Rücktritt
Sarah Wyss: «Die Jungpartei soll einen neuen Kopf kriegen»

Sarah Wyss tritt als Präsidentin der Juso zurück. An die Spitze der «grossen» SP will sie allerdings nicht – noch nicht. Vorerst konzentriere sie sich auf ihren Uni-Abschluss und das Grossratsmandat, das sie am 1. Februar antritt.

Hans-Martin Jermann
Merken
Drucken
Teilen
Sarah Wyss, künftig jüngste Grossrätin.

Sarah Wyss, künftig jüngste Grossrätin.

Kenneth Nars

Frau Wyss, Sie machen berufliche und politische Gründe für Ihren Rücktritt als Juso-Chefin geltend. Erklären Sie das bitte genauer.

Sarah Wyss: Ich stehe an der Uni kurz vor meinem Abschluss in Wirtschaft und Geschichte und werde ab Juni wohl einen Job in Bern haben. Auf politischer Ebene steht mein neues Amt im Grossen Rat und damit einhergehend eine stärkere zeitliche Belastung an. Beides zusammen hat mich bewogen, als Juso-Präsidentin zurückzutreten.

Fühlen Sie sich so langsam zu alt und erwachsen für die Juso?

Nein, damit hat das nichts zu tun. Ich war jetzt dreieinhalb Jahre Kopf der Basler Juso. Es ist wichtig, dass die Jungpartei einen neuen Kopf kriegt. Für mich beginnt mit dem Grossratsmandat, das ich am 1. Februar antrete, eine neue Zeit.

Zur Person

Bei Amtsantritt als Juso-Präsidentin 2009 beinahe unbekannt, ist Sarah Wyss heute - einer pointiert linken und medienwirksamen Politik sei dank - eine der bekanntesten Basler Politikerinnen. Wyss ist am 28. Oktober in den Grossen Rat gewählt worden; mit 24 Jahren wird sie dort künftig die jüngste Vertreterin sein.

Jüngst ist Wyss wegen eines Tweets in die Schlagzeilen geraten: In einer Diskussion zur Forderung von SVP-Chef Toni Brunner für geschlossene Asylbetreuungszentren antwortete Wyss auf die Frage, wer wohl als nächste Minderheit in ein solches Lager gesteckt werden soll: «Ich hoffe, solch rassistische und menschenverachtende Leute wie Brunner.» Wyss hat sich für ihre «ungeschickte Äusserung» entschuldigt, gleichwohl setzte es auf Twitter heftige Beschimpfungen für sie ab. (haj)

Nein, überhaupt nicht. Ich habe meinen Rücktrittsentscheid bereits im Dezember gefällt, wollte diesen aber nicht vor der Mitgliederversammlung am Montag kommunizieren.

Aber Sie haben Ihren Twitter-Account gelöscht.

Nicht gelöscht, sondern deaktiviert für den Moment. Ich werde ihn in ein paar Wochen wieder aufschalten. Ich wurde mit vielen Beschimpfungen eingedeckt. Es wäre meines Erachtens der Sache nicht dienlich gewesen, wenn dazu weiter gezwitschert worden wäre.

Werden Sie nun nach Ihrem Rücktritt bei den Jungen als Präsidentin der «erwachsenen» SP kandidieren?

Das ist für mich im Moment kein Thema. Ich bin nicht deswegen als Juso-Präsidentin zurückgetreten, um mich als Kandidatin fürs SP-Präsidium zu profilieren. Dies wäre angesichts meiner geltend gemachten Gründe für den Rücktritt ja kurios.

Der Rücktritt von Parteipräsident Martin Lüchinger steht im Raum. Wer soll Ihrer Ansicht nach sein Nachfolger werden?

Das müssen die SP-Mitglieder entscheiden. Ich persönlich hoffe, dass Martin Lüchinger vorerst Präsident bleibt. Es wäre für die Partei besser, einen Neuanfang an der Spitze erst in einem Jahr zu wagen. Nach dem Wahlerfolg am 28. Oktober trauen sich plötzlich sehr viele das Präsidentenamt zu. Die SP-Grossratsfraktion wird ab dem 1. Februar ziemlich anders aussehen als die bisherige. Ich würde es begrüssen, diese neuen Kräfte zuerst etwas arbeiten zu lassen. In einem Jahr wird um einiges klarer sein, wer sich wirklich für das Präsidium eignet.