Herzstück
SBB-Chef Andreas Meyer: «Es braucht in Basel einfach grössere Anstrengungen»

Die beiden Basel haben ganz neue Pläne für das Milliarden-Projekt «Herzstück» vorgestellt. Für SBB-Chef Andreas Meyer ist das letzte Wort aber noch lange nicht gesprochen.

Daniel Ballmer
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Für SBB-Chef Andreas Meyer sind die neuen Pläne für das Herzstück eine sehr gute weitere Diskussionsgrundlage.

Für SBB-Chef Andreas Meyer sind die neuen Pläne für das Herzstück eine sehr gute weitere Diskussionsgrundlage.

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Herr Meyer, die Region Basel hat neue Pläne für das Herzstück präsentiert. Ist das nun der Weisheit letzter Schluss?

Andreas Meyer: Es ist eine sehr gute, weitere Diskussionsgrundlage. Darunter sind ein paar super Elemente. Im jetzigen Reifegrad muss man sich aber bewusst sein, dass diese Sachen nie ganz so umgesetzt werden. Irgendwann muss man aber auch wieder mal einen Zwischenstand präsentieren. Es geht darum, die Verkehrsplanung noch zu verfeinern und den Badischen Bahnhof allenfalls besser zu integrieren, sodass die Lösungen möglichst noch besser werden – und vielleicht auch günstiger.

In der Vergangenheit gab es wegen des Herzstücks Misstöne zwischen der SBB und Basel-Stadt. Nun aber sei die Bahn mit im Boot.

Wir sind immer mit im Boot. Das ist völlig klar. Bei einem solchen Grossprojekt mit derart vielen Elementen kann es immer wieder zu verschiedenen Ansichten kommen. Die genaue Linienführung oder die Standorte der Bahnhöfe kann man jetzt noch gar nicht im Detail festlegen. Das ist eine Illusion. Das hat sich auch beim dritten Gleis zwischen Lausanne und Genf gezeigt. Das ist über ein Jahrzehnt lang gefordert worden. Es ist aber nie so realisiert worden, weil im Reifeprozess bessere Lösungen gefunden worden sind.

Wo stecken aus Ihrer Sicht beim Herzstück noch die Knackpunkte?

Wenn ich Knackpunkte sehe, dann werden wir diese intern unter den verschiedenen Beteiligten diskutieren.

In Basel wird bereits die Befürchtung geäussert, dass die Rolle des Badischen Bahnhofs marginalisiert werden könnte. Teilen Sie diese Befürchtung?

Für eine solche Beurteilung ist es jetzt schlicht noch zu früh.

Bisher bestand die SBB auf einer neuen unterirdischen Passerelle. Nun wird diese erneut infrage gestellt. Was halten Sie davon?

Tatsächlich brauchen wir bis etwa 2025 mehr Kapazität, um die Kundinnen und Kunden in und aus dem Bahnhof hinaus bringen zu können. Die Passerelle ist zu Stosszeiten ja heute schon manchmal arg belastet. Auch hier prüfen wir noch Varianten. Dabei können wir den Bau des Herzstücks nicht abwarten. Wir werden zuerst eine Lösung brauchen für diese Personenflüsse am Bahnhof Basel SBB.

Bisher plante Basel-Stadt das Herzstück rein für die S-Bahn. Nun soll auch die Option Fernverkehr berücksichtigt werden. Haben Sie sich durchgesetzt?

Die Kantone sind primär für die Planung des Regionalverkehrs zuständig. Die SBB ist gemeinsam mit dem Bund verantwortlich für den nationalen und internationalen Verkehr. Da werden wir nun nochmals verschiedenste Varianten prüfen müssen. Es ist aber gut, dass nun der Fächer nochmals geöffnet wird. Was dann am Ende tatsächlich daraus resultieren wird, kann ich heute noch nicht sagen.

Würden die Realisierungschancen des Herzstücks steigen, wenn es auch fernverkehrstauglich wäre?

Auf jeden Fall. Ein Projekt, das man für mehrere Sachen brauchen kann, steigt natürlich auch nochmals im Wert. Wenn man auf der Strecke zwischen der Schweiz und Deutschland eine halbe Stunde einsparen könnte, wäre das gewaltig.

Ob nun die beste Variante für das Projekt gefunden worden ist oder nicht: Das Herzstück bleibt mit rund drei Milliarden ein grosser Brocken. Wie schätzen Sie die Chancen bei den zuständigen Instanzen in Bern ein?

Es ist nicht an mir, das zu beurteilen. Wir sind zwar als Planungsbüro in die Bewertungen teilweise involviert. Entschieden wird aber von der Politik.

Stimmt, Sie haben aber einen grossen Erfahrungsschatz und können die Chancen deshalb sicher in etwa einschätzen.

Wir sind jetzt in jener Phase, in der alle nochmals versuchen, ihre Projekte besonders gut darzustellen. Das ist auch in Basel so. Da sind die SBB wie auch das Bundesamt für Verkehr sehr zurückhaltend. In dieser Phase sollte man nicht Position beziehen für einzelne Projekte.

Und der SBB-Chef selber? Sie stammen aus der Region, sind in Birsfelden aufgewachsen. Haben Sie da besonderes Herzblut für ein Projekt wie das Herzstück oder sind Sie ebenfalls strikt neutral?

Wenn man die Verhältnisse vor Ort kennt und lange Zeit erlebt hat, dann weiss man: Es braucht in Basel einfach grössere Anstrengungen. Im Dreiländereck sind solche Projekte nicht so einfach zu realisieren wie anderswo. Wegen meiner Eltern bin ich auch heute noch viel in Basel unterwegs und weiss daher, dass es hier ein riesiges Potenzial gibt mit den beiden Bahnhöfen – gerade auch im internationalen Personenverkehr. Ich bin sehr froh, dass jetzt etwas Schwung in die ganze Sache kommt.

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