Sanität Basel-Stadt
Sanität-Chefs überfordert: GPK fordert «umgehend personelle Massnahmen»

Mobbing-Vorwürfe, Überforderung, hunderte von Überstunden. In der Sanität des Kantons Basel-Stadt rumort es seit langem. Die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats hat sich ein Bild der Zustände verschafft. Fazit: Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Moritz Kaufmann
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Bei der Sanität Basel-Stadt brodelt es schon lange.

Bei der Sanität Basel-Stadt brodelt es schon lange.

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Ihr Beruf ist es, Menschenleben zu retten. Ihre Arbeitsbedingungen scheinen aber miserabel zu sein: Schon lange liegen die Basler Rettungssanitäter mit ihren Vorgesetzten im Clinch. Wie schwerwiegend es wirklich ist, zeigt ein am Donnerstag vorgestellter Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Rats. Sechs Grossräte aus allen politischen Lagern haben unter der Leitung von Thomas Strahm (LDP) die Zustände bei der Basler Sanität untersucht, welche zum Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) gehört.

Kein Mobbing, aber...

Mobbing von Vorgesetzten, Überforderung, Hunderte von Überstunden - darüber klagen die Sanitäter. Zumindest die Mobbingvorwürfe lassen sich laut dem GPK-Bericht nicht erhärten: «Die Subkommission hat keine Anzeichen für Mobbing gefunden», heisst es da. Aber: «Bei der Leitung der Sanität besteht offensichtlich eine grundsätzliche Überforderung.» Dies sei der Grund für eine «kühle und schlechte Arbeitsatmosphäre».

Hans-Peter Altermatt in der Kritik: Die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates fordert den Rücktritt des Sanitätschefs.

Hans-Peter Altermatt in der Kritik: Die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates fordert den Rücktritt des Sanitätschefs.

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Das Vertrauen des Personals sei stark beschädigt. «Es geht so weit, dass von einem offenen Konflikt gesprochen werden kann», hält der Bericht weiter fest. Die Geschäftsprüfungskommission kommt deshalb zum Schluss: «Es besteht dringender Handlungsbedarf», das JSD solle «umgehend personelle Massnahmen in der Leitung ergreifen.»

Wer gemeint ist, ist klar

Namen nennt der Bericht keine. Wer gemeint ist, ist aber klar: Sanitätsleiter Hans Peter Altermatt und sein direkter Vorgesetzter Dominik Walliser, Feuerwehrkommandant und Chef des Bereichs Rettung. Walliser ist derzeit in den Ferien und Altermatt nahm gestern in den Medien nicht Stellung.

Auch sonst verrät der Bericht nicht viele Details. Kommissionsmitglied Urs Müller (Basta) hält aber fest: «Sanitäter ist ein Beruf mit Extremsituationen, der 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche funktioniert. Die Vorgesetzten erledigen aber einen Bürojob von Montag bis Freitag.» Mit anderen Worten: Die Chefs kennen die Realität ihrer Mitarbeiter nicht. Laut dem Bericht bleibe nach schwierigen Einsätzen kein Platz für Lob, umgekehrt würden kleine Fehler sofort scharf kritisiert.

Mehr Leute «löst Problem nicht»

Das JSD nahm gestern verhalten Stellung zum GPK-Bericht. Departementsvorsteher Baschi Dürr ist derzeit in den Ferien, hat laut seinem Generalsekretär David Frey aber Kenntnis von dem Papier.

Das JSD verweist auch auf den sogenannten Personal und Organisationsentwicklungsprozess - ein 2012 eingesetztes Programm zur Verbesserung der Stimmung bei der Sanität. Diesen Prozess kritisiert die GPK aber deutlich: «Er kann bestehende Führungsschwächen und -Defizite nicht beheben und ist letztlich kontraproduktiv.»

Verantwortlich für dieses Programm ist der frühere Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass, der im Bericht ebenfalls schlecht wegkommt, ohne beim Namen genannt zu werden. «2012 ist die Angelegenheit zu wenig ernst genommen worden.» Mittlerweile hat Baschi Dürr zwar mehr Personal in Aussicht gestellt, aber laut der GPK löse das das «ursächliche Problem nicht».

Bestätigt fühlt sich die Gewerkschaft VPOD, welche die Zustände bei der Sanität schon seit langem anprangert. Sekretär Matthias Scheurer sagt: «Wir sehen keine andere Lösung als personelle Wechsel.» Und er hält fest: «Altermatt ist ein Bauernopfer. Dominik Walliser ist es, der Lösungen immer verhindert hat.»

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