Vor rund einem Jahr teilte die Firma mit, dass es im Basler Werk hinter dem Badischen Bahnhof zu tieferen Einschnitten kommen wird. Kurz später verkündete sie, ein Teil der Produktion werde nach Freiburg verlagert.

Gestern informierte Geschäftsleiter Werner Karlen die konsternierte Belegschaft, dass von den 300 Stellen im Stammwerk 100 abgebaut werden. 50 werden nach Freiburg im Breisgau verlagert, weitere 50 Arbeitsplätze gehen in Basel verloren; einzelne Produktionsbereiche werden an Drittunternehmen ausgelagert. Diese sind nach Auskunft von Sauter-Chef Karlen etwa in Deutschland, Sri Lanka oder Estland tätig. Der Werkstandort Basel sei in den letzten Jahren wegen des starken Frankens unter Druck geraten.

Die Unternehmensleitung geht davon aus, dass aufgrund von Fluktuationen für einen grossen Teil der Betroffenen konzernintern Lösungen gefunden werden. Sicher sei, dass im ersten Quartal noch keine Kündigungen ausgesprochen werden. Die vorgesehen Massnahmen sollen bis Ende Jahr umgesetzt werden. Von den 100 Mitarbeitenden bekommen 50 eine Stelle in Freiburg angeboten.

Gewerkschaft reagiert harsch

Die Gewerkschaft Unia ist empört. Der massive Stellenabbau sei nicht nachvollziehbar, denn dem Sauter-Konzern gehe es finanziell gut. Es sei zudem ein Affront gegenüber den Beschäftigten, die auf fünf Prozent Lohn verzichteten und gratis mehr arbeiteten. Einmal mehr zeige sich, dass solche Massnahmen keine Stellen retteten. «Die Beschäftigten haben grosse Opfer gebracht, um ihre Arbeitsplätze zu erhalten. Dass sie jetzt bluten sollen, ist eine Unverschämtheit.»

Mit dem Abbau in Basel stelle Sauter die Aufrechterhaltung der Produktionskette und somit den gesamten Produktionsstandort Basel infrage, so die Unia. Sie fordert die sofortige Einstellung der Gratis-Arbeit. Zudem müssen die geleisteten Überstunden und der ungerechtfertigte Lohnverzicht nachträglich ausbezahlt werden. Weiter fordert die Unia Sauter auf, zumindest im ersten Halbjahr 2016 keine Kündigungen auszusprechen.

«Ausgesprochen unfair»

Der Verband Angestellte Schweiz findet das Vorgehen des Managements «ausgesprochen unfair». Die Massnahmen seien allein auf dem Buckel der Angestellten umgesetzt worden, «von denen jetzt ein grosser Teil auch noch die Stelle verliert – das ist zynisch», so der Verband.

«Der Lohnverzicht hat sehr viel genützt», sagt demgegenüber CEO Werner Karlen. «Der Verlust in Basel hätte 2015 bei vier bis fünf Millionen Franken gelegen, jetzt liegt er noch bei einer Million plus», sagt er. Überdies seien bei der Ankündigung keine Garantien abgegeben worden, erklärt Karlen.

Nun aber lässt er sich auf sein Wort verpflichten: «Jetzt sind wir auf einem guten Pfad. Wenn nicht ein grosser Einbruch kommt, sind wir mit dem Basler Werk in den schwarzen Zahlen.» Die verbleibenden 200 Stellen würden sicherer. Der Konzernumsatz habe 2015 auf rund 400 Millionen abgenommen. Unter dem Strich sei ein kleiner Gewinn geblieben.

Die Fr. Sauter AG mit Hauptsitz in Basel produziert und vertreibt weltweit Geräte und Anwendungen für die Automatisierung von Gebäuden. In der ganzen Gruppe sind 2400 Mitarbeitende beschäftigt. 90 Prozent der in Basel produzierten Produkte gehen in den Export.

Kritik an der Nationalbank

Der Fall Sauter sei ein weiteres Beispiel für die verheerenden Auswirkungen des aufgeblähten Frankens, findet die Unia. Die Nationalbank hinterlasse mit ihrer Politik in der Industrie immer mehr Opfer. Es gehe jetzt darum, die Deindustrialisierung zu verhindern.