Rauschgifte

Sauberer Stoff am Rheinknie – in Basel sind die Drogen am reinsten

Katja Bender, Forensische Chemie und Toxikologie Basel-Stadt: «Das getestete Kokain erreichte einen Wirkstoffgehalt von neunzig Prozent.» (Symbolbild)

Katja Bender, Forensische Chemie und Toxikologie Basel-Stadt: «Das getestete Kokain erreichte einen Wirkstoffgehalt von neunzig Prozent.» (Symbolbild)

Tests zeigen, dass die Basler immer sauberere Rauschgifte zu sich nehmen – doch das birgt auch Gefahren.

Zweimal im Monat steht den Baslern seit Juli das stationäre Drug Checking an der Mülhauserstrasse offen. Wer am Wochenende kontrolliert über die Stränge schlagen will, der kann den Reinheitsgrad der Drogen checken lassen. 27 Proben wurden bisher abgegeben. Sechsmal Kokain, sechsmal Extasy mit dem Wirkstoff MDMA, sechsmal LSD und siebenmal Amphetamine. Die Präferenzen der Basler decken sich mit den Erfahrungen von Drogenchecks in anderen Schweizer Städten, etwa in Zürich. «Das sind die Drogen, die heute in Mode sind», sagt ein Angestellter der Jugendberatung «Streetwork», die für die Drogenchecks in Zürich verantwortlich ist.

Vor allem Berufstätige testen ihre Drogen

In einem Punkt unterscheiden sich die Basler indes von den anderen Städten Bern und Zürich: in der Qualität der Drogen. «Im Drug Checking werden sehr häufig Kokainproben mit hohem Wirkstoffgehalt von mehr als 90 Prozent analysiert», sagt Katja Bender vom Basler Institut für Rechtsmedizin. Zum Vergleich: Der Reinheitsgrad des getesteten Kokains in Zürich betrug im vergangenen Jahr 77,8 Prozent im Schnitt – bei 928 Proben. Ebenfalls von äusserst hoher Qualität sind die Pillen, die in Basel verkauft werden. Viermal mussten in den ersten zwei Monaten gar Substanzwarnungen aufgeschaltet werden, weil der kritische MDMA-Wert von 120 Milligramm überschritten wurde.

Beim Kokain schwingt Basel zwar obenaus, reflektiert aber einen schweizweiten Trend. Vor zehn Jahren noch ergaben Analysen in Basel, Bern und Zürich, dass das Kokain, das durch Polizei beschlagnahmt wurde, einen Reinheitsgrad von unter 50 Prozent hatte. Die hohe Qualität der Drogen bringt Vorteile, birgt aber auch Gefahren. Beim Kokain überwiegt das Positive: Früher mischten die Dealer noch Streckmittel wie Levamisol in die Droge, die somit noch gesundheitsschädigender wurde. Der Trend bei den Pillen hingegen beunruhigt: Substanzen mit beinahe dem Dreifachen des MDMA-Grenzwerts werden in den Clubs verkauft.

Gerade, weil die Wirkung lange auf sich warten lässt, werfen die Konsumenten gerne zu früh eine Pille nach. Die Folge sind Nebenwirkungen wie Augen- und Nervenzucken bis hin zu Krampfanfällen. Wer zu viel MDMA konsumiert, dem drohen auch irreparable Hirnschäden. Die Klienten des stationären Drug Checkings in Basel sind sich der Folgen ihres Drogenkonsums bewusst. Wer seinen Stoff zum ersten Mal zum Test bringt, muss einen Fragebogen ausfüllen.

Nachdem das Institut für Rechtsmedizin am Montag die Proben genommen hat, werden die Resultate am Donnerstag mitgeteilt. Der Ablauf mutet für einen Drogentest schon fast spiessig an. Aber vorbei sind auch die Zeiten, in denen nur Menschen sich Rauschmitteln hingaben, die ihr Leben nicht im Griff hatten. Die meisten, die beim Drogencheck ihren Stoff testen lassen, gehen gemäss einer Mitarbeiterin der Abteilung Sucht einer geregelten Arbeit nach.

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