Ausschreibung

SBB plant Offensive in Deutschland

Konkurrenten: SBB Deutschland (links) und DB Regio im Badischen Bahnhof.

Konkurrenten: SBB Deutschland (links) und DB Regio im Badischen Bahnhof.

Die SBB Deutschland GmbH möchte ihr Netz im Grenzland ausbauen. Bis zu 125 elektrisch angetriebene Schienenfahrzeuge sollen für das deutsche Streckennetz gekauft werden.

Die SBB Deutschland GmbH mit Sitz in Konstanz betreibt schon heute mit viel Erfolg und hoher Kundenzufriedenheit 120 Streckenkilometer im grenznahen Deutschland. Dazu gehören die S-Bahnen vom Basler Bahnhof SBB über Riehen und Lörrach ins Wiesental und zwischen Lörrach und Weil am Rhein, der sogenannte «Seehas» auf der Strecke Konstanz-Singen-Engen sowie der Abschnitt vom deutschen Grenzbahnhof Erzingen nach Schaffhausen.

Im Amtsblatt der Europäischen Union hat die SBB Deutschland bis zu 125 neue elektrisch angetriebene Schienenfahrzeuge ausgeschrieben, die für den deutschen Markt zugelassen sein müssen. Die bisherigen Strecken wurden mit lediglich 20 Flirts und drei Gelenktriebwagen betrieben.

Das Ausmass des geplanten Engagements ist also erheblich: Die Fahrzeugzahl könnte sich im extremsten Fall verfünffachen. Sinn macht der Erwerb neuer Fahrzeuge, weil das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur (MIV) Baden-Württemberg, das pro Jahr im Regionalverkehr 65,5 Millionen Zugkilometer bestellt und finanziert, in den nächsten Jahren etliche Strecken neu ausschreiben wird. So läuft der grosse Verkehrsvertrag mit der Tochter der Deutschen Bahn (DB) DB Regio im September 2016 aus.

Interesse für den Grenzgürtel

Die Medienstelle der SBB bestätigt, dass die SBB Deutschland sich vor allem für Strecken bewerben wird, die von der Schweiz aus gehen oder zumindest bis an die Grenze führen: «Die strategische Zielsetzung ist, Bahnlinien im sogenannten Grenzgürtel Deutschland-Schweiz zu betreiben.»

Sorgen um die von ihnen betriebene Wiesentalbahn und den «Seehas» muss die SBB sich noch nicht machen, da die beiden Strecken laut SBB nicht vor 2020 ausgeschrieben werden.

Die Ausschreibung für den Erwerb der Züge im EU-Amtsblatt ist in zwei Lose aufgeteilt. Die bis zu 50 Fahrzeuge des Loses 1 müssen dabei auch für Hochgeschwindigkeitsstrecken zugelassen sein. Tatsächlich wird seit vielen Jahren der Ausbau der Strecke Basel-Karlsruhe mit einem dritten und vierten Gleis vorangetrieben. Die SBB bestätigt, dass die Strecke Basel SBB–Freiburg–Offenburg für sie «grundsätzlich interessant» sei.

Die ausgeschriebene Strecke führt sogar bis Karlsruhe und beinhaltet auch die Verbindung Offenburg–Konstanz, die sogenannte Schwarzwaldbahn, für die sich die SBB vor vielen Jahren schon einmal interessiert hat. Eine weitere grenznahe Strecke in Baden-Württemberg, die ausgeschrieben wird, ist der Bodenseegürtel.

SBB will Hochrheinstrecke

Dass die SBB auch die Hochrheinstrecke Basel Badischer Bahnhof–Waldshut–Schaffhausen gerne übernehmen würde, ist seit Jahren ein offenes Geheimnis. Sie muss allerdings erst elektrifiziert werden; wann dies umgesetzt sein wird, ist unklar.

Das Los 2 umfasst bis zu 75 elektrisch betriebene Schienenfahrzeuge. Wirklich kaufen muss die SBB die insgesamt bis zu 125 Fahrzeuge allerdings nur, wenn es ihr wirklich gelingt, zusätzliche Ausschreibungen des MIV zu gewinnen und sich gegen den Hauptkonkurrenten, die DB Regio, durchzusetzen. Dies ist ausdrücklich in der Ausschreibung im EU-Amtsblatt erwähnt.

Das MIV hofft, durch den EU-weiten Wettbewerb um die Betreibung der Strecken auf günstige Angebote. Wie aus den Unterlagen zur Ausschreibung hervorgeht, will das Ministerium durch die Neuvergabe bei «wirtschaftlich lukrativen Netzen» pro Zugkilometer mehr als 4 Euro einzusparen. Das ist erheblich, denn derzeit zahlt das MIV rund 11 Euro pro Zugkilometer an die Bahn.

Die SBB Deutschland muss sich bei den Ausschreibungen also auch noch durchsetzen. Dass die deutschen Kollegen von der DB vom Schweizer Engagement in Deutschland nicht gerade begeistert sind, liegt auf der Hand. Sie selber nämlich dürfen sich in der Schweiz nicht betätigen. Ausschreibungen von Schienenstrecken sind dort laut Bundesamt für Verkehr BAV gesetzlich nicht vorgeschrieben. In Deutschland ist dies hingegen wegen der EU-Zugehörigkeit der Fall.

Deutsche Kostenstruktur

Für Thomas Neff, langjähriger Geschäftsführer der SBB Deutschland, ist klar, dass aus den Ausschreibungen für den Besteller tiefere Kosten resultieren. «Früher gab es ein Quasi-Monopol der DB. Die Konkurrenz wird knallhart sein, aber wir rechnen uns Chancen aus.» Aktuell gehe es derzeit vor allem um die erwähnte Strecke Basel–Freiburg sowie um Schaffhausen–Erzingen, wo die DB jeden zweiten Zug fährt. Im Unterschied zum Mutterunternehmen SBB wirtschafte die SBB Deutschland mit einer deutschen Kostenstruktur.

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Autor

Peter Schenk

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