennt: Klare Linien, Glasfronten, markante Elemente aus Sichtbeton.

Jetzt müssen die Häuser aber saniert werden, wenn es nach der Eigentümerschaft geht, der Zürcher Immobilienfirma Pensimo: Steigzonen, Küchen, Bäder, Fenster, Fassade und Dach seien in die Jahre gekommen, heisst es auf Anfrage. Doch die Mieterschaft tut sich schwer damit. Kein Wunder: Den Bewohnern der kleinen Wohnungen im Einzimmerbereich wurde gekündigt. Die anderen Wohnungen werden zwar im bewohnten Zustand saniert, doch die Mieter staunten nicht schlecht, als ihnen mit der Ankündigung auch gleich ein Mietpreisaufschlag in Aussicht gestellt wurde. Und der bewegt sich im Bereich von mehreren hundert Franken – pro Wohnung.

«Hammer 1» als Exempel

Ein grosser Teil der Mieterschaft hat sich deshalb bereits zusammengeschlossen, wie auch Beat Leuthardt vom Mieterverband Basel-Stadt bestätigt. Der Verband wurde beratenderweise beigezogen, um rechtliche Möglichkeiten zu prüfen. Für Leuthardt ist der Fall in mehrfacher Hinsicht interessant: Zwar handle es sich nicht um eine Massenkündigung, da nur wenigen Bewohnern effektiv gekündigt wurde. Doch die angekündigten Mietzinserhöhungen seien massiv.

Aus Sicht des Mieterverbands sei daher klar: Auch so würden Mieter aus ihren Wohnungen vertrieben. Was die Massnahmen in den Bereich der Luxussanierungen rücke, die eigentlich nicht mehr stattfinden sollten, wenn der neue Basler Verfassungsabschnitt zum Mieterschutz umgesetzt werden würde. Noch aber ist nicht einmal klar, wann die Regierung eine erste Auslegeordnung zur vom Volk verlangten neuen Mietpolitik des Kantons vorlegen will.

Der Bau, der in Anlehnung an die Adresse von Eigentümerschaft sowie vom Mieterverband «Hammer 1» genannt wird, ist für Leuthardt ein Exempel eines neuen Vorgehens, wie Mieter vergrault werden sollen, um entsprechend wertsteigernde Sanierungen durchzuführen. Denn die Eigentümerschaft darf von Gesetzes wegen wertmehrende Investitionen durchaus auf den künftigen Mietzins abwälzen. «Die Investitionssummen sind in diesem Fall wirklich beträchtlich hoch», sagt Leuthardt. Er vermutet, dass mit möglichst aufwändigen Sanierungs-Massnahmen die später über die Mieten erwirtschaftete Rendite nach oben getrieben werden soll.

Sanierung im bewohnten Zustand

Nach 40 Jahren sei eine eingehende Sanierung der Liegenschaft aber wirklich angezeigt, heisst es seitens Eigentümerschaft. Dass bei einigen Bewohnern die Mietzinserhöhung durchaus etwas höher ausfallen könne, stimme, wie Dominik Schmid von Pensimo bestätigt. Er betreut die Immobilie seitens Eigentümerschaft: «Einige Mieter verfügen über einen historisch begründeten tieferen Mietzins.» Pensimo, die vor allem auf Liegenschaften von Pensionskassen und Anlagestiftungen spezialisiert ist, lege allerdings viel Wert darauf, Mietern Hand zu bieten.

Daher sei die Information frühzeitig erfolgt, man eröffne zudem stets die Möglichkeit, auf eine günstigere Wohnung innerhalb der Liegenschaft zu wechseln oder schliesslich jemanden bei der Wohnungssuche zu unterstützen. Die Betriebsphilosophie sei zudem klar: «Wenn immer möglich sanieren wir ohne Kündigung, das heisst, im bewohnten Zustand.» Kündigungen gebe es daher nur in Einzelfällen wie den Einzimmerwohnungen, die bei einer gleichzeitigen Bad- und Küchensanierung schlicht nicht mehr bewohnbar seien.

Auch die Eigentümerschaft befände sich in Gesprächen mit der Mieterschaft, im Januar erfolge zudem eine Informationsveranstaltung zum Projekt. Ebenfalls hält Schmid fest, dass trotz Sanierungen an den Fenstern der Charakter des markanten Gebäudes bestehen bleiben soll. So sei etwa der Architekt, der das Projekt für die Pensimo betreut, auch in Kontakt mit dem Büro Diener&Diener, das für den ursprünglichen Bau verantwortlich zeichnete.

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